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Stephan Ahlbrecht fertigt trotz Behinderung Holzfiguren und Kerzen an

Alles aus einer Hand Stephan Ahlbrecht fertigt trotz Behinderung Holzfiguren und Kerzen an

Elche fertigt Stephan Ahlbrecht am allerliebsten: „weil sie so wunderschön und majestätisch sind.“ Aber natürlich hat der 36-Jährige noch viele andere Motive im Sortiment: unter anderem Weihnachtsmänner, Sterne, Engel, Kerzenständer, unterschiedliche Tiere. Aber der Elliehäuser stellt nicht nur Holzfiguren her, sondern gießt auch Kerzen und flicht Körbe. „Ich bin eben praktisch begabt“, sagt er.

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Stefan Ahlbrecht

Quelle: Heller

Elliehausen. Eigentlich ist Ahlbrecht gelernter Forstwirt. Doch diesen Beruf kann er seit sieben Jahren nicht mehr ausüben. Seit dem Tag, an dem ein schwerer Autounfall ihm fast das Leben gekostet hätte und ihm unzählige Aufenthalte in Krankenhäusern und Reha-Kliniken bescherte.

Bei einer dieser Maßnahmen wurde auch Flechten angeboten, laut den Verantwortlichen leider nichts für ihn, wie Ahlbrecht sich erinnert: „sie meinten, dazu brauche man zwei Hände – ich kann ja nur noch meine rechte bewegen, die linke ist gelähmt.“      

Doch die Experten hatten nicht mit dem starken Willen ihres Patienten gerechnet. Der hatte sich das Flechten lernen in den Kopf gesetzt – und schaffte es, allen Unkenrufen zu Trotz. Und er lernte noch mehr: seit einer Dänemark-Freizeit kann er Kerzen gießen, vor zweieinhalb Jahren brachte er sich selber bei, Holzfiguren herzustellen.

„Das will ich unbedingt lernen“

Dekupiersäge (die mechanische Form der Laubsäge), Akkuschrauber, elektrische Schleifmaschine und Pinsel  sind seine Werkzeuge, seine Werkstatt befindet sich im ausgebauten Obergeschoss eines ehemaligen Stallgebäudes, das zum Haus gehört, in dem er wohnt.

Seit einiger Zeit steht Ahlbrecht mit seinen Erzeugnissen auf  Märkten in und um Göttingen. Am Anfang sei es ein komisches Gefühl gewesen, sich und seine Arbeiten zu präsentieren, erzählt er: „Ich hatte immer das Gefühl, dass die Leute sich fragen, ob ich ihnen die Wahrheit erzähle, ob jemand, dem nur eine Hand zur Verfügung steht, auch wirklich fähig sei, die ausgestellte Ware selbst herzustellen.“

Doch mittlerweile hat sich der Naturliebhaber („nirgendwo ist es so schön, wie im Wald“) an die ihm ungewohnte Rolle des Verkäufers gewöhnt: „Inzwischen stehe ich gern auf dem Markt, freue mich vor allem, wenn Leute vorbeischauen, die ich bereits von früheren Märkten her kenne.“

Noch etwas macht dem begeisterten Liegerad-Fahrer („am Tag lege ich bis zu 60 Kilometer zurück“) gewaltigen Spaß: Kindern das Flechten beizubringen. Derzeit tut er das – auf ehrenamtlicher Basis – in der vierten Klasse der Grundschule Elliehausen und hofft, dass in Zukunft noch mehr Schulen sein Angebot annehmen werden.

Auch weitere Fertigungs-Aufträge würden ihn freuen „Bis Weihnachten bin ich ausgebucht, aber im neuen Jahr habe ich wieder Zeit für Arbeiten für die Osterzeit sowie Haus und Garten.“ Auf Ahlbrechts Wunschzettel für Weihnachten steht übrigens ein Flechtkurs, denn er kann – noch – keine Henkelkörbe anfertigen: „Das will ich unbedingt lernen.“

Von Hauke Rudolph

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