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Stephan Weil diskutiert in Göttingen mit Schülern

„Ich wollte da was ändern“ Stephan Weil diskutiert in Göttingen mit Schülern

Dass Parteienverdrossenheit nicht automatisch Politikverdrossenheit bedeutet, hat Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) am Montag bei einem Besuch am Göttinger Max-Planck-Gymnasium erfahren. Dortige Schüler hatten Ihn zu einer Podiumsdiskussion herausgefordert.

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Quelle: Hinzmann

Göttingen. Die Flüchtlingszahlen, der Klimawandel, die Bankenkrise: Angesichts der Fragen, mit denen die angehenden Abiturienten den Ministerpräsidenten löcherten, wurde schnell klar, dass Politikverdrossenheit nicht das Kernproblem der jungen Leute ist.

Dazu hätten vielleicht auch Ereignisse wie der Arabische Frühling beigetragen, erzählte der Schüler Cordt Lampe. Und grundsätzlich betonte er: „Wir engagieren uns ja, nur eben nicht in den Parteien.“ Das Engagement in der Zivilgesellschaft hielt zwar auch Weil für „ehrenwert“. Allerdings brauche Demokratie „permanentes statt punktuelles“ Engagement.

Dem erteilte Abdullah Akgül eine Absage: Auch wenn er ursprünglich mit einem Eintritt in die SPD sympathisiert habe, könne er sich nach den jüngsten Asylverschärfungen nicht mehr vorstellen, der Partei beizutreten. Er sei seinerzeit in die SPD eingetreten, gerade weil ihm dort vieles nicht gepasst habe, erklärte hingegen der Ministerpräsident: „Ich wollte da was ändern.“

Ob das als junger Mensch möglich sei, bezweifelte Friederike Feindt: Sie erkannte eine „Oligarisierung“ in den Parteien. ­Dass letztlich nur wenige alte Männer entscheiden würden, sei der Grund, dass sich junge Leute nicht mehr für Politik interessierten. Dem Eindruck widersprach Weil vehement. Zwar gebe es typischerweise eine Führung, die die Richtung vorgebe. Aber „dann kommt Kritik von unten, von links und rechts und aus den Medien,“ erklärte er sein Politikverständnis.

Feindt zufolge hat die Politik allerdings grundsätzlich junge Wähler aus dem Blick verloren: Die Rente mit 63 sei ein „Wahlgeschenk für ältere Wähler“, die finanziellen Engpässe in den Kommunen würden vor allem Sport- Bildungs- und Freizeitangebote und damit junge Leute treffen. Angesichts der Milliarden Euro teuren Bankenrettung sah auch Lampe in den aktuellen „Schuldenbergen“ ein Produkt der letzten Jahre, wovon junge Menschen wenig gehabt hätten.

Offener Brief zur Situation an Gymnasien

Göttingen. Während seines Besuchs am Max-Planck-Gymnasium haben Elternvertreter der Südniedersächsischen Gymnasien am Montag einen offenen Brief an Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD) übergeben. Damit wollen sie ihrer im Sommer eingereichten Petition zur Verbesserung der Situation an Gymnasien Nachdruck verleihen.

Im Juni 2015 hatten Elternvertreter und Lehrer unter anderem eine bessere Ausstattung der Schulen, mehr Personal bei Verwaltung und Sozialdiensten sowie zusätzliche Lehrkapazitäten zur Reduzierung von Unterrichtsausfällen gefordert. Zwar habe man das damalige Gespräch „mit einem positiven Eindruck verlassen“, so der offene Brief ­— bisher habe sich aber nur wenig in die „richtige Richtung“ bewegt.

Marion Villmar-Doebeling, Elternvertreterin an der Goetheschule Einbeck nannte es nicht hinnehmbar, dass der Unterrichtsausfall weiterhin bei 3,1 Prozent an Gymnasien liege.

Außerdem kritisiert der offene Brief, dass die versprochene Einrichtung von 267 Sozialarbeiterstellen an allen Schulformen nicht vorankomme. Bisher seien nur 100 Stellen für Grundschulen ausgeschrieben worden. Besonders die Integration von Flüchtlingen, die häufig traumatisiert seien und mitten in der Pubertät wären, könne aber nur funktionieren, wenn es Ansprechpartner ausserhalb der Lehrerschaft auch an den fortführenden Schulen gebe, so Villmar-Doebeling weiter. Ines Kettler, Elternvertreterin am Göttinger Felix-Klein-Gymnasium zufolge hat Weil zugesagt.

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