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Sterntheater: Mehr als sechs Jahrzehnte Kinogeschichte

Abschiedsvorstellung Sterntheater: Mehr als sechs Jahrzehnte Kinogeschichte

Nach einem Abschiedsfest am Montag, 14. Februar, schließt das Sterntheater seine Türen für immer. Seit mehr als einem Jahrhundert zeigen Lichtspielhäuser in Göttingen Filme – mehr als sechs Jahrzehnte war das Stern an der städtischen Kinogeschichte beteiligt.

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Eröffnung 1949: Die Göttinger standen für den Film „Schwarze Narzisse“ Schlange.

Quelle: Lübcke

Die Kinogeschichte begann in Göttingen 1896 mit dem Auftritt eines Wanderkinos im „Wiener Café“ an der Weender Straße, ein Jahr nach der ersten nachgewiesenen öffentlichen Filmvorführung im Berliner Wintergarten. Weitere Vorstellungen anderer Gruppen folgten – in der Pianofortefabrik, im Bürgerpark, im Colosseum an der Wiesenstraße. 1908 wurde das „Welt-Bioskop-Theater“ als Göttingens erstes festes Lichtspielhaus im Central-Hotel an der Jüdenstraße eingerichtet, wurde wenige Wochen später zunächst in den Saal der Gaststätte Zur Börse an der Langen Geismarstraße verlegt und bald darauf wieder geschlossen.

Im Oktober 1909 eröffnete am Markt das spätere Edentheater. Vor Beginn des Ersten Weltkrieges wurde der Betrieb wieder eingestellt. Erst 1916 aktivierte der Kinozar Ernst Heidelberg die Räume und betrieb das Lichtspielhaus bis zum Konkurs 1973. Ebenfalls von 1909 an zeigte das Union-Theater an der Groner Straße Filme. Von 1910 an liefen auch in den Central-Lichtspielen an der Barfüßer Straße Bilder über die Leinwand. 1923 wechselte das spätere Central-Theater den Besitzer, 1930 war dort der erste Tonfilm in Göttingen zu sehen: „Dich hab’ ich geliebt“. 1933 wurde es erweitert und wies nun 450 Sitzplätze auf. In dem Jahr wurde das Lichtspielhaus Universum an der Wiesenstraße geschlossen. 1928 entstand an der Ecke Prinzenstraße/Stumpfebiel das Capitol.

Im renovierten Gebäude Hospitalstraße führte der Verein Urania Filme vor. 1949 wurden dort die Kammerspiele eröffnet. Für kurze Zeit gab es darüberhinaus auf dem heutigen Wochenmarkt ein Freilichtkino, das sich wegen zu vieler Niederschläge jedoch nicht lange hielt. 1951 kam das Kino Krone in der Kronenpassage hinzu.
Das Sterntheater wurde 1949 in der umgebauten ehemaligen Reithalle der Wörthkaserne in der Sternstraße eingerichtet. Mit 960 Sitzplätzen war es bei seiner Eröffnung im Herbst zwar weniger als halb so groß wie die kurz zuvor in Berlin oder Hamburg gebauten Kinopaläste. Nach Göttinger Maßstäben aber war es das größte Lichtspielhaus der Stadt – und das in den 1950er Jahren, als viele Häuser in anderen Städten wegen der zunehmenden Konkurrenz durch das Fernsehen schließen mussten.
Unter der Direktion von Joachim Bernau wurde es am 4. September eröffnet. Erster Film war „Schwarze Narzisse“ mit Deborah Kerr, Jeans Simmons und Sabu. Bis auf die Sternstraße standen die ersten Kinobesucher Schlange. 1955 wechselte der Betreiber: Kurt Krause, seit 1951 auch Inhaber des Kronen-Kinos, übernimmt das Stern in der Filmstadt Göttingen. Zu seinen Premieren kommen die Stars: Heinz Rühmann, Marika Rökk oder Klaus Kinski trugen sich im Gästebuch ein. 1958 trat Zarah Leander bei einem Musikabend auf. Auch in den 60er Jahren kamen Stars zu Besuch: Renate Kern, Rex Gildo, Udo Jürgens, Werner Enke und Uschi Glas. Da hatte Krause bereits erweitert. 1957 war mit dem Sternchen ein zweiter Kinosaal angebaut worden.

Als sich Krause 1986 aus dem Kinogeschäft zurückzog, übernahm das Flebbe-Kino-Imperium seine Lichtspielhäuser. 1996 entstand auf der Bahnhofswestseite das Multiplex Cinemaxx für 1700 Besucher in neun Kinosälen. Nach zehn Jahren lief Flebbes Mietvertrag aus und wurde vom Eigentümer, der für kurze Zeit wieder ins Kinogeschäft einstieg, nicht verlängert. Neue Mieter wurden die Hamburger Union-Kinobetriebe, die im Stern weiterhin die großen Blockbuster zeigten. 2003 übernahm erneut die Cinemaxx-AG, das Sterntheater wurde zum Programmkino. Die Besucherzahlen sanken.

Im Jahr 2009 übernahmen die Vereinigten Kinobetriebe das Sterntheater. Bis Jahresbeginn 2011 lief der Mietvertrag. Die Betreiber machten eine umfangreiche Sanierung zur Bedingung für den Fortbestand des Kinos, was die Eigentümerfamilie nach eigenem Bekunden nicht leisten kann. Der Sanierungbedarf betrage rund zwei Millionen Euro (Tageblatt berichtete). Das Gebäude wurde mittlerweile verkauft. Die letzten Vorstellungen laufen am kommenden Wochenende. „Black Swan“ ist am Sonntagabend der letzte reguläre Film, der auf der Leinwand gezeigt wird. Dann gibt es nur noch das Abschlussfest am Montag, und das ist nach Mitteilung der Betreiber bereits restlos ausverkauft: Die Göttinger wollen ihren Stern verabschieden.

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