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Stolpersteine in Göttingen erinnern an NS-Opfer

Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig startet Stolpersteine in Göttingen erinnern an NS-Opfer

Für Sozialdezernentin Dagmar Schlapeit-Beck ist es ein „großer Moment“ und ein „großartiges Projekt“: Im März sollen erstmals auch in Göttingen Stolpersteine verlegt werden, die an Menschen erinnern, die während der nationalsozialistischen Diktatur vertrieben oder ermordet wurden.

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In Dransfeld liegen sie bereits, in Göttingen sollen Stolpersteine im März verlegt werden.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Auf den Stolpersteinen, die ins Pflaster eingelassen werden, ist eine Messingplatte aufgebracht, in die Informationen zu den Opfern eingraviert sind. Verlegt werden die Steine seit 2000 vom Kölner Künstler Gunter Demnig, der das Projekt initiiert hat.

Demnig habe mittlerweile  rund 50 000 Stolpersteine in Deutschland und 17 weiteren europäischen Ländern verlegt, sagte Heiner J. Willen, Vorsitzender der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit bei der Vorstellung des Vorhabens für Göttingen.

Die meisten der Opfer, an die erinnert werde, seien Juden, aber es gebe Stolpersteine unter anderem auch für Homosexuelle, Sinti und Roma oder Zeugen Jehovas, die Opfer der NS-Diktatur gewesen seien. Die Steine werden vor dem letzten frei gewählten Wohnhaus der Opfer verlegt.

In Göttingen gibt es bislang nur einen Stolperstein auf einem Privatgrundstück. Im öffentlichen Raum waren bisher aufgrund des Einspruchs der konservativen jüdischen Kultusgemeinde keine Steine verlegt worden. Der Name der Opfer werde mit Füßen getreten und beschmutzt, lautete der Einwand.

„Gutes Mittel des Erinnerns und Gedenkens“

Für Willen sind die Stolpersteine dagegen ein „gutes Mittel des Erinnerns und Gedenkens“. Die liberale Jüdische Gemeinde in Göttingen und damit die Mehrheit der Juden in der Stadt stehe hinter dem Projekt. Wer den Text auf den Stolpersteinen lesen wolle, müsse sich hinunterbeugen und damit vor den Opfern verneigen, so Willen.

Ein Kompromiss machte es schließlich möglich, das Projekt auch in Göttingen zu realisieren: Stolpersteine sollen nur dann verlegt werden, wenn Nachfahren und Angehörige einverstanden sind. Dieser Formel hat auch der Rat der Stadt zugestimmt. Opfer ohne Angehörige bleiben damit vorerst ohne Stolperstein – doch die Initiatoren hoffen darauf, dass es hier im Verlauf des Projektes ein Umdenken geben könnte.

Am 17. März sollen nun die ersten zehn öffentlichen Stolpersteine in Göttingen verlegt werden. Der Künstler hatte diese Höchstzahl vorgegeben. Die Namen wählte eine bei der christlich-jüdischen Gesellschaft angesiedelte Arbeitsgruppe aus, der auch der Leiter des Städtischen Museums und des Stadtarchivs, Ernst Böhme, sowie der Vorsitzende des Geschichtsvereins, Peter Aufgebauer, angehören.

Böhme würdigte das Stolperstein-Projekt als „Prozess des kollektiven Erinnerns“. Aufgebauer sagte, er sei „sehr dankbar“, dass für das Projekt in Göttingen nun endlich ein Kompromiss gefunden worden sei. Das Projekt sei auf jüdischer Seite weithin akzeptiert, betonte der Historiker.

An diese zehn Opfer soll erinnert werden

Die stellvertretende Vorsitzende der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Bettina Kratz-Ritter, hat am Mittwoch die Namen der zehn jüdischen Opfer der NS-Diktatur vorgestellt, für die die ersten öffentlichen Stolpersteine in Göttingen verlegt werden.

Unter den Opfern sind zwei Jugendliche und der Maler Hermann Hirsch, der sich in der Verzweiflung über die zunehmende Entrechtung selbst das Leben nahm. Die Inschriften beginnen mit den Worten „Hier wohnte“, dann folgen die Angaben:

  • Leopold Katz, Jg. 1875, deportiert 1942, Ghetto Warschau, ermordet
  • Mathilde Katz, Jg. 1878, geb. Apt, deportiert 1942, Ghetto Warschau, ermordet
  • Ludolf Katz, Jg. 1903, Flucht 1938, USA
  • Rosa Katz, Jg. 1911, Flucht 1937, USA
  • Kurt Asser, Jg. 1926, deportiert 1942, Ghetto Warschau, ermordet
  • Lissy Asser, Jg. 1927, deportiert 1942, Ghetto Warschau, ermordet
  • Julius Asser, Jg. 1905, deportiert 1942, Ghetto Warschau, ermordet
  • Jenny Asser, geb. Fernich, Jg. 1904, deportiert 1942, Ghetto Warschau, ermordet
  • Bertha Fernich, geb. Blumenfeld, Jg. 1876, deportiert 1942, Ghetto Warschau, ermordet
  • Hermann Hirsch, Jg. 1861, gedemütigt / entrechtet, Flucht in den Tod 1.3.1934

Bei der Verlegung der Stolpersteine würden auch Angehörige und Verwandte der Opfer erwartet, sagte Heiner J. Willen, Vorsitzender der christlich-jüdischen Gesellschaft. Auf diese zehn Stolpersteine sollen jedoch noch zahlreiche weitere folgen, wenn es nach den Initiatoren geht. Das Projekt werde die Gesellschaft wohl mindestens fünf Jahre lang beschäftigen, meint Willen.

Die nächsten Stolpersteine könnten aber frühestens 2016 verlegt werden. Die Stolpersteine werden über Patenschaften finanziert. Paten werden auch für die Pflege der Steine gesucht. Ansprechpartner sind die Gesellschaft und der Geschichtsverein.

Mehr Informationen unter geschichtsverein-goettingen.de und gcjz-goettingen.de
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