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„Stolzer sein, in einer Demokratie zu leben“

Nichtwähler diskutieren in Göttingen „Stolzer sein, in einer Demokratie zu leben“

„Völlig wahllos?!“ - ein provokanter Titel, mit dem die Friedrich-Ebert-Stiftung am Freitagabend zu einer Podiumsdiskussion geladen hatte. In Zeiten der sinkenden Wahlbeteiligung und zunehmender Politikverdrossenheit sollte die Frage „Warum gehen wir eigentlich noch wählen?“ diskutiert werden.

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Quelle: GT

Göttingen. Dieser Frage stellten sich der Bundestagsabgeordnete Thomas Oppermann (SPD), der Parteienforscher Matthias Micus und die Groner Ortsbürgermeisterin Birgit Sterr (SPD). Micus, der mit dem Göttinger Institut für Demokratieforschung kürzlich eine Studie zu Nichtwählern vorgelegt hat, machte zu Beginn klar: „Nichtwähler sind nicht automatisch politisch desinteressiert.“ Vielmehr würden sie Politik und Politiker als etwas Abstraktes wahrnehmen. Nach dem Motto: die da oben, wir hier unten. Allgemein sei das Nichtwählen weiter unter den gesellschaftlich Schwächergestellten verbreitet - Menschen mit geringem Einkommen, niedrigem Bildungsstand. Um diese Menschen wieder zu aktivieren, brauche es nach Ansicht des Wissenschaftlers niedrigschwellige Angebote, sich zu engagieren. „Engagement schafft mehr Engagement.“

Auch Kommunalpolitikerin Sterr beobachtet, dass Menschen sich heute weniger beteiligen. „Menschen bringen sich zwar ein, wollen sich aber nicht verpflichten.“ Zum Schluss führe fehlendes Engagement zum Nichtwählen, sagte sie.

„Die Demokratie ist eine Staatsform, die vom Engagement lebt“, pflichtete Oppermann bei. Mehr politische Bildung könne dabei helfen, „möglichst viele Passivbürger zu Aktivbürgern zu machen“, sagte der Sozialdemokrat. Auch der „behutsame Ausbau von Bürgerbeteiligung“ könnte ein wirksames Instrument dabei sein.

Am Ende war es ein Satz aus dem Publikum, der die Stimmung im voll besetzten Saal des Nachbarschaftszentrums Grone gut zusammenfasste: „Die Leute müssen mal wieder stolzer sein, dass sie in einer Demokratie leben dürfen.“ Denn eines wusste auch schon der Namensgeber der Friedrich-Ebert-Stiftung vor fast einem Jahrhundert: „Demokratie braucht Demokraten.“ bk

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