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Fotografen gegen „Freundeskreis“

Strafanzeigen Fotografen gegen „Freundeskreis“

Nach den Demonstrationen des rechtsextremen „Freundeskreis/Thügida“ in Göttingen, Northeim und Friedland am 1. April haben mehrere Fotografen Strafantrag gegen rechte Angreifer gestellt. Die Vorwürfe: versuchte gefährliche Körperverletzung und Nötigung.

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Quelle: SPF/Archiv

Göttingen/Friedland. Die Übergriffe hätten sich in Friedland ereignet, als die Fotografen das geplante Auftreten des sogenannten Freundeskreises und seiner Sympathisanten vor dem Grenzdurchgangslager der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen festhalten wollten, erklärt der Göttinger Rechtsanwalt Sven Adam, der einen der drei Fotografen vertritt.

Die angezeigten Taten seien vom „Freundeskreis“ selbst live im Internet verbreitet worden. Die 23, 26 und 28 Jahre alten Fotografen waren am Sonnabend gegen 20 Uhr in Friedland eingetroffen. Als die rechte Truppe sie bemerkt habe, hätten einige unter ihnen unter Rufen wie „Auf sie!“ und „Holt sie Euch“ unter den Augen der Polizei Jagd auf die Fotografen gemacht. Die Übergriffe seien von dem Freundeskreis selbst per Mobiltelefon gefilmt und live ins Internet übertragen worden, erklärt Adam. Die Angegriffenen hätten sich in eine nahe gelegene Gaststätte zurückziehen müssen. Zwei der Angreifer wurden unmittelbar vor Ort von Polizeibeamten vorläufig festgenommen.

Die Fotografen liefern Material für Fachjournale wie den Rechten Rand oder den Störungsmelder der Tageszeitung „Zeit“, aber auch für die Tageszeitung TAZ oder den Norddeutschen Rundfunk. „Es war der Umsicht der Fotografen zu verdanken, dass diese nicht verletzt wurden“, erklärt Rechtsanwalt Adam. „Bemerkenswert ist aber, mit welcher Selbstverständlichkeit die Neonazis unter den Augen der Polizei Straftaten begehen und diese auch noch filmen.“ Der „Freundeskreis“ habe das Video der Taten mittlerweile von seiner Facebook-Seite gelöscht. Seine Kanzlei habe der Polizei allerdings gesicherte Kopien zur Verfügung gestellt, teilt Adam mit. Darauf sei „eine Vielzahl an Straftaten und den dazu gehörenden Tätern zu erkennen“, führt Rechtsanwalt Rasmus Kahlen aus, der ebenfalls in dem Verfahren tätig ist. Die Polizei hate im Zusammenhang mit den Demonstrationen ihrerseits etwa 70 Verfahren unter anderem wegen Verstöße gegen das Waffengesetz, Beleidigung, gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr, Brandstiftung und Landfriedensbruchs eingeleitet.

 

Folgen für weitere Kundgebungen?

Rechtsanwalt Sven Adam erwartet, dass das Verhalten der Mitglieder des „Freundeskreises“ am 1. April in Friedland nicht nur strafrechtliche Konsequenzen, sondern auch „versammlungsrechtliche Auswirkungen auf gegebenenfalls nachfolgende Versammlungen“ haben kann. Adam: „Es wäre jedenfalls der Versammlungsbehörde möglich, bestimmte Personen zukünftig als Leiter oder Ordner von Versammlungen abzulehnen, wenn sie selbst zu Jagdszenen wie denen in Friedland aufgerufen haben oder unmittelbar beteiligt waren.“ hein

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