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Strafe für Schläger statt Ballfangzaun

Strafbefehl: 35 Tagessätze Strafe für Schläger statt Ballfangzaun

Es wird keinen Ballfangzaun am Sportplatz geben. Einstimmig entschied sich der Ortsrat dagegen. Es wird aber eine Strafe für den Nachbarn geben, der mit einem brutalen Angriff gegen die Mutter eines jungen Fußballers die erbitterten Diskussionen in Sportverein, Orts- und Gemeinderat um einen Zaun zum Nachbargrundstück ausgelöst hatte.

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Blick von Sporthaus zu Fußballplatz: Rechts der Garten, dem ein Zaun erspart bleibt, links der Parkplatz, geeignet für Basketball.

Quelle: CH

Gestern bestätigte das Amtsgericht: Der 49 Jahre alte Nachbar des Sporthauses Niedernjesa, der am 15. April am Rande eines Fußball-Jugendturniers einen in seinen Garten verschossenen Fußball nicht herausgeben wollte und eine Fußball-Mutter angriff, als sie den Ball holen wollte, wird per Strafbefehl zu 35 Tagessätzen zu je 15 Euro verurteilt. Der Richter sieht Körperverletzung und Sachbeschädigung als erfüllt an. Der Mann hatte die Frau angegriffen, in eine Hecke geschubst, sie mit Füßen getreten und den Ball mit einem Messer zerstochen.

Das Strafverfahren gegen die Frau, die unberechtigt das Grundstück betreten hatte, um den Ball zu holen, wurde eingestellt. Die Staatsanwaltschaft wies die Gegenanzeige wegen Hausfriedensbruches wegen Geringfügigkeit zurück.

Die Familie des Opfers hatte nach der Tat per Einwohnerantrag (Paragraf 22a der Niedersächsischen Gemeindeordnung) sowie mit einer Unterschriftensammlung (rund 350 unterschrieben) die Prüfung erzwungen, ob ein Ballfangzaun gebaut werden müsse, um solche Konflikte künftig zu vermeiden. Die Gemeinde hatte daraufhin einen Gutachter beauftragt, der aber keinerlei Notwendigkeit sah. Wenn der Sportplatz ordnungsgemäß bespielt werde, könne es gar nicht zum Konflikt kommen. Auch Vertreter des Vereins hatten betont, in 30 Jahren kaum Probleme mit verschossenen Bällen gehabt zu haben. Der Rat hatte den Fall daraufhin an den Ortsrat zur Beratung gegeben.

Am Mittwoch waren sich die Ortsratsmitglieder dann schnell einig: Ein Fangzaun – der Gutachter hatte von Kosten von rund 40 000 Euro gesprochen – wird nicht gewünscht. Zuvor hatten andere Anlieger des Sportplatzes an die Politiker appelliert: „Die DDR haben wir abgeschafft, jetzt soll wieder ein Zaun gebaut werden. Ich bin so froh, wenn Kinder hier Ball spielen.“ Ein anderer Anwohner: „40 000 Euro – da kann man jeden Monat einen Satz neue Bälle kaufen.“ Ortsratsmitglied Alexander Frey (SPD) brachte es auf den Punkt: „Mit einem Ballfangzaun schießen wir übers Ziel hinaus.“

Einen Tagesordnungspunkt weiter blitzte der Konflikt aber schon wieder auf: Der Ortsrat will auf Antrag einer Jugendgruppe einen Basketballkorb spendieren. Der Sporthaus-Parkplatz wäre ein möglicher Platz zum Basketballspielen, bestünde nicht Gefahr, dass künftig Basketbälle zum Nachbarn fliegen. Ein Standort für den Korb wird noch gesucht.

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