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Straßensozialarbeit Göttingen: Verbesserungen nach Umzug

„Würde bewahren, 
Armut bekämpfen“ Straßensozialarbeit Göttingen: Verbesserungen nach Umzug

Vor knapp einem Jahr ist die Straßensozialarbeit Göttingen in die Tilsiter Straße 2 a gezogen. Laut Diakoniepastor Thomas Harms ist die Einrichtung gut am neuen Standort angekommen.

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Quelle: Pförtner

Göttingen. Die Straßensozialarbeit kümmert sich um Menschen, die von Wohnungslosigkeit betroffen oder bedroht sind. Zuvor war die Straso am Rosdorfer Weg ansässig. Gegenüber dem alten Standort sieht Harms eine Reihe von Verbesserungen. So gebe es geschütztere Räume, um in Ruhe unter vier Augen mit den Klienten zu sprechen. Außerdem sei in den Aufenthaltsräumen auch ein Nichtraucherbereich vorhanden. Am neuen Standort sei zudem ein besserer Standard im Hinblick auf die Gesundheitsprophylaxe möglich. Darüber hinaus sei das Umfeld des Gebäudes schöner.

Es sei wichtig, dass sich die Armut der Klienten nicht noch einmal im Gebäude spiegele, meint Harms. Es gehe darum, Standards zu haben, mit denen der diakonische Grundsatz, die Würde der Klienten zu bewahren und die Armut zu bekämpfen, umgesetzt werden könne.

Die Straso versucht auf vielfältige Weise, die Lebenslage der Klienten zu verbessern und ihnen den Weg in ein eigenständiges Leben zu ebnen. In der Einrichtung gibt es eine Teestube, ein Frühstücks- und Mittagsangebot. Auch eine Dusche und eine Waschmaschine sind vorhanden. Die Klienten können sich ein Post- und Meldeadresse einrichten. Rund 100 Menschen nutzen derzeit diese Möglichkeit.

Es gibt Unterstützung beim Umgang mit Behörden und eine Wohnraumvermittlung. Sozialarbeiter suchen Klienten auch im öffentlichen Raum auf. In der Einrichtung bieten zwei Fachanwälte ehrenamtlich eine kostenfreie Beratung an. Ein ehrenamtlicher Arzt kümmert sich um die medizinische Notfallversorgung und berät in gesundheitlichen Anliegen. Ein Schneider flickt oder ändert für ein geringes Entgelt Kleidung.

In der Wohnraumvermittlung ist Gerd-Rüdiger Reich tätig. Er berät im Hinblick auf mögliche staatliche Leistungen und sucht Wohnungen für Menschen, die von der Straße weg wollen oder denen Kündigungen oder Räumungsklagen drohen. Dabei helfen Reich Kontakte zu privaten Vermietern, die er im Lauf seiner Tätigkeit geknüpft hat. Zu seinen Klienten zählen auch psychische kranke Menschen, die aus einer Klinik kommen, oder Suchtkranke, die aus einem Therapiezentrum kommen. Manche Klienten seien aus der Mittelschicht abgerutscht, sagt Harms. Aus einschneidenden Ereignissen wie einer Scheidung oder dem Verlust des Arbeitsplatzes könne schnell eine Abwärtsspirale entstehen, besonders wenn auch noch Alkohol ins Spiel komme.

Die Straso ist eine Einrichtung des Diakonieverbandes, der zum evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Göttingen gehört. Die Diakonie ist der soziale Dienst der evangelischen Kirche. Anfangs habe es unter den Nachbarn Befürchtungen im Hinblick auf den Einzug der Straso gegeben, erklärt Harms. Doch bislang seien keine Beschwerden eingegangen. Es sei klar geworden, dass die Straso-Klienten Hilfesuchende seien, die keinen Rabatz machten, sondern froh seien, wenn sich jemand um sie kümmere.

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