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Strategiepapier für den Kampf gegen Hells Angels

„Deine Zeit läuft ab“ Strategiepapier für den Kampf gegen Hells Angels

Die Anklage der Staatsanwaltschaft Kassel gegen den Chef des verbotenen Hells Angels Motorcycle Clubs (HAMC) Göttingen wegen versuchter Erpressung und Diebstahls ist fertig. Demnach hatte der Rockerchef im September von einem 60-jährigen Hells Angels-Sympathisanten erst 30 000 Euro, dann 100 000 Euro „Schadensersatz“ gefordert, weil dieser den Ruf der Rocker geschädigt habe.

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Adelebsen. Wenn er nicht zahle, werde er erschossen. Unter anderem soll der Rockerchef dem 60-Jährigen eine SMS mit dem Text „tick tack, tick tack, deine Zeit läuft ab“ geschickt haben. Zum Schein ging der Mann auf die Aufforderung ein. Als der Rockerchef und sein Bruder an seiner Wohnung in Wahlsburg erschienen, nahm die Polizei die Brüder fest. Ein Termin zur Verhandlung ist noch nicht angesetzt.

Die Tat diente danach Staatsanwaltschaft und Innenministerium dazu, gegen den HAMC Göttingen als Ganzes vorzugehen: Am 24. Oktober wurde der Club verboten, das Vereinsheim in Adelebsen gestürmt und Vereinseigentum und Privatbesitz der Mitglieder beschlagnahmt.

Was Polizei, Staatsanwaltschaft und Innenministerium indes noch nicht gelungen ist: der Nachweis, dass die Hells Angels eine Gruppierung mit dem Ziel krimineller Handlungen sind. Wie die Behörden gegen die Rocker vorgehen, geht aus einem Strategiepapier mit dem Vermerk „VS – Nur für den Dienstgebrauch“ hervor, das dem Tageblatt vorliegt.

„Grundlage für die Vorgehensweise gegen den HAMC Göttingen“

Der Bericht einer Bund-Länder-Projektgruppe mit dem Titel „Bekämpfungsstrategie Rockerkriminalität – Rahmenkonzeption“ führt auf, wie die Behörden auch andere Gruppen und Institutionen einspannen wollen. So sollen allgemeine Verkehrskontrollen genutzt werden, um Verbindungsprofile von Einzelpersonen oder Gruppen zu erstellen.

Auch Behörden wie Bauaufsicht, Ordnungsamt, Zoll- und Verkehrsbehörden, Feuerwehren, Finanz- und Gesundheitsämter, aber auch Taxi-, Mietwagen oder Busunternehmen sollen Druck auf die Rocker aufbauen. So seien Gewerbeanmeldungen „intensiv“ zu prüfen, Bauordnungsämter sollten Clubhäuser „restriktiv“ prüfen. Die Polizei soll „präventive und repressive Einsätze grundsätzlich mit niedriger Einschreitschwelle“ durchführen.

Bei Beschlagnahme von Eigentum sei „auf das Ausschöpfen der Möglichkeiten der Vernichtung, Verwertung bzw. Unbrauchbarmachung hinzuwirken“. Auch die Presse soll „anlassunabhängig“ mit „zentralen (Kern-) Botschaften“ versorgt werden. Dass sich auch Niedersachsen am Strategiepapier orientiert, räumt das Innenministerium in Hannover freimütig ein.

„Die seit 2011 in Niedersachsen umgesetzte Konzeption“, erklärt Ministeriumssprecherin Nadine Bunzler, „ist selbstverständlich auch eine Grundlage für die Vorgehensweise gegen den HAMC Göttingen“.

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