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Streit um Bleiberecht

Kosovo-Roma Streit um Bleiberecht

Ein Bleiberecht für Kosovo-Roma, die 1999 nach Deutschland geflohen sind, ist am Mittwoch bei einer Veranstaltung der Gesellschaft für bedrohte Völker in Göttingen gefordert worden. Schlechte Noten und häufige Fehlzeiten in der Schule seien „kein Zeichen mangelnder Integration“, sagte Rechtsanwältin Fatme Merve Özdemir.

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Bleiberecht für Roma, hier gefordert bei einer Demonstration in Göttingen.

Quelle: Heller (Archiv)

Göttingen. Die vielen Kinder der Flüchtlinge, argumentierte die Göttinger Verwaltungsjuristin, seien in Deutschland aufgewachsen und betrachteten die Bundesrepublik als ihre Heimat. Sie dürften nicht in „Sippenhaft“ genommen werden, wenn ihre Väter in der Vergangenheit „nicht völlig fehlerfrei gehandelt“ und deshalb „Probleme mit den Behörden“ bekommen hätten.

Bis heute kein Wiederaufbau

Von 30.000 „völlig germanisierten“ Kosovo-Roma sprach Tilmann Zülch, der Gründer und Generalsekretär der Gesellschaft für bedrohte Völker. Die Bundesregierung, die aufgrund der Zuwanderung von einer Million Flüchtlinge „unter Druck von rechts“ stehe, schiebe die „ungeliebte Minderheit“ derzeit ab. Nur in Einzelfällen gelinge es Initiativen, das zu verhindern. Er forderte seine Südosteuropa-Referentin Jasna Causevic auf, einen großen Kongress zum Thema zu organisieren.

Im Kosovo seien die 1999 von Albanern zerstörten Häuser der Roma bis heute nicht wieder aufgebaut, berichtete der Buchautor Paul Polansky. Die Roma müssten in Lagern leben, die auf bleiverseuchtem Boden entstanden seien. Viele litten deshalb bereits unter Nieren- und Hirnschäden. Krebs, der eventuell von Uranmunition der Nato herrühre, sei mittlerweile die häufigste Todesursache bei den Kosovo-Roma.

150 Roma-Familien in Göttingen

Die angedrohte Abschiebung von zwei Roma-Familien aus dem Kosovo, die 17 Jahre lang in Göttingen lebten, empört Jasna Causevic, die Südosteuropa-Referentin der Gesellschaft für bedrohte Völker, besonders. Beide Familien, die einmal sechs und einmal sieben Kinder haben, sind im Frühjahr untergetaucht. Sie hätten, so Causevic, zwischenzeitlich in Benelux-Ländern Anträge auf Asyl gestellt. Die eine Frau sei schwanger gewesen. Die Männer seien früher einmal wegen Körperverletzung verurteilt worden und hätten in Göttingen, wo weitere 150 Roma-Familien lebten, keine Arbeit gefunden. mic

Enttäuscht vom Westen und unter dem Einfluss saudischer Wohlfahrtsorganisationen wendeten sie sich in großer Zahl dem Salafismus zu. Viele junge Männer seien als Dschihadisten nach Syrien gegangen.  Es handele sich um „Einzelfälle“, widersprach Kenan Emini vom Roma Center Göttingen. Er fürchte, dass nun die muslimischen Roma auch noch wegen ihrer Religion stigmatisiert würden.

Abschiebung nach Eilverfahren

Die Chancen von Kosovo-Roma in Deutschland zu bleiben, seien eigentlich nicht schlecht, erklärte die Göttinger Rechtsanwältin Claire Deery. Zwar würden Einsprüche gegen die Abschiebung im Eilverfahren abgelehnt, weil das Kosovo als „sicher“ gelte. In der Hauptverhandlung ein Jahr später bekämen die Roma dann aber oft Recht. Das Problem sei derzeit, dass die Roma sofort nach dem Eilverfahren abgeschoben würden.

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