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Streit um Gentechnik in toten Tieren

Sektionssaal genehmigen lassen Streit um Gentechnik in toten Tieren

Das Gesetz zur Regelung der Gentechnik gilt für Anlagen und Arbeiten sowie für die Freisetzung und das Inverkehrbringen von Produkten, die gentechnische Organismen enthalten. „Tiere gelten als Produkte im Sinne dieses Gesetzes“, heißt es darin. Die Tiere, die im Deutschen Primatenzentrum (DPZ) auf den Tisch kommen, werden nicht in Verkehr gebracht. Sie wurden aber zu Lebzeiten mit gentechnisch veränderten Präparaten behandelt. Der Tisch ist der Sektionstisch. Ob die Arbeit, die Wissenschaftler bei der Untersuchung toter Affen machen, eine gentechnische ist, darüber gibt es Streit.

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Forschungsmitarbeiter Affe: Mit Aids infizierte Tiere werden mit gentechnisch veränderten Substanzen behandelt.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. An diesem Dienstag muss sich das Verwaltungsgericht in einer nichtöffentlichen Sitzung vor Ort zwischen Rhesusaffen und Lemuren mit der Frage befassen, ob es einer Genehmigung nach Gentechnik-Gesetz bedarf, jene toten Tiere zu sezieren, die zu Forschungszwecken mit Gentechnikpräparaten infiziert wurden.

Die Zentrale Kommission für die Biologische Sicherheit in Berlin sagt Ja. Sie empfiehlt den zuständigen Gewerbeaufsichtsämtern, so Dr. Lars Maue vom hiesigen Amt, auch die Sektionssäle einzubeziehen. Dort kämen die gentechnisch veränderten Substanzen wieder zutage. Für das Deutsche Primatenzentrum, so dessen Geschäftsführer Michael Lankeit, verbindet sich das aber „mit sehr viel mehr Bürokratie“, ohne dass es irgendeinen Einfluss auf die Sicherheit habe. Deshalb klagt das DPZ gegen die entsprechende Anordnung der Gewerbeaufsicht.

Mit dem Gesetz kennt man sich im DPZ aus, seit es 1990 in Kraft trat. Aktuell sind 13 Labore oder sonstige Einrichtungen im DPZ als gentechnische Anlage gemeldet oder zugelassen. Vier Sicherheitsstufen gibt es. Als die beiden einzigen Gentechnik-Arbeitsstätten in der Region sind das DPZ und die Universitätsmedizin mit maximal Sicherheitsstufe drei genehmigt.

Im Primatenzentrum geht es um virologische Grundlagenforschung, etwa um die Suche nach neuen Mitteln oder Markern für die Aids-Therapie. Primaten, die mit HIV infiziert und mit genveränderten Präparaten behandelt wurden, werden hier seziert, um die Wirkung der Mittel und die Logik der Krankheit zu erforschen. Ob das noch Gentechnik ist, soll erstmals ein Gericht entscheiden. 

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