Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Strenge Hygiene gegen resistente Erreger in Göttinger Kliniken

Krankenhauskeime Strenge Hygiene gegen resistente Erreger in Göttinger Kliniken

In der Uniklinik Kiel haben sich Patienten mit einem multiresistenten Keim infiziert – einige sind daran gestorben. Das Bakterium Acinetobacter baumannii wurde von einem Patienten in die Klinik geschleppt. Für gesunde Menschen ist dieser MRGN - multiresistenter gramnegativer Erreger - meist harmlos, kranken Menschen kann er gefährlich werden. Denn: Es reagiert kaum mehr auf Medikamente, ist gegen die meisten Antibiotika resistent.

Voriger Artikel
Stadt Göttingen muss Ersatzampel für Godehardbrücke selbst zahlen
Nächster Artikel
Thema des Tages: Generationenprojekt Wald

Penible Hygiene im Krankenhaus Neu-Bethlehem: Schwester Claudia Reichel und Dr. Jürgen Becker.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Auch am Göttinger Universitätsklinikum wurden in den vergangenen fünf Jahren zehn Patienten mit Keimen dieser Art behandelt. „Alle Patienten waren bereits bei Aufnahme kolonisiert, das heißt, sie hatten den Keim mitgebracht“, sagt Simone Scheithauer, Leiterin der Stabsstelle Krankenhaushygiene und Infektiologie der Universitätsmedizin (UMG). Zu einer weiteren Übertragung im Klinikum kam es nicht.

In den meisten Fällen sind die Patienten laut UMG nur Träger des Keims, haben aber keine Zeichen einer Infektion. Scheithauer weiter: „Auch dann sind Maßnahmen fällig, um eine Übertragung zu vermeiden.“ Die wichtigste Grundlage bilde die Händehygiene. Darüber hinaus werden in der UMG sogenannte Barrieremaßnahmen, wie das Anlegen von Schutzkleidung und die Unterbringung der Patienten in Einzelzimmern veranlasst.

Sollte ein Patient auch unter Symptomen leiden,  bedarf es einer Therapie des Patienten mit Reserveantibiotika (Antibiotika, die nur dann eingesetzt werden, wenn es unbedingt erforderlich ist, weil sie beispielsweise schwere Nebenwirkungen hervorrufen).

„Notfälle werden direkt bei der Aufnahme einem MRSA-Screening unterzogen"

Neben den MRGN-Keimen sind in Kliniken häufig MRSA-Keime, die ebenfalls eine Medikamenten-Resistenz zeigen, verbreitet. „Die Zahl dieser Erreger an der UMG ist über die Jahre hinweg konstant geblieben und nicht angestiegen“, sagt die Medizinerin. „Wir überwachen täglich alle nachgewiesenen Erreger, um schnell eingreifen zu können.

Im Agaplesion-Krankenhaus Neu Bethlehem ist bislang noch kein MRGN behandelt worden. Auch dort, so Sprecher Wolfgang Schäfer, ist die Zahl der MRSA-Infektionen stabil geblieben. Dort werden bereits im Vorfeld Risikopatienten in den Belegarztpraxen auf Erreger untersucht. „Notfälle werden direkt bei der Aufnahme einem MRSA-Screening unterzogen.

Bis das Ergebnis vorliegt, werden diese Patienten isoliert. Wenn das Ergebnis positiv ausfällt, wird eine Behandlung in die Wege geleitet. „Alle Patienten mit MRSA oder anderen multiresistenten Keimen bleiben für den gesamten Krankenhausaufenthalt isoliert“, so Schäfer. Risikopatienten sind beispielsweise Patienten aus Altenheimen, welche mit chronischen Wunden oder Dialysepatienten.

Strenge Vorschriften

Auch im Evangelischen Krankenhaus Weende (EKW) sind bereits Patienten mit multiresistenten Keimen aufgenommen wurden,. „Durch die strengen Vorschriften, die wir uns selbst für den sensiblen Bereich der Hygiene auferlegt haben, kam es zu keinem Ausbruch von MRGN- oder MRSA-Keimen“, sagt Sprecherin Andrea Issendorf.

Im EKW folge man den Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene des Robert-Koch-Instituts. Bestehe ein Verdacht auf einen MRGN-Erreger, werde ein Abstrich genommen und der Patient bis zum Befund isoliert. „Die genaue Vorgehensweise muss nach ärztlicher Risikoanalyse im Einzelfall begutachtet und entschieden werden“, sagt Issendorf.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Der Wochenrückblick vom 26. November bis 2. Dezember 2016