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Studenten schreiben über „Alltagsleben nach 1945“

Buch erschienen Studenten schreiben über „Alltagsleben nach 1945“

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Im Jahr 1945: Englische Soldaten vor dem Gänseliesel.

Quelle: Städtisches Museum

Schwarzmarkt, Schulspeisung und heimatlose Menschen: Mit dem „Alltagsleben nach 1945“ in der Stadt Göttingen haben sich Geschichtsstudenten in einem zweijährigen Seminar beschäftigt. Ihre Forschungsergebnisse können in einem im Universitätsverlag erschienenen Buch nachgelesen werden.
Es ist erfrischend zu sehen, daß es auch ohne Paraden, ohne Stechschritt (...) geht. Die Amerikaner bewegen sich in ihren Uniformen wie Sportler: lässig, bequem, ungeniert“, schildert die Göttinger Politikerin und spätere Ehrenbürgerin der Stadt Hannah Vogt (1910 bis 1994) ihren Eindruck von den Angehörigen der Besatzungsmacht. Studentin Michaela Böttcher beschreibt, wie sich die Göttinger mit den neuen politischen Verhältnissen arrangierten und Normalität in ihren Alltag zu bringen versuchten – trotz Lebensmittelknappheit, Fraternisierungsverboten, Ausgangs- und Informationssperren.
Zu Wort kommen wie auch in den übrigen Kapiteln Göttinger Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wie Hannah Vogt aber auch gänzlich unbekannte Menschen. Die zehn Autoren recherchierten Alltagsgeschichte und präsentieren laut Vorwort der Herausgeberinnen Maren Büttner und Sabine Horn „bislang unveröffentlichte Quellen dieser verschiedenen Facetten alltäglicher Problematiken und Aufgaben, mit denen sich die Göttinger Bevölkerung in der unmittelbaren Nachkriegszeit konfrontiert sah“.

Da geht es etwa bei Karolin Oppermann um „die Straße des Verderbens“, den Schwarzmarkt auf dem Gelände des Hauptbahnhofes. Marco Dräger beschäftigt sich mit dem „Wiederbeginn des schulischen Lebens nach dem Zweiten Weltkrieg“. Offiziell veranlasste der Oberbefehlshaber der britischen Besatzungszone – im Mai hatten die Engländer die US-Kräfte abgelöst – die Öffnung der Schulen im Oktober 1945.

Erst im Jahr 1950 war das Schulleben als geregelt zu bezeichnen. Zuvor mussten viele Probleme bewältigt werden: Entnazifizierung und Reeducation (Umerziehung), Mangelernährung und Schulspeisung, das Beschaffen von Mobiliar und NS-ideologiefreienUnterrichtsmaterialien sowie Lehrbüchern.

Weitere Kapitel befassen sich unter anderem mit den Themen Jugend, Flüchtlinge, Wohnungsnot und Straßenumbenennungen sowie der neu entstehenden Theater- und Kulturlandschaft. Entstanden sind die Abhandlungen während eines Kurses am Seminar für mittlere und neuere Geschichte der Universität Göttingen.

„Alltagsleben nach 1945. Die Nachkriegszeit am Beispiel der Stadt Göttingen“ (ISBN 978-3-940344-81-6) ist zum Preis von 28 Euro im Buchhandel erhältlich.

Von Katharina Klocke

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