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Alleinerziehend und arm

Studie der Bertelsmann-Stiftung Alleinerziehend und arm

Dass Kinderarmut besonders den Nachwuchs Alleinerziehender trifft, hat gerade erneut eine Studie der Bertelsmann-Stiftung bestätigt. Vor allem die Vereinbarkeit von Erziehung und Beruf ist dabei ein Problem - auch in Südniedersachsen.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Bis die Kinder von Gisela K. (Name geändert) „aus dem Gröbsten raus“ waren, wie sie selber sagt, war es für die alleinerziehende Akademikerin aus Göttingen ein harter Weg: „Man trägt alleine die Verantwortung“ und „ist immer 24 Stunden am Tag zuständig“, erzählt sie von ihrem früheren Alltag. Dazu die finanziellen Sorgen: Als die Unterstützung des Ex-Partners großteils wegbrach, wollte sie arbeiten - eine Stelle habe sie zunächst nicht gefunden.

Im Landkreis sind 1482 Alleinerziehende auf Sozialleistungen angewiesen

Allein ist sie damit in Südniedersachsen nicht: Im Landkreis Göttingen sind 1482 Alleinerziehende auf unterstützende Sozialleistungen angewiesen, in Osterode sind es 525 und in Northeim 846. Meist, das zeigen die Statistiken, beziehen dann auch die Kinder Sozialleistungen.

Entlang der gängigen Definition bedeuten die Bedarfssätze für Betroffene vor allem eines: Armut - zumal oft die Unterhaltszahlungen ausbleiben oder niedrig ausfallen, wie Anette Andresen vom Sozialdienst der Stadt Göttingen schildert.

„Die Kinderbetreuung war nicht ausreichend.“

Die Erfahrung hat auch K. gemacht: Um das geringe Einkommen auszugleichen, wollte sie zunächst mehr arbeiten: „Aber die Kinderbetreuung war nicht ausreichend.“ Auch Bewerbungen auf besserbezahlte Stellen waren vergeblich: Die Arbeitgeber seien skeptisch gewesen, weil sie bei Alleinerziehenden Ausfälle -beispielsweise bei Krankheit der Kinder- erwartet hätten, glaubt K.

Um das auszugleichen, gibt es eigentlich ein Netz an Beihilfen für Alleinerziehende: Unterhaltsvorschüsse, Wohngeld, Sozialleistungen, Kinderzuschläge und mehr. „Unübersichtlich“ nennt Andresen die Angebote, denn „überall müssen Anträge gestellt werden, überall gibt es andere Fristen“. Auch K. erzählt, nach manchem Behördenmarathon habe sie sich gegen Beihilfen entschieden - „Dafür war mir meine Zeit zu schade.“ „Es muss möglich sein, zu arbeiten und trotzdem für das Kind da zu sein“, findet deshalb Christine Müller, Frauenbeauftragte der Stadt Göttingen. Deren Projekt „Chancen und Wege“ hilft Arbeitssuchenden, unter anderem mit „Teilzeitausbildungen“ für Alleinerziehende.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie befördern

Auch Arbeitgeber werden dort beraten, wie sie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie befördern können. Dabei muss es nicht immer „die ganz große Lösung“ wie beispielsweise ein Betriebskindergarten sein, findet Andresen, oft würden schon Ferienbetreuungsangebote helfen. Ähnlich geht es auch Osterodes Kreisrat Gero Geißlreiter (CDU) an: Dort erarbeite das Kinderservicebüro individuelle Kinderbetreuungsstrategien - seit 2010 habe sich die Zahl der Alleinerziehenden im Sozialleistungsbezug in Osterode um 31 Prozent verringert.

Von Christoph Höland

Kinderarmut und Alleinerziehende

Immer mehr Kinder von Alleinerziehenden sind nach Angaben der Bertelsmann Stiftung von Armut bedroht. Dabei sei Kinderarmut wesentlich auf die Armut von Alleinerziehenden zurückzuführen, fand die Stiftung weitergehend raus: Oft bleiben Unterhaltsleistungen aus, zugleich arbeiten Alleinerziehende, wenn überhaupt, meist in Teilzeitjobs.

Zuletzt hat sich der Stiftung zufolge das Armutsrisiko bei Alleinerziehenden deutlich erhöht, während es bei Paarfamilien gesunken sei. Die Stiftung schlägt deshalb mehr staatliche Unterstützungsleistungen für Alleinerziehende vor.

Südniedersachsen

In Stadt und Landkreis Göttingen koordiniert und verknüpft das Projekt „Chancen und Wege“ die Angebote verschiedener Träger für Alleinerziehende. Informationen dazu finden sich im Internet auf alleinerziehende.goettingen.de In Osterode ist die Stadtverwaltung Ansprechpartner für Alleinerziehende, sie vermittelt unter anderem Kontakte zum Kinderservicebüro, wo gemeinsam Kinderbetreuungsstrategien beispielsweise beim Wiedereinstieg in den Beruf erarbeitet werden. Im Landkreis Northeim unterstützt das „Northeimer Netzwerk für Alleinerziehende“ (Nona) diese unter anderem mit Beratungen zu Kinderbetreuungsmöglichkeiten, Berufschancen und Ämter-Angelegenheiten.

Informationen dazu gibt es im Internet auf netzwerk-nona.de

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