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Sturmtief „Niklas“: Mehr als 240 Einsätze in der Region

Feuerwehr und Polizei ziehen Bilanz Sturmtief „Niklas“: Mehr als 240 Einsätze in der Region

240 Feuerwehreinsätze im Landkreis Göttingen – davon 70 in der Kernstadt. Dazu viele Unfall-Einsätze der Polizei und etwa 150 festsitzende Bahnreisende auf dem Göttinger Bahnhof: Das ist die Bilanz nach Sturmtief „Niklas“.

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Aufräumen am Tag nach Sturmtief Niklas: Fachleute fahren den umgestürzten Baum an der Göttinger Albanikirche ab.

Quelle: Hinzmann

Göttingen/Gleichen. Die Leitstelle der Feuerwehren und Rettungsdienste war am Dienstag „von 9 Uhr bis 22 Uhr in voller Besetzung pausenlos beschäftigt“, sagte am Mittwoch der Sprecher der Göttinger Berufsfeuerwehr, Frank Gloth.

Viele umgestürzte Bäume, etliche abgerutschte Dachziegel und wackelnde Schornsteine sowie weggewehte Zaunelemente listet Gloth in seiner Bilanz zur Sturmnacht auf. Schwer traf es eine Familie in Sennickerode. Der Sturm riss ein Großteil des Daches ab Schadenssumme: 30 000 Euro. Die Platten flogen nach Angaben der Gleichener Feuerwehr 30 Meter weit.

Gravierende Folgen hatte auch ein umgestürzter Baum in Göttingen. Er beschädigte sieben an der Straße Albanikirchhof parkende Autos zum Teil schwer. Verletzt wurde niemand. Die Polizei beziffert den Schaden auf rund 40 000 Euro. Zudem habe der Sturm das Kirchendach beschädigt, sagte Pastor Martin Hauschild. Heftige Windböen hätten Ziegel vom Dach geweht.

Bei mehreren Unfällen in den Kreisen Northeim und Göttingen gab es zum Glück nur Leichtverletzte. In allen Fällen hatten Sturmböen Lastwagen oder große Anhänger weggedrückt und ins Schlingern gebracht. Zehn Straßen mussten nach Polizeiangaben gesperrt werden, darunter neun im Altkreis Münden.

Etwa 200 Bahnreisenden bescherte Sturm „Niklas“ eine unfreiwillige Nacht in Göttingen. Am frühen Dienstagabend stellte die Bahn ihren Betrieb in vielen Teilen Deutschlands ein. Gut 50 der in Göttingen festsitzenden Reisenden konnten spontan ein Hotelzimmer  auf Kosten der Bahn buchen. Manche fanden Unterschlupf bei hilfsbereiten Göttingern. Knapp 150 saßen dennoch die ganze Nacht im Bahnhof fest. Sie konnten in zwei bereitgestellten und beheizten Zügen übernachten – ein Metronom und ein ICE, die auf Anzeigetafeln kurzerhand als Hotelzug ausgewiesen wurden.

Versorgt wurden die Reisenden vom Göttinger Bahnhofsmanagement sowie von Betreuungseinheiten des Arbeiter Samariter Bundes (ASB) und des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). „Wir organisieren alles, was gebraucht wird“, sagte Einsatzleiter Marco Woltermann (ASB). Kurz nach Mitternacht gab es „Nudeln mit einer roten Soße.“

Die Reisenden nahmen ihre Situation auffällig gelassen und vielfach mit Humor hin. „Zuerst war das schon ein Scheißgefühl, als die Durchsage kam“, räumte Michaela Melchner ein. Da war die 49-Jährige mit ihrer Yoga-Gruppe schon seit vielen Stunden auf Umwegen mit unterschiedlichen Bahnen und Bussen unterwegs, um von Juist in ihre Heimatregion Nürnberg zu kommen. „Aber irgendwie war es dann auch schon völlig egal“, ergänzte ihre Mitreisende Claudia Kukla-Gettler und fügte an: „Wir nehmen das jetzt halt so hin.“

„Und wenn eine aus der Gruppe durchhängt, ziehen wir uns gegenseitig auf, das hilft.“ Besonders lobten Reisende die Organisation in Göttingen: „Alle sind so freundlich, wir sind gut informiert  und werden gut versorgt“, sagte Daniela Müller aus Völklingen, die eigentlich schon am frühen Abend in Berlin sein wollte. Erst am Mittwochmorgen normalisiert sich der Betrieb am Bahnhof wieder.

Von Andreas Fuhrmann und Ulrich Schubert

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