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Süßer Fruchtsaft aus zwei Tonnen Äpfeln

Most-Mobil Süßer Fruchtsaft aus zwei Tonnen Äpfeln

Vor dem Dorfgemeinschaftshaus stehen Kisten mit roten Äpfeln. Sogar mit großen Hängern hinter einem Trecker wird die Obsternte der Saison herangeschafft. Am Eingang gibt es selbst gebackenen Kuchen und auch ein Bier. Ziel der Bördeler und der ein Dutzend Besucher aus Göttingen, Münden, Adelebsen und Dransfeld ist aber die mobile Mosterei.

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Apfelernte in der Bördeler Feldmark: Nele Schäfer und Frieder Schmidt sammeln für die Dorfgemeinschaft.

Quelle: Heller

Göttingen. Rund zwei Tonnen Äpfel sollen an diesem Mittwoch in die Presse und zu süßem Saft verarbeitet werden.

Auf einem großen Hänger mit heruntergeklappten Seitenwänden in der Mitte der Wiese ist alles Nötige installiert. Die Äpfel werden zerkleinert und zwischen Leinentüchern in mehreren Schichten verteilt. Aus der Presse fließt der Saft in einen Tank und wird auf 78 bis 80 Grad erhitzt. Abgefüllt in fünf Liter großen Kunststoffschläuchen hält sich der naturtrübe Apfelsaft ein Jahr lang. 100 Kilogramm Äpfel ergeben bis zu 70 Liter Saft. Die Pressreste sind gutes Viehfutter.

Der Saft wird nur einmal gefiltert. „Trübstoffe enthalten auch Geschmacksstoffe“, sagt Hans-Joachim Wünsche. Der Journalist aus Hildesheim kaufte sich die mobile Mosterei mit einem Kollegen in Österreich und ist mittlerweile zu 50 Einsätzen in der Saison unterwegs. Am Tag der Deutschen Einheit erstmals auch im Landkreis Göttingen. „Da, wo wir aufkreuzen und ein Angebot da ist, fangen die Leute auch wieder das Sammeln an“, beobachtet Wünsche. „Jeder bekommt den Saft aus seinen Äpfeln.“

Reichsobstsorte bekam Spitznamen Hitler-Apfel

Auch wenn das Apfeljahr  nicht so gut ist, in dem 150-Einwohner-Dorf gibt es jede Menge Äpfel. Auch seltene Sorten wie den Eiser-Apfel aus dem 16. Jahrhundert. „Der hält sich ein ganzes Jahr“, erklärt Wolfgang Kanschik. Der Forst- und Agrarökologe aus Bördel besitzt selbst einen alten Obstgarten mit acht Sorten, darunter Der Schöne von Herrenhut, Moringer, Nordhausener, Belle Fleur und Ontario. Zumindest einige Sorten tragen immer. An Feldwegen steht auch die früher weit verbreitete Sorte Jakob Lebel, eigentlich Jaques Lebel. Um Selbstversorgung zu propagieren, wurde sie zur Reichsobstsorte erklärt und bekam den Spitznamen Hitler-Apfel.

Organisiert wird die Aktion von der Dorfgemeinschaft Bördel. Der Verein betreibt das Dorfgemeinschaftshaus und kümmert sich auch um die Apfelbäume in der Feldflur. Am vergangenen Wochenende sammelte die Dorfgemeinschaft rund eine Tonne Äpfel. Die Bäume stehen an Straßen und Feldwegen und gehören der Verkoppelungsgemeinschaft. In den vergangenen Jahren interessierte sich kaum jemand für das Obst. „Der eine oder andere hat sich mal eine Kiste voll geholt, aber sonst vielen die Äpfel einfach runter“, erzählt Frank Henkel.

Äpfel und Saft nutzen die Bördeler nicht komplett selbst. Der Apfelsaft soll auf dem Weihnachtsmarkt in Dransfeld helfen, ein paar Euro in die Kasse zu bekommen. Die Stadt Dransfeld kann sich die Finanzierung der Dorfgemeinschaftshäuser nicht mehr leisten. „Es wird Punsch geben für Kinder, aber auch mit Amaretto“, kündigt die Vereinsvorsitzende Bärbel Schmidt an. Außerdem werden die Bördeler Kartoffelsuppe kochen. Im vergangenen Jahr gab es ein ganz spezielles Bio-Chili.

„Warm schmeckt der Saft noch nicht so richtig“, sagt Gustav Morkramer. „Die Äpfel schmecken aber lecker süß.“ Der Bördeler lagert sich einen Vorrat in seinen alten Gewölbekeller ein. Der hält immer zehn Grad. „Das gute an einem kleinen Dorf ist die Dorfgemeinschaft, jeder kennt jeden.“ Wenn einer viele Äpfel und der andere viele Birnen in einem Jahr hat, dann wird getauscht. Wer Interesse an garantiert ungespritztem Apfelsaft aus Bördel hat, kann sich an Bärbel Schmidt wenden, Telefon 0 55 02/12 71.

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