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Superrechner nach Göttingen

Ministerium verlegt Rechnerstandort Superrechner nach Göttingen

Göttingen. Erfolg für den Forschungsstandort Göttingen: Die Universitätsstadt wird einer von zwei Standorten eines neuen Hochleistungscomputersystems, das von den sieben norddeutschen Bundesländern Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein betrieben wird.

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Hat bald ausgedient: Leibniz prangt als Namensgeber auf dem hannoverschen Teil des Rechners HLRN-III.

Quelle: Thomas

Göttingen/Hannover. Der neue Hochleistungsrechner ist das Nachfolgemodell des aktuellen Supercomputersystems HLRN-III, das an der Leibniz Universität Hannover installiert ist. Die neue Generation von Hochleistungsrechnern soll im Jahr 2018 in Betrieb gehen.

Göttingen hatte sich erstmals als Standort beworben und jetzt vom Ministerium für Wissenschaft und Kultur den Zuschlag erhalten. Zweiter Standort des neuen Supercomputers HLRN-IV ist wie bisher auch das Konrad-Zuse-Zentrum für Informationstechnik Berlin. „Die Universität Göttingen freut sich über die Möglichkeit, den HLRN-IV in Niedersachsen betreiben zu können.

Göttingen ist als Standort für den Hochleistungsrechner sehr geeignet wegen der engen Anbindung der IT-Struktur an die Forschung und der hohen Wirtschaftlichkeit beim Betrieb des Rechners. Das Präsidium der Universität hat aus Gründen der Transparenz die Universität Hannover im Vorfeld über die Antragstellung informiert“, erklärte Universitätspräsidentin Prof. Ulrike Beisiegel.

Wissenschaftler nutzen solche Superrechner, um komplexe Modellrechnungen vornehmen zu können. Vor allem Umwelt-, Klima- und Meeresforscher benötigen gigantische Rechenressourcen für ihre Simulationen, beispielsweise zur Vorhersage von Wirbelstürmen oder zur Optimierung von Windenergieanlagen. Der neue Hochleistungsrechner sei derzeit noch in der Entwicklung, sagte der Sprecher des niedersächsischen Wissenschaftsministeriums, Jan Haude.

Ähnlich wie sein Vorgänger soll er rund 30 Millionen Euro kosten. Die Hälfte der Investitionskosten übernehmen die sieben im Norddeutschen Verbund für Hoch- und Höchstleistungsrechnen (HLRN) zusammengeschlossenen Länder, die andere Hälfte trägt der Bund. Dass sich das Ministerium für den Standort Göttingen entschied, hat nach Angaben von Haude vor allem wirtschaftliche Gründe. In Göttingen seien niedrigere Betriebskosten zu erwarten.

Hochleistungsrechner verbrauchen enorm viel Strom. Göttingen biete sowohl hinsichtlich der Energiekosten als auch der Energieeffizienz günstigere Voraussetzungen. Die Universität Göttingen hat ein umfassendes Energiekonzept erarbeitet. Sie will künftig nicht nur Energie effizienter nutzen, sondern verstärkt auch selbst Energie erzeugen, unter anderem durch Geothermie-Nutzung.

Der erste Teil des neuen Hochleistungsrechners soll an einem der Standorte der Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung Göttingen (GWDG) in der Zimmermannstraße aufgebaut werden. Die weiteren Komponenten sollen dann in einem neuen Rechenzentrum installiert werden, das ab 2017 auf dem Nordcampus entstehen soll.

Das neue Rechenzentrum (Kosten: rund 40 Millionen Euro) werde gemeinsam von der Universität, der Göttinger Universitätsmedizin und der Max-Planck-Gesellschaft betrieben, sagt GWDG-Geschäftsführer Professor Ramin Yahjapour. Neben dem Hochleistungsrechner sollen dort auch andere Rechnersysteme Platz finden, die bislang dezentral untergebracht sind.

►Kommentar: Exzellent

Göttingen bekommt den Superrechner. Eine ausgezeichnete Nachricht und eine richtige Entscheidung. Der Wissenschaftsstandort Göttingen steht vor wichtigen Weichenstellungen, die Botschaft, die mit dem Bau des neuen Rechners verbunden ist, passt perfekt ins Bild.

Die Georg-August Universität, die Universitätsmedizin und die Max-Planck-Gesellschaft investieren am Nordcampus in ein Rechenzentrum. Der neue Superrechner kommt folgerichtig an diesen Standort. Ein weiteres Plus für Göttingen im Kampf gegen Hannover: In Sachen Energieeffizienz haben die Planer der neuen Gebäude alles richtig gemacht und mit diesem Argument ein entscheidendes Ass im Ärmel gehabt.

Für Göttingen ist die Botschaft zukunftsweisend. Das Bestreben der Uni, in der nächsten Runde der Exzellenzinitiative ganz vorne mit dabei zu sein, wird mit der Rechner-Entscheidung symbolisch unterstützt. Aber Vorsicht: In Hannover formieren sich bereits die Gegner.

Die Leibniz-Uni in der Landeshauptstadt steht als Verlierer da, die Opposition im Landtag wittert ein Thema und schießt gegen das Wissenschaftsministerium. Warum? Göttingen ist auch Niedersachsen. Und überhaupt: Wann kam der letzte Nobelpreisträger aus Hannover? Auch wenn der Standort eines Rechners per se nichts mit der Qualität der Forschung vor Ort zu tun haben muss, passt er nun einmal perfekt in die Campus-Strategie für Göttingen und Südniedersachsen.

Leibniz als Namensgeber des jetzigen Rechners in Hannover hat in drei Jahren ausgedient. Für seinen Nachfolger in Göttingen wird es einen adäquaten Namen geben. Wie wäre es mit Gauß?  Die Entscheidung des Ministeriums ist jedenfalls ganz einfach zu benennen: exzellent.

Sie erreichen den Autoren unter: u.graells@goettinger-tageblatt.de

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