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TSV Groß Schneen: Vorsitzender und Team wollen Abwanderung verhindern

Thema des Tages TSV Groß Schneen: Vorsitzender und Team wollen Abwanderung verhindern

Die Überflutung der Dreifeldsporthalle in Groß Schneen im August hat weitreichende Folgen für die Vereine. Die Bestandsaufnahme zeigt: Vielen fehlt auf Dauer ein Dach über dem Kopf. Manche Gruppen haben eine Alternative gefunden, andere suchen noch nach Lösungen, um den Sportbetrieb aufrechtzuerhalten. Fest steht, dass viele Großveranstaltungen am Wochenende, die auch Geld in die Kassen der Abteilungen spülen, abgesagt werden mussten.

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Quelle: Archiv

Groß Schneen. Groß Schneen. 700 Mitglieder in 15 Sparten, von denen der größte Teil seinen Sport unter dem Hallendach ausübt: Der TSV Groß Schneen hat ein Problem, seitdem die dreiteilbare Sporthalle im Ort nach den heftigen Regenfällen im August nicht mehr genutzt werden kann. Fast 80 Stunden haben die einzelnen Abteilungen des Turn- und Sportvereins zur Verfügung gehabt, einige von ihnen sind inzwischen zur Untätigkeit verurteilt.

„Je länger wir nichts bieten können, desto größer ist die Gefahr des Abwanderns in andere Orte und Vereine“, befürchtet der TSV-Vorsitzende Herbert Elsner. Die Situation sei belastend, könne aber nicht geändert werden. „Dadurch wird die Dorf-Struktur in Mitleidenschaft gezogen. Das Thema ist sehr brisant“, sagt der Vereinsboss, der sich sein erstes Amtsjahr anders vorgestellt hatte. Er und einige der anderen, erst im Frühjahr neu gewählten Vorstandmitglieder seien auf Krisen-Management nicht vorbereitet gewesen, waren angetreten, um im Verein einiges zu verändern. Dieses Unwetter und dessen Folgen werfe den Verein um Jahre zurück. „Wir setzen alles daran, den Schaden zu begrenzen. Sollte diese Situation aber zwei, drei Jahre so andauern, wird es für den Verein ganz schwer. Vielleicht wird dann nur noch Fußball gespielt“, sehen Elsners Prognosen angesichts eines möglichen Neubaus eher düster aus.

Unmittelbar nach der Überschwemmung gab es erste Austritte und Fragen nach Beitragsermäßigung. Da habe es einige Mitglieder gegeben, die den Verein nicht unbedingt als Solidargemeinschaft sehen. „Andererseits gibt es aber auch Solidarität innerhalb des Vereins. Bei Benefizaktionen haben alle Abteilungen mitgemacht.“

Noch gibt es keine genaue Schadensaufstellung für die dem TSV entstandenen Verluste. Der Vorsitzende rechnet mit einer Summe von 5000 bis 8000 Euro, um unbrauchbare Musikanlagen, Rollschuhe, Bekleidung und mit Wasser vollgesogene Matten wieder zu ersetzen. „Manches war nur verdreckt, das konnten wir wieder säubern“, berichtet Elsner.

Jede Menge Hilfsangebote sind von anderen örtlichen Institutionen und aus den Nachbargemeinden gekommen. Dort, wo in Kirchengemeinden und Mehrzweckhallen freie Kapazitäten waren, sind einige Gruppen – wie beispielsweise die Senioren – untergekommen. Was mit den Nachwuchsfußballern wird, die regelmäßig  zwischen den Herbst- und Osterferien in die Halle umziehen, weiß Elsner noch nicht. Das Reinhäuser „Ballhaus“, eine kommerzielle Soccer-Arena, sei nicht für mehrere Nachmittage zu finanzieren. Ins Kalkül hat der Vorstand schon ein beheizbares Zelt auf dem Tartanplatz (ehemalige Tennisplätze) gezogen. Ob diese Idee tatsächlich zu realisieren ist, steht aber noch nicht fest. 

Beschlussfassung: Sanierung oder Neubau

Groß Schneen. „Das hat sich niemand gewünscht – weder Privateigentümer, noch die Helfer, die mit den Flüchtlingen zu tun haben, noch die Kommunen und Vereine.“ Johann Schustek, Fachbereichsleiter Ordnungswesen der Gemeinde Friedland, hat das Hochwasser am 16. August persönlich nicht miterlebt. Er hat im Urlaub in Südfrankreich von den Schäden durch die Wassermassen erfahren und sich immer wieder telefonisch von der Lage in seinem Heimatort berichten lassen.

Knapp drei Wochen zuvor hatten – unmittelbar nach Beginn der Sommerferien – Flüchtlinge die Halle bezogen. Etwa 200 befanden sich zum Unglückszeitpunkt in der Halle. „Erst sind die Gräben in der Umgebung der Halle übergelaufen, dann floss das Wasser die Straße hinunter und durch die tiefer liegende Notausgangstür, die als Eingang zur Halle diente, ist dann das Wasser sturzbachartig in die Halle geflossen“, erzählt Schustek. Binnen zehn Minuten stand das Wasser etwa 80 Zentimeter hoch. Die Feldbetten schwammen auf der Oberfläche des Dreckwassers, der Strom war kurzzeitig ausgefallen. Die Flüchtlinge wurden in der oberen Etage des ebenfalls überfluteten, angrenzenden Schulgebäudes untergebracht, mussten komplett neu ausgestattet werden.

Schnell war klar, dass die Wassermassen der 35 Jahre alten Landkreis-Sporthalle ordentlich zugesetzt hatten. Nun stehen zwei Optionen zur Diskussion: Komplettsanierung oder Neubau. In einer Verwaltungsvorlage, die dem Kreis-Ausschuss für Wirtschaft, Verkehr, Bauen, Planen und Energie in der nächsten Sitzung am Montag, 2. November, um 15 Uhr (Sitzungssaal Burg, Bürgerstraße 64) zum Beschluss vorliegt, geht es um dieses Thema.

Angesichts der in den kommenden Jahren zu erwartenden Instandsetzungsarbeiten, beispielsweise im Sanitärbereich, und dem zu realisierenden Hochwasserschutz müsse mittelfristig von einem Sanierungsaufwand von etwa 4,43 Millionen Euro ausgegangen werden – heißt es in der Verwaltungsvorlage. Ein Neubau wurde mit 5,84 Millionen Euro veranschlagt. Sollten sich die Ausschussmitglieder – wie zuletzt auch Landrat Bernhard Reuter (SPD) – für eine Komplettsanierung aussprechen, wäre die Nutzung frühestens zur Jahresmitte 2017 möglich, bei einem Neubau könnte der Sportbetrieb frühestens Ende 2017 wieder starten. Einen langen Atem müssen die Vereine in jedem Fall beweisen. kal

Erwartungen reduzieren

Die Rhythmischen Sportgymnastinnen hat es doppelt getroffen. Ihnen fehlen nicht nur jede Menge Hallenzeiten in Groß Schneen, auch ihr erst im Frühjahr angeschaffter Wettkampfteppich ist ruiniert. „Wir haben keine optimalen Trainingsmöglichkeiten mehr, haben schon eine Gruppe zurückgezogen, weil gerade bei den Gruppen die Wurfhöhe der Geräte um einiges höher ist als bei den Einzelturnerinnen“, berichtet Abteilungsleiterin Christiane Dörnenburg.

Vorwiegend in den kleinen Hallen wie in Dramfeld oder Obernjesa sind die Gymnastinnen aktiv. Trainingszeiten in der BBS-Halle in Göttingen oder der großen Sporthalle in Rosdorf fallen nach den Herbstferien wieder weg, weil die „Stammgäste“ der Freiluftsportarten ihre zugesagten Zeiten dann nutzen. „Es ist schade für die Mädchen und auch für die Vereinskasse“, sagt Dörnenburg.

Das Schauturnen in der Vorweihnachtszeit muss abgesagt werden, die Erlöse des Kuchen- und Getränkeverkaufs fallen weg. Diese wurden immer für Kostüme, Geräte und weite Auswärtsfahrten genutzt. Als Ausrichter von Bezirks- und Landesmeisterschaften steht der TSV zunächst nicht zur Verfügung. „Zwischendrin hat mich schon der Mut verlassen. Eine Trainingspause ist nicht möglich. Wenn es die gibt, wäre die Arbeit von vielen Jahren dahin. Wir werden einfach weitermachen, müssen aber die Erwartungen hinsichtlich der Wettkampfergebnisse reduzieren.“

Hoffnung auf einen Zuschuss

Thorsten Rettberg, Jugendkoordinator der JSG-Fußballer, hofft auf wenigstens eine Trainingszeit für jede Altersklasse in der kleinen Friedländer Mehrzweckhalle. „Da fehlen die Tore, aber Drei gegen Drei kann man spielen.“ Um Stunden in der Reinhäuser Soccerhalle buchen zu können, hofft die Jugend-Spielgemeinschaft auf einen Zuschuss der Gemeinde Friedland. „Der Antrag ist gestellt“, sagt Rettberg.

Mit Kosten verbunden

Für die SG Niedernjesa wird es teuer. Damit das Fußball-Kreisklassen-Team der Herren überhaupt eine Trainingszeit in den Wintermonaten hat, werden Stunden im Reinhäuser „Ballhaus“, einer kommerziellen Soccer-Arena, angemietet. Die kleine Halle in Niedernjesa (8x12 Meter) ist vor allem wegen ihrer geringen Deckenhöhe nicht nutzbar.

Das für den Jahresbeginn geplante, dreitägige Hallenfußballturnier wurde bereits abgesagt. „Für uns kostet es nur. Mit den Einnahmen des Hallenturniers fällt ein Posten weg, der fest eingeplant war“, sagt Kassenwart Wilfried Herborg. „Wir hätten in der Stadt für maximal einen Tag eine Halle bekommen können. Das reicht nicht aus“, ergänzt Fußball-Abteilungsleiter Hartmut Bergmann.

Neue Hallenzeit in Holtensen

Die Kreisklassen-Fußballerinnen des SV hatten in der Zeit von Anfang November bis Mitte März eine Übungszeit in Groß Schneen. Auf Nachfrage haben sie von der Stadt Göttingen jetzt Trainingsmöglichkeiten in Holtensen zugewiesen bekommen. „Das ist für die meisten Spielerinnen unserer Mannschaft sogar günstiger, weil sie in Göttingen wohnen“, berichtet Ballenhausens Abteilungsleiterin Doreen Martin.

Erst die Tische rücken

Die Frauen-Gymnastikgruppe des TSV ist seit mehr als 20 Jahren Stammgast in der  Groß Schneer Sporthalle. Eine neue Heimat hat die Gruppe im Sporthaus Niedergandern gefunden, das derzeit weitestgehend vom Polizeihundeverein genutzt wird. Allerdings stehen den Gymnastikfrauen dort keine Geräte zur Verfügung. Bevor es losgeht, müssen erst einmal die Tische beiseite geschoben werden.

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