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"Der Bussard schrie wie ein Kind"

Tag der offenen Tür beim Nabu "Der Bussard schrie wie ein Kind"

Normalerweise darf niemand außer den Mitarbeitern auf das Gelände der Vogelpflegestation des Naturschutzbundes (Nabu) an der Weender Landstraße in Göttingen. Die Tiere sollen bei ihrem Genesungsprozess nicht gestört werden. Doch am Sonnabend öffnete sich die Station für alle Interessierten.

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Quelle: PH

Göttingen. Uwe Zinke, Vorsitzender der Göttinger Nabu-Niederlassung, ist staatlich anerkannter Tierpfleger und seit 17 Jahren ehrenamtlich bei dem Verein tätig. Er ist jeden Tag in der Station, nimmt verletzte Tiere auf, nicht nur Vögel, sondern auch Siebenschläfer, Schildkröten und Schlangen. Er untersucht sie, stellt fest, ob sie unter Flüssigkeitsmangel leiden und füttert sie. Dann geht es zum Tierarzt, der eine Diagnose und eine Prognose über die Heilungschancen stellt.
Meist sind um die 50 Tiere in der Station. In diesem Jahr wurden hier bisher um die 600 Tiere gesund gepflegt.  Momentan beherbergt die Station unter anderem Mauersegler, Turmfalken, eine Waldeule und einen Rotmilan. Bei Stürmen im Frühjahr seien viele Nester von Bäumen gefallen und viele Vögel von Privatleuten, der Feuerwehr und der Polizei abgegeben worden. „Man kann zuerst versuchen die Vögel wieder ins Nest zu setzen“, rät der Tierpfleger. „ Es ist ein Mythos, dass der menschliche Geruch die Vogeleltern abschreckt. Ansonsten kann man Vögel am besten im Schuhkarton transportieren.“ Zinke erzählt von drei jungen Bussarden, die drei Monate lang in der Station von Hand aufgezogen wurden. Die Auswilderung habe bei zwei von ihnen gut funktioniert, der dritte sei jedoch zurück aufs Auto gesprungen und habe nicht wieder herunter gewollt. „ Er hat geschrien wie ein Kind. Da musste ich ihn wieder mitnehmen.“ Einige Wochen später habe es dann doch geklappt mit der Auswilderung. Für Raubvögel wird im Wald eine Futterstelle eingerichtet.
Vor der Aussetzung bekommt der Raubvogel zwölf Stunden nichts zu essen, damit er die Futterstelle annimmt. Drei bis vier Tage lang wird er dort noch gefüttert und beobachtet.  Um zu verhindern, dass die Vögel eine Bindung zu ihrem Pfleger aufbauen, welche später die Auswilderung erschwert,  sollen in der neugebauten Holzhütte, in der zurzeit ein Rotmilan wohnt, Kameras installiert und ein Rohr zur Fütterung direkt hinein gelegt werden: „An Monitoren können wir den Vogel dann beobachten und müssen bei der Fütterung nicht mit ihm in Kontakt kommen“, erklärt Zinke.  Der Rotmilan wurde vor rund einer Woche bei Zinke abgegeben: „Er lag durchnässt und mit rasselndem Atem am Straßenrand. Er hatte eine leichte Lungenentzündung, die wir mit Antibiotika behandeln konnten. Nächste Woche werden wir ihn freilassen können.“  Hilfe bekommt Zinke von ehrenamtlichen Mitarbeitern, Ein-Euro-Jobbern und Praktikanten. „Ohne die könnten wir den Laden dicht machen. Der Nabu in Göttingen hat zwar mehr als 1000 Mitglieder, aber die Helfer kann man an zwei Händen abzählen.“  Die Vogelpflegestation wird vom Land Niedersachsen finanziert. 16000 bis 18000 Euro kosten Miete, Futter und Tierarztbesuche pro Jahr.

Von Gwendolyn Barthe

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