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Tag der offenen Tür im Göttinger Amtsgericht und im Verwaltungsgericht

Fiktive Verhandlungen, echte Richter Tag der offenen Tür im Göttinger Amtsgericht und im Verwaltungsgericht

Justiz kann wirklich spannend sein. Das offenbar dachten sich überraschend viele Gäste, die sich am Sonnabend beim Tag der offenen Tür im Amtsgericht und im Verwaltungsgericht einfanden.

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Quelle: Heller

Göttingen. Mehr als ein Dutzend fiktive Verhandlungen konnten sich die Besucher ansehen. Im Verwaltungsgericht ging es in Anlehnung an einen echten Fall um einen Schüler, der zwei Monate vor seinem Abschluss einen Mitschüler niedergeboxt hatte und deshalb die Schule nicht mehr besuchen sollte. Wie in Prozessen im Verwaltungsgericht sehr häufig, endete das Verfahren mit einem Vergleich: Der Schüler darf zwar wieder in die Schule, muss aber in den Sommerferien helfen, den Sportplatz zu sanieren. Als „Schuldirektor“ legte Gerichtssprecher Dieter Wenderoth eine Glanzvorstellung hin.

 

Beim Tag der offenen Tür im Amtsgericht eine der Hauptattraktionen: der Auftritt von Oberstaatsanwalt Wilfried Ahrens, der aus seinem nächsten Buch über juristische Stilblüten und Kurioses rund um Justitia las. Im Amtsgericht gab es auch Einblicke in einen normalerweise nicht öffentlichen Verhandlungstyp: Das Familiengericht präsentierte den Fall einer Ehescheidung - „zwar fiktiv, aber typisch“, wie es Linda Rassow formulierte. Die Göttinger Rechtsanwältin vertrat den Ehemann. Der wollte sich trotz länger andauernden Trennung eigentlich gar nicht scheiden lassen, weil er immer noch hoffte, seine Ehe retten zu können. Und das, obwohl seine fiktive Noch-Ehefrau im Gerichtssaal hochschwanger auftrat – schwanger vom ebenfalls fiktiven neuen Lebenspartner. In dieses Szenario passte es bestens, dass die Familienrichterin, die die Ehefrau verkörperte, tatsächlich gut sichtbar guter Hoffnung ist.

 

Foto: Heller

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Im erfundenen Fall ließ sich der Ehemann dann doch zur Scheidung überreden – mit dem gewichtigen Argument, dass er als gesetzlicher Vater gelte, falls er verheiratet bliebe. Damit wäre er voll unterhaltspflichtig, auch wenn er nicht der biologische Vater ist. Manche Besucher im auch hier vollbesetzten Gerichtssaal nutzten den Schau-Prozess zur privaten Weiterbildung. „Wenn wir das nicht hinkriegen“, flüsterte sich ein Paar im Publikum zu, „landen wir hier auch noch.“

 

Zwar liefen die unechten Prozesse weitgehend täuschend echt ab, einige wenige Unterschiede gab es dennoch: Spontaner Beifall während der Verhandlung beispielsweise wurden nicht mit Ordnungsruf oder gar Ordnungsgeld quittiert, sondern erfreut entgegengenommen.

 

Ob zu Betreuung, Verkehrsrecht, Zwangsversteigerung oder Vorsorgevollmacht: Neben den Gerichtsverhandlungen gab es eine Fülle von Informationen rund um Recht und Justiz.

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