Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Einmal Flüchtlingsluft schnuppern

Tag und Nacht der offenen Tür Einmal Flüchtlingsluft schnuppern

Das DRK Göttingen-Northeim hat ein Dialogangebot der besonderen Art gemacht: Interessierte konnten in der Unterkunft auf der Göttinger Siekhöhe einmal das Aufnahmeverfahren der Flüchtlinge durchlaufen und auch übernachten, bevor ab dem 18. Mai die ersten Flüchtlinge einziehen.

Voriger Artikel
Das Waldvögelein lässt sich noch Zeit
Nächster Artikel
Stadt saniert Spielplätze für 135000 Euro
Quelle: PH

Göttingen. Begrüßung auf Farsi oder Arabisch? Radebrechendes Englisch, um Informationen der Ankömmlinge zu erhalten? Medizinische Untersuchungen, ohne zu wissen, was da eigentlich mit einem gemacht wird? Das DRK Göttingen-Northeim, das die Flüchtlingsunterkunft am Anna-Vandenhoeck-Ring auf der Groner Siekhöhe errichtet und betreiben wird, hat sich etwas einfallen lassen, um den Dialog mit Bürgern zu gestalten.

Gefühl der Unsicherheit

Wer wollte, konnte am Freitag in der Einrichtung „ankommen“, sich mit Dolmetscherhilfe „registrieren lassen“, einem medizinischen Check unterziehen und schließlich auch in einem der Räume übernachten. „Wir wollten erreichen, dass die Leute so aufgenommen werden, wie die Menschen, die dauerhaft hier leben werden“, sagt Frank Beckmann, Gesamtkoordinator Flüchtlingshilfe beim DRK Göttingen-Northeim. Deshalb gab es im Vorfeld auch keine Information darüber, was die Besucher erwartet. „Indem wir auf ganz anderen Sprachen mit den Menschen gesprochen haben, haben wir bei vielen Menschen gemerkt, dass sie ein Gefühl der Unsicherheit bekommen haben“, berichtet Pascal Comte, der Leiter der Unterkunft.

Etwa 50 Besucher hauptsächlich aus Grone, aber auch von der Johanniter Unfallhilfe oder von Mitarbeitern aus den Firmen der Siekhöhe waren der Einladung gefolgt, einige überachteten auch. „In den Vortagen wurde viel politisch polemisiert, da ging es nicht um die Sache“, meint Beckmann. „Aber beim Tag der offenen Tür kamen Menschen, die wirklich erfahren wollten, was hier passiert.“ So wie Martin Karstens, der mit seinen Kindern Anna und Fynn hier übernachtete.

"Atmosphäre gut, nachts zu hell"

Sie kamen, um sich überraschen zu lassen. „Mich hat bei der Führung schwer beeindruckt, wie viele Gedanken sich die Leute gemacht haben und die Erfahrungen beispielsweise von den Zietenterrassen hier eingeflossen sind“, sagt Martin Karstens, der dort ehrenamtlich Deutsch-Kurse gegeben hat. Sein Sohn Fynn fand „die Atmosphäre gut, aber es war nachts zu hell“, da die Räume nach oben offen sind und Flurlicht hineingelangt. Und Tochter Anna stellte sich vor, dass „wenn ich im Bett liege und hier viele Menschen sind, dann wird es ziemlich laut“. Nachts konnten sie etwa das Wachpersonal Witze erzählen hören.

Die DRK-Mitarbeiter waren dankbar für die Eindrücke der Gäste. Das Licht wird man noch korrigieren – es ist ein Detail unter vielen. Denn bis die ersten Flüchtlinge eintreffen, gibt es noch allerhand zu erledigen.

Erste Flüchtlinge kommen am Mittwoch

Bereits am Donnerstagabend hatte das DRK als künftiger Betreiber der Flüchtlingsunterkunft im Anna-Vandenhoeck-Ring ein Bürgerforum veranstaltet. Rund 20 Bürger, darunter Grones Ortsbürgermeisterin Birgit Sterr (SPD), Mitglieder des Grones Ortsrates und des Rundes Tisches Grone, nahmen daran teil.

Auch wenn die ehemalige Lagerhalle auf der Siekhöhe für die Unterbringung von mehr als 400 Menschen ausgelegt ist, ausgestattet ist sie zunächst für 200, sagte Frank Beckmann vom DRK. Für die Bewohner biete die Unterkunft Aufenthalts- und Gemeinschaftsbereiche, Schulungsräume, Spielzimmer, Waschmaschinen- und Trocknerraum sowie Sanitäranlagen mit 40 Duschen. Hinzu kommt ein Sanitätsbereich und eine kleine Krankenstation. Für die Betreuung habe man unter anderem den ASC und den SC Hainberg als Partner gewonnen. Die ersten Flüchtlinge werden am Mittwoch einziehen, sagte Pascal Comte, Leiter der Unterkunft. 

Ortsbürgermeisterin Sterr sagte während des Forums, dass diese große Unterkunft "alles andere als eine Dauerlösung" sein könne. Sie appellierte an Oberbügermeister Rolf-Georg Köhler (SPD), erst alle dezentralen Unterkünfte in der Stadt zu belegen. "Für die Integration der Menschen ist das besser", sagte Sterr.

Ortsratsmitglied Hendrik Falkenberg (GöLinke) nannte die Unterkunft "die schlechteste Lösung", so lange in Grone weiterhin viele Wohnungen leer stünden. Ortsrat und Runder Tisch hätten sie nur als Lösung akzeptiert, "wenn es nicht mehr anders geht".

Köhler räumte ein, dass es in Grone in der Tat freie Wohnungen gebe, es fehle aber an der Bereitschaft der Eigentümer, diese der Stadt für die Flüchtlingsunterbringung zu vermieten. "Wir sind weiterhin mit ihnen im Gespräch", sagte Köhler . mib

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Weihnachtsdeko in Göttingen und Umgebung