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Tageblatt-Wochenendkolumne: Wuff

Welthundetag Tageblatt-Wochenendkolumne: Wuff

"Man kann auch ohne Hund leben, aber es lohnt sich nicht“, sagte einst Heinz Rühmann. Vicco von Bülow alias Loriot soll seine Liebe zu Möpsen in ganz ähnliche Worte gekleidet haben. Man könnte auch Goethe bemühen, Tucholsky oder Friedrich den Großen – das ist dann aber ein bisschen zu dick aufgetragen.

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Tageblatt-CvD Markus Scharf

Quelle: GT

Göttingen. Der Grund für diesen prominent zitierten Einstieg ist nicht etwa der 32 Kilogramm schwere behaarte Verdauungstrakt, der unter dem Pseudonym Carlos bei uns wohnt und mich in der letzten Nacht durch ausdrucksstarkes Anatmen um die Nachtruhe gebracht hat. Nein, heute ist außerdem Welthundetag. Für alle, die jetzt zusammenzucken, weil sie von der Existenz dieses Tages keine Ahnung und demzufolge gerade auch nicht das passende Leckerli für Waldi, Hasso und Lumpi in der Tasche haben: Kein Stress, denn auch unter Vierbeiner ist weitgehend unbekannt, dass ihnen ein Datum gewidmet wurde. Außerdem geht es hier analog zu Weihnachten nicht vorrangig um Geschenke.

Wir sollen der vielen sozialen Talente unserer liebsten Haustiere gedenken, heißt es. Äh. Sekunde. Ich habe es gleich. Haare verlieren, Schuhe fressen, noch mehr Haare verlieren, Mond anheulen, Schlafende anatmen, in den Flur kotzen und anschließend Haare verlieren... Nein, gemeint sind natürlich: Menschen retten, Lawinen durchsuchen, Blinde führen, Einsame begleiten...

Wenn Sie jetzt auch sagen, dass das alles mehr nach Lassie als nach dem Ihnen bekannten Flohteppich klingt, kann ich helfen. Man nehme die Zeitungen der vergangenen Tage und lasse sich entspannt gegenüber seines Hundes nieder. Blicken Sie ihm zwischendurch regelmäßig aber nicht zu lange in die Augen. Im Laufe der Nachrichtenlektüre wird die Tierliebe in gleichem Maße steigen wie der Respekt vor der eigenen Spezies schwindet. Versprochen. Erste Meldung: „VW und der Software-Skandal“. Mit unserem Carlos undenkbar. Er würde bei seinen Abgasen niemals betrügen. Und schon gar nicht leugnen, etwas damit zu tun zu haben.

Vielmehr steht er stolz schwanzwedelnd im Raum, während um ihn herum die Blumen verwelken. Nächste Nachricht: „Jäger schießen auf Jungen“. Abgesehen davon, dass diese wildgewordenen Waidmänner ganz sicher die Misantrophie in unseren Breiten befeuern. Der spöttische Blick meines Gegenüber sagt: Welcher blöde Hund lässt sich von einer so schlechten Wildschwein-Imitation hereinlegen? Vom Winken mit roten Schulranzen ist im Hundehandbuch unter „Wildschwein“ nichts zu finden.

Noch eine Meldung: „Russische Raketen schlagen im Iran ein.“ Carlos? Nein. Also ich weiß nicht sicher, was er wirklich treibt, wenn er hinter dem Haus verschwindet angeblich um der Nachbarhündin hinterherzuschnüffeln. Weltmachtsambitionen habe ihm trotz aller Verfressenheit bisher eigentlich nicht zugetraut. Ich blicke ihm tief in die Augen. Und da beschleicht mich wieder die wohlige Gewissheit, Herrchen eines Superhundes zu sein, das jetzt ganz dringend Haarbüschel wegsaugen muss.
 
Den Autoren dieses Textes erreichen Sie sobald der Staubsauger aus ist wieder unter m.scharf@goettinger-tageblatt.de

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