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Tageblatt-Wochenendkolumne von Markus Scharf

Große Schaufel, nichts dahinter Tageblatt-Wochenendkolumne von Markus Scharf

Bevor ich mich dem aktuellen Bösewicht der Woche widme, möchte ich mich für die zahlreichen Rückmeldungen auf meine letzte Kolumne bedanken. Zur Erinnerung: ich hatte um Unterstützung bei einem kleinen Maus-Überbevölkerungsproblem gebeten. Und ich war ob der Kreativität und Gewaltbereitschaft meiner Mitmenschen tatsächlich ein bisschen gerührt.

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Markus Scharf

Quelle: Hinzmann

Hätten die Mausemamas da unten auch nur eine vage Ahnung davon, welch hochgerüstete und hochmotivierte Armee von Rasenflächen-Bewahrern und Nager-Vernichtern ihnen gegenübersteht, sie würden sicher nie wieder Nachwuchs in die Unterwelt setzen.

Wir sind alle hier draußen und warten auf euch. Gerne reiche ich hier die (am wenigstigsten martialischen) Vorschläge zur Mausabwehr weiter.

Für den Traditionalisten : benzingetränkte Stoffstreifen (mit und ohne Feuerzeug verwendbar).

Für den Technikfreund : Ultraschall (zum Abschrecken und/oder Grillen des Gegners).

Für Waffennarren : vergrabene Selbstschussanlagen (macht den Gartenaufenthalt auch für die Familie viel aufregender).

Und schließlich mein Favorit : der Hochdruckreiniger (bekannt aus der Autopflege verbindet er höchste Kosten mit maximalem Spaß. Zumindest auf Seiten der Mäuse. Bei mir scheint sich das Blatt übrigens auch ohne Gewaltanwendung meinerseits gewendet zu haben. Aber dazu später mehr.

Kommen wir zunächst zum nächsten unerwünschten Unterweltler. Diesem diabolischen Dauergräber, dem scheußlichen Schaufler und ekligen Erdhaufenerzeuger. Bis zu 170 Gramm schwer, maximal 22 Zentimeter lang, fast blind und vom Gesetzgeber geschützt.

Ein ernstzunehmender Gegner. Nun bezweifele ich zunächst einmal die Zuverlässigkeit dieser wissenschaftlichen Erkenntnisse. Denn das Exemplar in meinem Garten ist angesichts der von ihm erschaffenen Erdaufschüttungen definitiv ein ganz anderes Kaliber.

Diese Haufen sind monumental und – wie ich vermute – strategisch positioniert. Der will uns ärgern. Seit Tagen zweifelt beispielsweise mein Ältester an seiner Zukunft als Fußballprofi, weil es ihm unmöglich ist, das Tor hinter der mehrgeschossigen Maulwurfsiedlung zu treffen oder auch nur wiederzufinden.

Und trotzdem genießt dieses durchtriebene Tier einen erstaunlich guten Ruf, ist Held diverser Kinderbücher, findet sich als Kuscheltier in den Betten des eigenen Nachwuchses und hat zuletzt in Hollywood mit der Maulwurf-Dokumentation „Citizenfour“ sogar einen Oscar erhalten.

Niedlich, erfolgreich, beliebt… wiederlich! Aber die Rache ist mein. So und jetzt hört mal genau zu ihr Wühlmäuse und Maulwürfe. Ich habe kürzlich einen Hermelin auf dem Grundstück gesehen. Der wühlt nicht, konnte sich spontan in die Herzen der ganzen Familie wieseln und hat echt einen interessanten Speiseplan…

So und ich gehe jetzt Auto waschen, jetzt wo ich den Hochdruckreiniger schonmal da habe.

Schönes Wochenende

Sie erreichen den Autor unter: m.scharf@goettinger-tageblatt.de

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