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Tageblatt-Wochenendkolumne von Uwe Graells

Neuer Präsident Tageblatt-Wochenendkolumne von Uwe Graells

Göttingen hat seit ein paar Wochen einen neuen Polizeipräsidenten. Lührig ist sein Name, Uwe Lührig. Keine Sorge, er ist gelernter Polizist und stammt nicht wie seine Vorgänger vom Verfassungsschutz. Und wie immer, wenn ein „Neuer“ sein Amt antritt, wird er erst einmal alles an Informationen aufsaugen, sich sein Bild machen und seine ersten Eindrücke sacken lassen.

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Chefredakteur des Göttinger Tageblatts Uwe Graells.

Göttingen . Lührig hat Glück, er arbeitet in einer bunten, vitalen Stadt. Die ersten Wochen bieten doch gleich schöne Geschichten für einen Polizeichef.

Außerdem kann er direkt prüfen, ob seine Wiedervorlagenmappe funktioniert. Wenn die „Blumenkinder“ in der Unistadt schon traditionell Hanfsamen auf städtischen Grünflächen säen, dann muss Lührig rechtzeitig auf dem Schirm haben, wann die zarten Pflänzchen das Licht der Welt erblicken, um diese gleich wieder zerstören zu lassen.

Kleiner Tipp: Je nach Temperatur sind die ersten Keimlinge schon nach ein paar Tagen zu sehen (sagt das Internet). Welcher Polizeichef in Deutschland hat schon so eine Aufgabe?

Oder der Rekordraser auf der Autobahn, mit knapp 300 Sachen auf einem Moped in einer 120er-Zone. Dass der Heizer auch noch Italiener mit Wohnsitz in Kassel ist, rundet die Geschichte ab. Bei der nächsten Konferenz kann Lührig seinen Kollegen jedenfalls schon viel erzählen. Auch davon, dass der Blitzmarathon in Göttingen vorzeitig abgebrochen wurde, weil die Akkus der polizeilichen Passfotoapparate zu schnell leer waren.

Lührig hat auch schon indirekt Bekanntschaft mit einem seiner prominentesten Bürger gemacht. „Knöllchen-Horst“, alias Horst Nilges – ach ne, das muss ja andersrum heißen – hat eine Dienstaufsichtsbeschwerde laufen. Nicht (noch nicht) gegen Lührig, sondern gegen einen seiner Kollegen, weil dieser zu schlampert mit einer Anzeige von „Horst“ umgegangen sein soll. Da fängt der Präsidentenjob doch an, so richtig Spaß zu machen.

Göttingen ist aber auch traditionell eine sehr politische Stadt. Das schlägt sich immer wieder in der Polizeistatistik nieder. Zwar ist Lührig die erste Bewährungsprobe erspart geblieben, denn der AfD-Klamauk im „Freizeit In“ mit angekündigter Gegen-Demo von Rot und Grün ist abgesagt worden, die AfD rausgeflogen.

Dafür ist der Polizei ein Sprayer durch die Lappen gegangen, der sich des Nachts politisch an der Hotelfassade verewigen wollte.

Uwe Lührig kann sich also auf seine neue Aufgabe freuen. Langweilig wird ihm jedenfalls nicht. Zumindest nicht in Göttingen.

Von Uwe Graells

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