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Tagung zu häuslicher Gewalt in Göttingen

Lücken im Hilfe-System schließen Tagung zu häuslicher Gewalt in Göttingen

Wo müssen Hilfsangebote gegen häusliche Gewalt ausgebaut werden? Welche Opfergruppen sind noch nicht ausreichend geschützt? Um Fragen wie diese geht es bei einer dreitägigen Tagung in Göttingen, bei der ab Sonntag, 19. Oktober, 70 Mitarbeiterinnen von Interventionsstellen gegen häusliche Gewalt aus 14 Ländern zusammenkommen.

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Tagung zu häuslicher Gewalt in Göttingen: Mitarbeiterinnen von Beratungsstellen wollen Lücken im Hilfe-System schließen.

Göttingen. Ziel der Tagung ist es, Lücken im Unterstützungssystem zu beleuchten und Konzepte zu entwickeln, wie diese Lücken geschlossen werden können.

Mitarbeiterinnen von Interventionsstellen gehen im Rahmen des Gewaltschutzgesetzes nach einem Polizeieinsatz auf Frauen zu, die Opfer von Gewalt geworden sind, und bieten Unterstützung an. Während der Tagung geht es bei Vorträgen und in Workshops unter anderem um Themen wie eine schlechte Zugänglichkeit von Hilfen für Frauen mit Behinderung, Probleme in der Versorgung von Frauen mit Migrationshintergrund, schlechtere Versorgung im ländlichen Raum, Hilfsangebote für Kinder, die häusliche Gewalt selbst erleiden oder miterleben müssen.

In Stadt und Landkreis Göttingen gibt es drei Einrichtungen, die sich um Gewaltopfer im häuslichen Bereich kümmern. Die Beratungsstelle „Biss“ betreut erwachsene Opfer von häuslicher Gewalt – in den meisten Fällen Frauen. Männer werden nur kontaktiert und weiterverwiesen, aber nicht beraten. Die Beratungsstelle „Phoenix“ richtet sich an Mädchen und Jungen bis 18 Jahren, die sexuelle oder häusliche Gewalt erlebt haben.

Ablösungsprozesse dauern oft Jahre

Der Frauen-Notruf kümmert sich schließlich um erwachsene Frauen, die aktuell oder auch schon in der Kindheit Opfer von sexueller Gewalt geworden sind. Die Beratungsstellen kümmern sich auch um Probleme wie Zwangsverheiratung und Zwangsprostitution. „Biss“ betreute im vergangenen Jahr 629 Menschen, darunter 77 Männer. Phoenix kümmerte sich um 424 Jugendliche. Der Frauen-Notruf kümmerte sich um 282 Opfer.

Die Zahl der Menschen, die von „Biss“ betreut wurden, stagnierte in den vergangenen drei Jahren. Für Claudia Meise vom Frauen-Notruf ist dies aber kein Anlass zur Entwarnung. Gründe für die Stagnation könnten ein verringertes öffentliches Interesse, Lücken und Kürzungen bei Hilfsangeboten oder Abnutzungserscheinungen – die Nachbarn mögen nach einigen Vorfällen nicht schon wieder die Polizei rufen.

Dabei dauerten Ablösungsprozesse aus Gewaltbeziehungen oft Jahre.

Während der Tagung im Hotel Astoria, Hannoversche Straße 51-53, gibt es öffentliche Vorträge, so etwa am Montag, 20. Oktober, um 11.45 Uhr über Gewalt in Teenagerbeziehungen und am Dienstag, 21. Oktober, um 9.30 Uhr über Gewalt in Paarbeziehungen bei Frauen mit Behinderungen.

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