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Tattoo: Fußball-Liebe geht unter die Haut

Thema des Tages Tattoo: Fußball-Liebe geht unter die Haut

Ein Profifußballer ohne Tattoo – fast undenkbar. Aber auch Fans aus der Region bekennen sich zu „ihrem“ Klub. Ob Bundesliga-Dino HSV oder die SVG, der Grund ist immer gleich: die Liebe zum Verein.

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HSV-Fan: Katharina Hattenbauer

Quelle: Pförtner

Göttingen/Wulften. „Von einer Frau kann man sich trennen, vom Verein nicht.“ Dankward Morin ist Eintracht-Braunschweig-Fan mit lebenslanger Dauerkarte und Löwen-Tattoo oberhalb der rechten Brust. Und das, obwohl er in Frankreich geboren, in Oldenburg aufgewachsen ist und nach dem Abitur nach Göttingen gezogen und hier auch geblieben ist. „Die Verwandtschaft meiner Mutter kommt aus Braunschweig. Das war eigentlich die einzige Beziehung, die ich zu der Stadt hatte.“ Der 46-Jährige bezeichnet sich als Exot in seiner Familie.

„Zu Hause waren sie alle Werder.“ Erstmals live hat Morin die Braunschweiger in einer Zweitliga-Partie im Oldenburger Stadion gesehen. „Ich war zwölf und es war der 39. Geburtstag meines Vaters. Aber ich hätte es ihm übel genommen, wenn er nicht mit mir dorthin gegangen wäre.“ Mit 23 Jahren hat er dann sein erstes Tattoo stechen lassen: „Es musste Fußball sein, es musste der Löwe sein. Später kam dann noch BTSV darunter. Das war lange mein einziges Tattoo.“

Inzwischen sind es einige mehr: der rechte „Hardrock-Arm“, am linken Oberarm ein Bayer-Leverkusen-Tattoo, an den Waden die Vereinsembleme von Celtic Glasgow und Atletico Bilbao und auf dem Schienbein das  SVG-Vereinslogo. „Ich bin wohl der einzige, der ein SVG-Tattoo hat.

Es steht für einen coolen Lebensabschnitt“, sagt der Torwarttrainer der SVG-Landesliga-Fußballerinnen, der Pauline Bremer am Sandweg noch erlebt hat. In Bilbao verbrachte Morin ein Auslandssemester während des Studiums, nach Leverkusen ist er mit einer Bekannten regelmäßig zu Bundesliga-Spielen gefahren, besaß dort eine Dauerkarte.

Etwa 4500 Euro hat der ehemalige Zweitliga-Rugbyspieler, der auch schon die Fußball-Landesauswahl für geistig Behinderte mittrainiert hat, für die Kunst am Körper bislang ausgegeben. „Meine Mutter hat mal gesagt, dass ich mit dem Geld etwas Vernünftiges hätte machen sollen“, berichtet er von den Reaktionen aus seinem direkten Umfeld.

„Ein Problem habe ich deswegen aber nie gehabt. Ich hatte auch schon Jobs, bei denen ich einen Anzug tragen musste. Da sind die Tattoos nicht zu sehen“, sagt der Minicar-Fahrer. Bereut hat er keines der Embleme. „Wenn, dann hätte ich das erste Tattoo bereuen müssen. Damit hat alles angefangen.“

Ein Profifußballer ohne Tattoo – fast undenkbar. Aber auch Fans aus der Region bekennen sich zu „ihrem“ Klub. Ob Bundesliga-Dino HSV oder die SVG, der Grund ist immer gleich: die Liebe zum Verein. © Pförtner
 

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Wenn Katharina Hattenbauer Blumensträuße bindet oder Salatpflanzen verkauft ist das HSV-Tattoo an der Innenseite ihres rechten Unterarms gut zu sehen. „Ich werde beinahe täglich darauf angesprochen, musste in den vergangenen Wochen viel einstecken“, spielt die Floristin auf das schlechte Abschneiden und die erfolgreiche Relegation des Bundesliga-Dinos an.

Bevor sie sich ihr drittes Tattoo an dieser gut sichtbaren Körperstelle hat stechen lassen (das erste war ein Teufel auf dem rechten Schulterblatt, das zweite eine Rose am Rücken), hat sie ihre Chefin gefragt, ob diese einen Einwand dagegen habe. Nachdem die Erlaubnis kam, hat der Tätowierer in Osterode den Auftrag erhalten.

„Ich hatte mir ein Buch mit Vorlagen besorgt, er hat dann selbst eines entworfen, hatte Lust etwas mit einem Ball zu stechen“, erzählt die 38-Jährige. Zweieinhalb Stunden dauerte die Prozedur, die sie 2012 im Jahr des 125-jährigen HSV-Jubiläums über sich ergehen ließ. „250 Euro hat das gekostet, meine Mutter hat die Hälfte dazugegeben.“

Zum HSV-Fan wurde sie 2002 durch einen Freund – und ist auch nach Beendigung der Beziehung dem Verein treu geblieben. Seit 2007 ist sie Mitglied und bekommt in jedem Jahr von ihrer Mutter einen mehrtägige Hamburg-Reise geschenkt, besitzt einen Stein auf dem Hamburger „Walk of Fan“ (HSV-Raute mit ihrem Geburtsdatum)  und Shirts, Jacke und einen Gartenzwerg ihres Lieblingsvereins.

Weil Hattenbauer freitags und sonnabends arbeitet, bleiben ihr nur wenige Gelegenheiten, Spiele im Stadion anzuschauen. „Es ist jedes Mal etwas besonderes, wenn ich live im Stadion bin, weil ich eben nicht so oft dabei sein kann“, erzählt die Wulftenerin, die keinen Lieblingsspieler oder -trainer hat. „Dafür wechseln die mir viel zu oft.“

Seit sechs Jahren ist sie Betreuerin des Fußball-Bezirksliga-Aufsteigers FC Freiheit. Für das Team aus dem Osteroder Stadtteil kümmert sie sich um die Trikots, Getränke und auch Verletzungen. „Ich passe auf sie auf.“ Manchmal muss sie aber auch bissige Bemerkungen einstecken: „Als ich neulich einen Ball geholt habe, der die Böschung runtergerollt war, hat ein Spieler gefragt, ob ich schon Abstieg übe.“

Nachgefragt bei Markus Lebek, Tätowierer bei Jenny B’s in Göttingen.

Mit 18 Jahren hat er sich erstmals tätowieren lassen.

Der 39-Jährige, der aus Zeitz in Sachsen-Anhalt stammt, stach im Jahr 2000 die ersten Tattoos

. „Ein Tätowierer wurde zu meinem besten Kumpel und bald darauf hatte ich auch die Maschine in der Hand“, erzählt Lebek, der Kunstunterricht in der Schule allerdings nicht zu seinen Lieblingsfächern zählte.

Hat sich die Nachfrage verändert, seitdem immer mehr Fußballprofis mit großflächigen Tattoos zu sehen sind?

Nein, sie hat sich nicht verändert. Allerdings sind schon einige Male Kunden mit einem Foto von David Beckham im Laden aufgeschlagen und haben dieses als Referenzmaterial beziehungsweise zum Erklären ihrer Wünsche benutzt. Aber wahrscheinlich nur, weil Beckham polarisiert. Ich bin mir sicher, dass es tätowierte Fußballer mit besseren Tattoos gibt als Beckham. Aber ich glaube, sein Image ist motivierender als gute Tattoos. Leider. Aber die Geschmäcker sind ja auch bei Tattoos sehr verschieden.

Wie oft kommen Sportler oder Fans, um sich ihren Lieblingsverein tätowieren zu lassen?
Das hatten wir schon einige Male – sowohl Sportler als auch Fans. Meistens Fans, und dann fast ausschließlich Fußballfans.

Können Sie diese Wünsche immer erfüllen oder mussten Sie auch schon passen?

Da es sich meist um Vereinslogos gehandelt hat, konnte ich den Wünschen immer ohne Einschränkungen nachkommen.

Gibt es einen Fußballer, dessen Tattoos Ihnen besonders gut gefallen?

Ich bin selbst nicht der Riesen-Fußballfan und kenne natürlich nicht alle Spieler mit Tattoos. Aber Nigel de Jong vom AC Mailand hat für meinen Geschmack ganz gute Arbeiten auf seinem Körper. Es gibt bestimmt noch ein paar mehr Spieler mit guten Arbeiten.

Haben Sie auch ein Vereinslogo oder ein Emblem – wie beispielsweise die Zunge der Rollings Stones – auf dem Körper?

Nein, ich habe gar nichts in diese Richtung.

Interview: Kathrin Lienig

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