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Taxifahrer zwei Häuser im Ostviertel vermacht

Streit ums Erbe Taxifahrer zwei Häuser im Ostviertel vermacht

Eine Betreuungsvollmacht für die Person des Vertrauens, ein frühzeitiges Testament oder gar ein Erbvertrag mit allen Pflichtteilberechtigten verhindern in der Regel Streit ums Erbe. Stets sollte ein Notar zu Rate gezogen werden.

Privatschriftliche Testamente sollten von Zeit zu Zeit überprüft, neu datiert und signiert oder gleich beim Amtsgericht in der Nachlassabteilung hinterlegt werden.

Pro Jahr werden im Amtsgericht Göttingen 900 neue Testamente eingereicht und 350 hinterlegte eröffnet. Das Nachlassgericht erteilt auch auf Antrag Erbscheine – 500 bis 600 Verfahren im Jahr. Entschieden wird aufgrund hinterlegter oder eingereichter Testamente oder nach gesetzlicher Erbfolge. Rund 500 Erbschaften jährlich werden ausgeschlagen wegen Überschuldung. Gibt es keine bekannten Erben, werden Nachlasspflegschaften eingerichtet. Das Erbe wird gesichert, Erben werden gesucht. Das geschieht rund 100 Mal im Jahr.

Streit gibt es vor dem Nachlassgericht dann, wenn missverständliche Testamente ausgelegt werden müssen oder wenn auf dem Sterbebett geänderte oder neue Testamente angefochten werden. Nachlassrichter Oliver Jitschin erinnert sich an Fälle, in denen Häuser im Ostviertel kurz vor dem Tod mal eben dem Taxifahrer vererbt wurden oder in denen ein in letzter Minute geändertes Testament wegen grober Rechtschreibfehler nicht glaubhaft war – die Erblasserin war Deutschlehrerin.

Wenn die Erben feststehen, es aber Streit um die Auszahlung gibt – wie im geschilderten Fall –, landet das als Zivilklage meist beim Landgericht. Das ist für Fälle oberhalb der 5000-Euro-Grenze zuständig. 2008 waren es 55, 2009 noch 40, in diesem Jahr bisher 28 Zivilklagen rund ums Erbe. Mindestens ein Jahr, oft bis zu drei Jahre, so Vizepräsidentin Cornelia Marahrens, dauert so ein Prozess. Besonders dann, wenn Sachverständige nachträglich die Frage der Testierfähigkeit, also möglicher Demenz der Erblasser, begutachten sollen, müssen Zeugen gehört werden. Bis zu 20 Zeugen sind keine Seltenheit. Kläger haben es schwer. Sie müssen den Beweis erbringen, dass der Erblasser zum entscheidenden Zeitpunkt nicht testier-, also nicht geschäftsfähig war.

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Streit ums Erbe

Sie waren sieben Kinder. Der Älteste ließ sich frühzeitig auszahlen, der zweite Sohn erhielt den Hof. Die Töchter sollten sich das Erbe teilen. So war es gedacht. Und eigentlich war auch alles richtig gemacht – mit rechtzeitigem Rat vom Notar und Generalvollmacht für jene Tochter, die Mutter bis zum Schluss pflegte.

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