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Telefonaktion von Verbraucherzentrale und Tageblatt rund ums Thema Bauen

Knifflige Fragen Telefonaktion von Verbraucherzentrale und Tageblatt rund ums Thema Bauen

Was ist zu tun, wenn im nagelneuen Eigenheim die Farbe von der Außenwand bröckelt oder falsche Baumaterialien verbaut sind? Soll ich mein Haus nur neu streichen oder es lieber für mehr Geld dämmen lassen? Solche und ähnliche Fragen beantworteten drei Bau-Experten am Dienstag, 3. August, bei der Telefonaktion rund ums Bauen von Verbraucherzentrale und Tageblatt.

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Selten ganz ohne Tücken: Bei Hausbau oder Hauskauf gibt es vielerlei zu bedenken.

Quelle: PH

Eine Anruferin hatte am 1. Mai ihre Eigentumswohnung an der Leineaue bezogen. Viel Freude hatte sie allerdings nicht an ihrer neuen Immobilie, die ihr als „Komfortwohnung“ verkauft wurde. Die Wohnung sei extrem hellhörig, schildert sie dem Architekten Peter Schneider und dem Rechtsanwalt Henning Eulert. So könne sie nicht nur hören, dass in der Wohnung über ihr Gespräche geführt werden, sondern auch, was gesprochen werde. Toilettengeräusche aus anderen Wohnungen seien so laut, „als sei die Toilette im eigenen Zimmer“. Selbst die Ansauggeräusche der Holzpellet-Heizung, sagt die Anruferin, lärme so stark, dass ihre Nachtruhe immer wieder gestört werde. Auch ihre Nachbarn hätten sich über ähnliche Probleme beschwert. Der Bauträger habe darauf bisher nicht reagiert.

In modernen Wohnungen, sagt Architekt Schneider, seien solche Zustände weder üblich noch hinnehmbar. Zu derartigen Schallübertragungen könne es beispielsweise durch die Verwendung ungeeigneter Steine kommen. Weil die Eigentümerin die Wohnung vor ihrem Einzug jedoch abgenommen habe, müsse sie nun trotz fünfjähriger Garantie die Mängel selbst nachweisen. Dieser von Juristen „Gefahrenübergang“ genannte Wechsel der Beweispflicht, sagt Schneider, sei „für die Verbraucher eine ganz haarige Sache“.

Ein entsprechendes Gutachten könne jedoch viel Geld kosten, warnt Rechsanwalt Eulert. Zuvor solle die Eigentümerin daher versuchen, den Bauträger doch noch zum Einlenken zu bewegen, rät Eulert. Fruchte dies nichts, könne sie versuchen, auf ihre Nachbarn zu verweisen, sofern diese die Schallprobleme bereits nachgewiesen hätten. Bei berechtigten Beschwerden könne auch der Bauträger kein Interesse daran haben, durch eine unsinnige Verweigerungshaltung seine Kosten in die Höhe zu treiben.

Nur ein Außenanstrich oder besser doch eine energiesparende, aber teurere Dämmung, will ein weiterer Anrufer wissen. Mag sein, räumt Energieberaterin Gabriele Frühholz ein, dass ein Anstrich ohne Dämmung schonender für den Geldbeutel ist. Aber die entscheidende Frage sei doch, ob sich die Mehrinvestition für eine Dämmung langfristig rechne. Frühholz’ Antwort: ein klares Ja. Zugleich führt sie deren Vorzüge an: Der Wohlfühlfaktor steige, und es könne einiges an Energiekosten gespart werden. Vor allem das letzte Argument scheint zu überzeugen. Im Vergleich zu früher spielten die Energiekosten heute eine tragende Rolle, erklärt die Fachfrau. Sollte das Haus einmal vermietet werden, sei es für Mieter attraktiver, ein gedämmtes Haus zu mieten und somit auch die Energiekosten im Griff halten zu können.

Frühholz’ Ratschläge scheinen auf fruchtbaren Boden zu fallen: Wie kann man überhaupt dämmen und welche Materialien gibt es, möchte der Anrufer wissen. Steinwolle, Styropor und Naturfaserstoffe kämen in Betracht, antwortet Frühholz. Styropor sei die kostengünstigste Variante. Außerdem besitze Styropor eine höhere Dämmstärke, so dass im Vergleich zu Naturfaserstoffen weniger Wärme verloren gehe, ergänzte die Energieberaterin. Bei gleicher Wirkung müsse die Dämmung aus Naturstoffen deutlich dicker sein.

Noch gar kein Haus besitzt ein weiterer Anrufer, der sich über die Möglichkeiten auf den Zietenterrassen interessiert. Ob er für 100 Quadratmeter Wohnfläche mit 270 000 Euro für Grundstück und Gebäude auskommt? Wohl nicht, enttäuscht ihn Architekt Schneider. Bei sehr knappen Kalkulationen könne auf umfangreiche Eigenleistungen bei Fliesen, Malerarbeiten oder Außengestaltung nicht verzichtet werden – in Schneiders Worten die „Muskelhypothek“.

Ärger mit den Malerarbeiten an seinem neuen Haus hat ein anderer Anrufer. Der Anstrich sei sehr unsauber ausgeführt, außerdem bröckele die Farbe ab. Der Farbenhersteller, ein bekannter deutscher Hersteller, habe bereits eingeräumt, dass die Farbe mangelhaft sei. An wen solle er sich jetzt wegen des Schadensersatzes wenden?

Nicht an den Hersteller, auch nicht an den Maler, rät Anwalt Eulert, sondern an den Bauträger, in dessen Verantwortung auch die Malerarbeiten ausgeführt worden seien. Der Hausbesitzer müsse sich nicht an andere verweisen lassen, der Bauträger müsse seine Ansprüche dann gegen Maler oder Hersteller durchsetzen.

Von Matthias Heinzel und Jessica Knebel

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