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Tempo 30 nachts in Göttingen: Alles was Sie dazu wissen müssen

Welche Straßen sind betroffen? Tempo 30 nachts in Göttingen: Alles was Sie dazu wissen müssen

Ab diesem Freitagabend gilt es: Auf sieben Hauptverkehrsstraßen in der Stadt Göttingen darf nachts durchgehend oder in Abschnitten nur noch maximal 30 Kilometer je Stunde gefahren werden. Die neue Verkehrsanordnung gilt von 22 bis 6 Uhr morgens.

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Auf einigen Straßen in Göttingen gilt ab Freitag, 21. November 2014, Tempo 30 ab 22 Uhr.

Quelle: Grafik: Rudolph

Göttingen. Sie ist Teil eines Aktionsplans, mit dem die Stadt belastenden Lärm für Anwohner reduzieren will. Alle Hintergründe und Details:

Wo gilt künftig Tempo 30 aus Lärmschutzgründen?

Vorerst hat die Stadt sieben Straßen einbezogen: Reinhäuser Landstraße, Stettiner Straße, Königsallee, Jheringstraße, Kreuzbergring, Von-Ossietzky-Straße und Geismar Landstraße/Hauptstraße. Allerdings sind fast immer nur kurze oder längere Teilabschnitte betroffen. Sie sind in der Karte markiert. Ob auch die Kasseler Landstraße bald einbezogen wird, ist offen.

Hierzu soll noch weiter untersucht werden, welchen Effekt diese Maßnahme auf den Verkehrsfluss und den Busverkehr haben wird. Darüber hinaus gibt es in Göttingen schon lange Wohngebiete, die großflächig als Tempo-30-Zone ausgewiesen sind.

Ab wann gilt die neue Regel?

Nach Angaben der Stadtverwaltung „zur ersten vollen Nachtzeit“ – also ab  22 Uhr an diesem Freitag und dann immer von 22 bis 6 Uhr. Die Tempo-30-Schilder stehen bereits. Weiße Zusatztafel schränken die Gültigkeit auf die Nachtstunden ein und verweist auf den Lärmschutz.

Wird kontrolliert?

Vorerst noch nicht. „Wir setzen auf Überzeugungsarbeit und Verständnis für die Maßnahmen“, sagt Stadtsprecher Detlef Johannson. Unter anderem sollen mobile digitale Messtafeln aufgestellt werden, die Autofahrern ihr Tempo anzeigen.   

 ► Was steckt hinter der Tempo-30-Anordnung auf Hauptstraßen?

Die Stadt will (und muss nach einer EU-Vorgabe) ihre Bürger besser als bisher vor Lärm schützen. Dazu hat der Rat nach langer Vorarbeit im Januar einen Lärmaktionsplan beschlossen. Weil Straßenverkehr als eine der wesentlichen Ursachen für Lärm ausgemacht wurde, wird die Stadt in diesem Bereich schon kurzfristig aktiv.

Grundsätzlich darf Tempo 30 dauerhaft und in größeren Abschnitten nur aus besonderen Gründen ausgewiesen werden – Lärmschutz gehört dazu. An den ausgewählten Straßen wohnen und arbeiten nach Angaben der Stadt etwa 3100 Menschen. Und die Lärmwerte liege in diesen Straßen besonders nachts weit über den Vorgaben für Tempo-30-Zonen, sagen die Gutachter.

Was soll Tempo 30

konkret bringen? Nach Expertenabgaben kann der Lärm bei einer Reduzierung der erlaubten Geschwindigkeit von 50 auf 30 km/h um zwei bis drei Dezibel verringert werden. Der Zeitverlust sei eher sehr gering, sagt die Stadt.

Welche Erfahrungen machen andere Städte?

Laut Umweltbundesamt haben mehr als 50 Städte solche Langsam-Zonen zur Lärmminderung ausgewiesen. Göttingen verweist gerne auf Braunschweig und Celle. Braunschweig hat allerdings kaum Hauptverkehrsstraßen, sondern eher zweitrangige Verbindungsstraßen zwischen Stadtteilen in seinen Lärmaktionsplan einbezogen.

Weil die neue Regel dort erst seit Sommer gilt, gibt es bisher kaum valide Erfahrungswerte. In Celle hingegen gilt Tempo 30 als Lärmschutz schon seit 2010/11 auf etlichen Straßen, teilweise sogar auch tagsüber.  Die Erfahrungen: „Ducrhweg positiv“, sagt Verkehrsplaner Jörg Frohnert, „die meisten Autofahrer halten sich daran und die Anwohner sind begeistert“.    

Was sagt die Politik?

Der Rat der Stadt hat den Lärmaktionsplan mit großer Mehrheit gegen die Stimmen der CDU/FDP-Gruppe beschlossen. Letztere hält Tempo 30 auf Hauptachsen für „ökologischen Unsinn“ und lehnen „solche ideologisch begründeten Umerziehungsmaßnahmen“ ab.Sie fordert eine „Umweltpolitik mit Augenmaß, die auch von betroffenen Verkehrsteilnehmern akzeptiert wird.

Welche sonstigen Reaktionen gibt es?

Sehr gegensätzliche: Vor allem Autofahrer und Pendler protestieren. Es gibt sogar eine Online-Petition dagegen. Andere wiederum loben die Stadt für ihren Mut, mehr für Anwohner und Fußgänger zu tun.

Göttinger Stimmen zu Tempo 30 in der Nacht
 

Christel Schulz : „Mich stört die neue Regelung nicht. Nachts wird ohne Kontrolle auf der Reinhäuser Landstraße nämlich gerast.“

Christel Schulz

Christel Schulz

Quelle:

Hans-Jürgen Thieme : „Ich freue mich über die 30er-Zone, weil es leider mit der Umgehungsstraße nicht geklappt hat. Hier leben viele ältere Menschen, die von der Geschwindigkeitssenkung profitieren.“

Thieme

Thieme

Quelle:

Marlis Wiechmann : „Wenn alle 50 oder 60 fahren würden, meinetwegen. Aber da nachts auch auf der Reinhäuser Landstraße gerast wird, ist es mit der neuen Regelung angenehmer.“

Wiechmann

Wiechmann

Quelle:

Birgit Paulsen : „Ich finde das nicht gut. Es behindert den Verkehr und die Autos werden durch die niedrigen Gänge nur lauter.“

Paulsen

Paulsen

Quelle:

Roy Enders : „Ich halte das nicht für sinnvoll. Sinnvoll wäre ein Tempolimit nur am Tag, wenn auch viele Autos und Schulkinder unterwegs sind. Außerdem denke ich, dass das Tempo keinen Unterschied bei der Lärmbelästigung macht. Das, was am Tempolimit interessant ist, ist die Sicherheit.“

Enders

Enders

Quelle:

Erika Emme , 70: „Nachts ist das Tempolimit vollkommen in Ordnung. Tagsüber halte ich das allerdings für sinnlos. Das würde nur Stau verursachen und den Abgasausstoß erhöhen.“

Emme

Emme

Quelle:

Karl-Heinz Lips hät das ganze für „Irrsinn“. Der 70-Jährige, der an der Stettiner Straße wohnt, glaubt nämlich, dass sich die Autofahrer eh nicht an die Geschwindigkeitsbeschränkung halten. Und wenn es einer mache, dann werde er vermutlich lautstark überholt. Zwar sei das Verekehrsaufkommen im Bereich Reinhäuser Landstraße/Settiner Straße hoch, beosnders zu Feierabendzeit oder bei Stau auf der Autobahn, aber Tempo-30 sei keine Lösung.

 

Mihmit Kiermann : „Für mich ist das nicht nachvollziehbar. Nur tagsüber hätte so ein Tempolimit Sinn und auch dann eher in Bereichen, in denen viele Kinder unterwegs sind. Außerdem ist nur die Startphase laut, das Tempo ist dabei nicht entscheidend.“

 

Peter Gollnick : „Hätte man für Geismar damals die Umgehungsstraße gebaut, hätte man sich die 30er-Zone sparen können.“

 
   

 jro/pg/ma

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