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Tempo 30 nachts in Göttingen: Eine Testfahrt

Die Entdeckung der Langsamkeit Tempo 30 nachts in Göttingen: Eine Testfahrt

Jetzt steht es fest: Ab Freitag, 21. November, gilt nachts auf sieben Göttinger Straßen Tempo 30. Das hat die Stadtverwaltung am Donnerstag mitgeteilt. Das Tageblatt hat jetzt schon mal den Test gemacht.

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Nachts mit Tempo 30 durch Göttingen: Für die gleiche Strecke benötigt der Testfahrer deutlich mehr Zeit als mit Tempo 50.

Quelle: Vetter

Göttingen. Wie fährt es sich zwischen 22 und 6 Uhr auf betroffenen Straßen mit Tempo 30? Ergebnis: Mit Tempo 30 braucht man für die gleiche Strecke deutlich länger als mit einer Geschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde. Allerdings ist der Test gar nicht so leicht, wenn eigentlich noch Tempo 50 gilt.
Startpunkt ist auf der Reinhäuser Landstraße (südlicher Stadteingang an der Esso-Tankstelle). Mein Ziel: die Königsallee, Einmündung Stresemannstraße. Das heißt, auf etwa zwei Drittel der Fahrtstrecke gilt demnächst von 22 bis 6 Uhr Tempo 30: auf der Reinhäuser Landstraße, der Jheringstraße und einem Großteil der Königsallee. Auf der Bürgerstraße, dem Rosdorfer Weg und dem kurzen Stück der Groner Landstraße darf ich 50 fahren.
An der Esso-Tankstelle setzt sich mein Toyota Hilux in Bewegung.

Sehr viel schneller als gefühlt ist Tempo 30 erreicht: Fuß vom Gas, Tachonadel auf 30 einpendeln lassen. Von hinten nähert sich ein Auto. Um ein Hupkonzert zu vermeiden, schalte ich die Warnblinkanlage ein. Einen Stadtbus hinter mir hänge ich hingegen wegen der vielen Haltestellen locker ab. Dennoch sagt mir mein Fahrgefühl: Ich bin ein Verkehrshindernis. In der Königsallee bin ich ungefähr so schnell wie ein flotter Radfahrer. Und deutlich langsamer als ein Pizza-Auto, das mich mit geschätzten 70 Sachen überholt.

Die Entdeckung der Langsamkeit

Für den Drei-Liter-Diesel des Toyota im dritten Gang heißt Tempo 30: brummige gut 1000 Touren, laut Bordcomputer 5,5 Liter Verbrauch auf 100 Kilometern. Nach 13 Minuten und 30 Sekunden bin ich am Ziel, verrät mir meine Stoppuhr. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug knapp 30 Stundenkilometer.

Dann folgt die Fahrt mit Tempo 50. Jetzt habe ich das Gefühl, im spärlichen Verkehr einfach mitzuschwimmen. Mit 1200 Touren läuft der große Bauerndiesel deutlich runder. Verbrauch: 5,1 Liter, knapp zehn Prozent weniger als mit Tempo 30. Kaum überraschend: Schneller bin ich auch – für die gleiche Strecke benötige ich acht Minuten, 55 Sekunden oder vier Minuten und 35 Sekunden weniger. Weil kaum eine Ampel auf Rot zeigt, liegt die Durchschnittsgeschwindigkeit mit 45 Kilometern pro Stunde nur knapp unter den zulässigen Tempo 50. Andersherum: Bei Tempo 30 benötige ich für diese Strecke, die ja auch einige 50er-Passagen enthält, anderthalbmal so viel Zeit.

Was geschieht, wenn ich Tempo 30 im zweiten Gang statt im dritten fahre? 1700 statt gut 1000 Touren, damit deutlich lauter und knapp zwölf statt 5,5 Liter. Und Tempo 50 statt im vierten jetzt mal im dritten? Ebenfalls 1700 Touren und 7,3 statt 5,1 Liter. Nach früheren Tageblatt-Berichten zum Thema meldeten sich nicht wenige Tempo-30-Kritiker, die ankündigten, das reduzierte Tempo künftig im ersten Gang zu absolvieren. Auch das probiere ich aus: Bei 3000 Touren lärmt der Diesel, was das Zeug hält und übertönt das spärliche Abrollgeräusch massiv. Ich bin froh, dass ich das auf einer Straße ohne Bebauung getestet habe. Und der Verbrauch? Satte 17,8 Liter.

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