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Tempo 30 nachts in Göttingen gilt ab 21. November 2014

Gegen Verkehrslärm Tempo 30 nachts in Göttingen gilt ab 21. November 2014

Die Einführung von Tempo 30 nachts auf ausgewählten Straßen in Göttingen ist mit dem Lärmaktionsplan 2013 beschlossen worden und gilt jetzt ab 21. November 2014.

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Quelle: Dedert/dpa (Symbolfoto)

Göttingen. Ziel der Lärmaktionsplanung sei, so die Stadt, für Bereiche, in denen viele Anwohner von sehr hohen Lärmbelastungen betroffen sind, Möglichkeiten zur Lärmminderung aufzuzeigen.

Wo soll Tempo 30 nachts umgesetzt werden?

Eine Geschwindigkeitsreduzierung abseits von Tempo-30-Zonen sei nur aus besonderen Gründen möglich. An sieben Straßenabschnitten in Göttingen soll Tempo 30 nachts zwischen 22 und 6 Uhr umgesetzt werden:

  • Reinhäuser Landstraße zwischen Walkemühlenweg und Kiesseestraße
  • Stettiner Straße im Bereich Lotzestraße bis Reinhäuser Landstraße
  • Königsallee im Bereich Asternweg bis Godehardstraße
  • Jheringstraße zwischen Groner Landstraße bis Kommendebreite
  • Kreuzbergring zwischen Weender Landstraße und Humboldtallee
  • Von-Ossietzky-Straße im Bereich Merkelstraße bis Alfred-Delp-Weg
  • Geismar Landstraße/Hauptstraße zwischen Breslauer Straße und Sandersbeek
 

 

An diesen Straßen sollen zurzeit insgesamt 3.100 Einwohner Lärmbelastungen in einer Höhe ausgesetzt sein, ab der gesundheitliche Auswirkungen nicht ausgeschlossen werden könnten. Die Lärmwerte in den Straßen lägen vor allem nachts deutlich über den in den entsprechenden Richtlinien zur Einführung von Tempo 30 geforderten Werten, die noch höher als die gesundheitlich relevante Schwelle seien.

Was bringt Tempo 30 für die lärmbetroffenen Einwohner

Mit der Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h auf 30 km/h im innerstädtischen Bereich soll die Lärmbelastung um 2 - 3 dB(A) gesenkt werden können. Für dieselbe Höhe der Lärmminderung sei z.B. die Halbierung der Verkehrsmenge in der betroffenen Straße erforderlich. Dies zeige die Effektivität der Tempo 30 - Maßnahmen. Dass die Lärmminderung nicht nur rechnerisch ermittelbar sei, sondern auch durch Messungen bestätigt und von den Anwohnern positiv aufgenommen sei, zeigten die Erfahrungen aus vielen anderen Städten.

… und welche Auswirkungen für den Verkehr sind zu erwarten?

Die Einschränkungen für den Kfz-Verkehr durch Tempo 30 nachts seien eher gering. Im Nachtzeitraum sei die Verkehrsbelastung deutlich niedriger als in den Tagstunden. Auch der häufig befürchtete Zeitverlust sei - im Vergleich zum erreichbaren Nutzen - gering. Der theoretische Zeitverlust durch Tempo 30 läge im Vergleich zu Tempo 50 bei unter 5 (4,8) Sekunden auf 100 m. Die Anordnungen für Tempo 30 nachts in Göttingen sollen auf Längen von 220 m (Jheringstraße) bis maximal 1.600 m (Reinhäuser Landstraße) erfolgen. Rechnerisch lägen die Zeitverluste damit zwischen 10 Sekunden und etwas über einer Minute (77 Sekunden). Im realen Verkehr seien diese Zeitverluste meist noch geringer.

Wie sind die Erfahrungen mit Tempo 30 in anderen Städten?

Göttingen ist nicht die erste Stadt, die Tempo 30 nachts zur Reduzierung der Lärmbelastungen umsetzt. Die Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf 30 km/h als Maßnahme zur Lärmminderung sei nach einer Aufstellung des Umweltbundesamtes deutschlandweit bereits in weit über 50 Städten eingeführt. In Niedersachsen lägen z.B. in der Stadt Celle bereits Erfahrungen mit Tempo 30 - Regelungen vor, die Stadt Braunschweig hätte diesen Sommer auf Grundlage ihrer Lärmaktionsplanung ebenfalls Tempo 30 an einigen Straßen angeordnet.

In verschiedenen empirischen Studien zu Tempo 30, die sich meist auf Vorher-Nachher-Messungen und Befragungen der Anwohner stützen, hätten folgende Wirkungen einer Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 auf 30 km/h ermittelt werden können:

  • In den Untersuchungen traten gemessene Pegelminderungen von 1,2 bis 3,1 dB(A) auf - in Abhängigkeit davon, wie die Anordnung befolgt wurde (Befolgungsgrad), der Verkehrsbelastung und weiterer Faktoren.
  • Mit Geschwindigkeitsmessungen wurden Reduzierungen der gefahrenen Geschwindigkeiten ohne Begleitmaßnahmen von bis zu 16 km/h, mit Geschwindigkeitskontrollen von bis zu 18 km/h ermittelt.
  • Der Befolgungsgrad nimmt dabei mit zunehmender Dauer seit der Anordnung zu. Erst nach etwa einem halben Jahr pegeln sich die Geschwindigkeiten auf einem stabileren Niveau ein.
  • Zur Erhöhung des Befolgungsgrades wirken neben Radarkontrollen auch Dialogdisplays, Hinweise auf die Gründe der Tempo 30 - Regelung (z.B. Lärmschutz) und zusätzliche Fahrbahnmarkierungen unterstützend.

Anwohnerbefragungen zeigen laut Stadt überwiegend positive Reaktionen. Das deute darauf hin, dass eine deutliche subjektive Verbesserung der Lärmwahrnehmungssituation eingetreten sei. Außerdem habe die zusammenfassende Bewertung der Untersuchungen gezeigt, dass keine Ausschlusskriterien (z.B. Verkehrsmengen oder Straßenquerschnitte) für die Anordnung von Tempo 30 erkennbar sind.

Auch Verkehrsverlagerungseffekte in andere Straßen oder signifikante Verschlechterungen des Verkehrsflusses seien nicht beobachtet worden.

eb

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