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Tendenz seit Jahrzehnten steigend

Ein Drittel uneheliche Kinder Tendenz seit Jahrzehnten steigend

Heutzutage gelten uneheliche Geburten nicht mehr als gesellschaftliches Manko. Als Folge dieser Entwicklung hat auch bei Göttinger Müttern der Anteil der unehelichen Geburten in den vergangenen Jahren stark zugenommen.

In der Universitätsstadt wurden nach Zahlen des Göttinger Statistischen Informationssystems (Gösis) im vergangenen Jahr 349 Kinder unehelich geboren: Das ist mit 35,1 Prozent mehr als ein Drittel der von ortsansässigen Müttern geborenen Kinder

Seit drei Jahrzehnten ist der Trend zu immer mehr unehelichen Geburten in der Leinestadt ungebrochen. Doch der Blick in die Statistik der unehelichen Geburten in Göttingen nach dem Zweiten Weltkrieg offenbart auch Überraschendes: So war die Quote der unehelichen Kinder von ortsansässigen Müttern in den sechziger Jahren und auch nach der sexuellen Revolution 1968 nicht höher als die Quote im Kaiserreich.

1950 lag die Quote der unehelichen Kinder mit 11,1 Prozent noch vergleichsweise hoch, 1951 erreichte sie sogar 13,6 Prozent. Dann fiel die Quote allerdings ab und lag 1960 bei 9,1 Prozent. In den folgenden Jahren ging der Anteil noch weiter zurück und erreichte ab 1964 mit Werten um sechs Prozent ähnliche Werte, wie sie während der Anfangsjahre des Kaiserreiches in der Leinestadt üblich gewesen waren. Der geringste Wert wurde 1967 mit 4,8 Prozent erreicht, 1968 lag er bei sechs Prozent.

Das ist allerdings vermutlich weniger einer ähnlichen Sexualmoral geschuldet als vielmehr einer medizinischen Innovation: Mit der Antibabypille gab es die Möglichkeit, unerwünschte Schwangerschaften zu vermeiden. Die Pille wurde 1960 in den USA zugelassen und kam in der Bundesrepublik Deutschland 1961 auf den Markt.

Vor diesem Hintergrund änderte auch die 68er-Bewegung nichts an der Quote der unehelichen Kinder: 1970 lag sie bei 5,8 Prozent und blieb bis 1975 beständig unter sieben Prozent. 1980 lag der Anteil allerdings wieder bei 10,2 Prozent – und stieg dann rasant an: über 15,8 (1990) und 25,5 (2000) auf 35, 1 Prozent im vergangenen Jahr.
Die Zahl der unehelichen Geburten von Göttinger Müttern hat sich damit seit 1980 verdreifacht. Dieser Wechsel vollzieht sich zudem seit 1991 vor dem Hintergrund einer sinkenden Zahl der Geburten ortsansässiger Mütter. Lag sie in den neunziger Jahren im jährlichen Schnitt noch bei über 1200, fiel sie im vergangenen Jahr mit 993 erstmals unter die Marke von 1000. Das entspricht 7,7 Geburten auf 1000 Einwohner – 1966 lag der Wert mit 15,4 doppelt so hoch.

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