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Thema des Tages: Invasion der Wespen

Seit Jahren nicht mehr so viele Insekten Thema des Tages: Invasion der Wespen

So viele Wespen wie in diesem Jahr hat es seit 2007 nicht mehr gegeben: Das sagt Uwe Zinke vom Göttinger Naturschutzbund Nabu. Zinke erhält zur Zeit jeden Tag mehr als 50 Anrufe, an manchen Tagen bis zu 100. Immer ist dann jemand besorgt, weil er ein Wespennest in seiner Nähe hat. Und das geht schon seit Wochen so.

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Keine Panik: Wespen sind, entgegen ihres schlechten Rufs, keine aggressiven Insekten.

Quelle: dpa

Göttingen. „Wespen sind doch keine Horrorwesen“, sagt Zinke. Dennoch haben viele Menschen unbegründet Angst vor den gelb-schwarzen Insekten. Nur dort, wo kleine Kinder oder Allergiker in unmittelbarer Nähe eines Wespennestes in gesundheitlicher Gefahr sind, entfernt Zinke die Wespennester. Wenn das denn möglich ist. Wespen nisten gerne zwischen Decken und Balken oder in Rolllädenkasten, gerne auch an kaum zugänglichen Stellen. Sind die Nester aber zugänglich, dann rückt Zinke auch mal aus und setzt die Tiere um. „Etwa 150 Mal war das in dieser Saison schon der Fall“, sagt der Naturschützer.

Los ging die Wespensaison laut Zinke bereits Anfang  Juni. Vor allem die deutsche Wespe und die gemeine Wespe (die sind sich sehr ähnlich) gehen den Menschen auf die Nerven. Die etwas kleinere sächsische Wespe sei friedlicher, sagt Zinke. In diesem Jahr seien auch die Völker besonders üppig, bis zu 5000 Tiere können sich in einem Nest der gemeinen Wespe aufhalten.

Die meisten Anrufer berät Zinke nur. Wer beispielsweise einen Sicherheitsabstand von vier Metern einhalte und gegebenenfalls ein dünnes Netz  zum Schutz spanne, könne sich auch so gut vor den Tieren schützen. „Spätestens Ende September hat sich das Problem ja von selbst erledigt“, sagt Zinke. Dann ist die alte Königin tot, der Nachwuchs überwintert in Erdlöchern und gründet im nächsten Jahr einen neuen Staat.

Wenn das alles nicht ausreicht, wirft Zinke seinen Spezialsauger an. Zum Umsetzen eines kompletten Wespenvolkes saugt er die Tiere auf. Dann verfrachtet er sie und ihr Nest möglichst unversehrt in einen Kasten und bringt das alles dann in den Wald. „Leider gibt es beim Umsetzen aber immer einige Verluste“, sagt Zinke.

Interview mit Prof. Thomas Fuchs: Allergie - Hausmittel helfen nicht

Eine echte Wespen- oder Bienengiftallergie kann schnell lebensbedrohlich werden. Aber längst nicht jede Reaktion des Körpers auf einen Stich ist eine Allergie. Fragen dazu beantwortet Prof. Thomas Fuchs, Leiter der Allergologie an der Universitätsmedizin Göttingen.

Wie sieht eine normale Reaktion auf einen Wespenstich aus?

Im Allgemeinen ist das eine schmerzhafte Schwellung an der Einstichstelle. Auch  wenn man einen Schluck Cola aus einer Dose nimmt und dabei versehentlich eine Wespe verschluckt, ist das Anschwellen im Hals eine normale Reaktion – auch wenn sie lebensbedrohlich ist.

Wie sieht denn eine echte allergische Reaktion aus?

Immer, wenn nach einem Stich ein Ausschlag irgendwo am Körper auftritt, beispielsweise ein Nesselfieber (Urtikaria), ist von einer Allergie auszugehen. Atemnot, Schwindel und andere Kreislaufprobleme sind weitere, oft sehr bedrohliche  Symptome. Wer beispielsweise nach einem Stich in den Zeh Luftnot oder Kreislaufprobleme bekommt, sollte sofort den Notarzt alarmieren. In solch einer Situation sollte man keine Zeit verlieren.

Kann solch eine lebensbedrohliche Reaktion auftreten, auch wenn man noch nie zuvor eine Allergie gehabt hat?

Ja, es kann jeden treffen auch ohne jedes Vorzeichen. Jeder, der schon einmal Übelkeit, Ausschlag oder Kreislaufprobleme nach einem Insektenstich hatte, sollte sich von einem Allergologen daraufhin untersuchen lassen. Der Ausschlag ist ein ganz wichtiges Indiz für eine Wespengiftallergie, etwa 80 bis 90 Prozent der Allergiker haben diese Urtikaria.

Eine heftige, schmerzhafte Schwellung an der Einstichstelle ist also kein Anzeichen für eine Insektengift-Allergie?

Nein. Wenn eine Schwellung allerdings über das nächste Gelenk hinaus reicht und eventuell eine der anderen Reaktionen hinzukommt, ist daran zu denken. Ein Allergologe kann weiterhelfen.
Hausmittel helfen da nicht?

Bei normalen Stichreaktionen helfen Kühlpackungen oder Gele, eventuell sind Kortisoncremes notwendig. Gegen eine Allergie gibt es keine Hausmittel. Auch Kügelchen oder obskure Methoden helfen da nicht.

Was kann ein Allergiker tun?

Bei einer Wespen- oder Bienengiftallergie hilft eine Allergen-spezifische Immuntherapie. Die Allergie-Patienten werden von einem Allergologen mit einem Notfallset ausgestattet und sie werden geschult, diese Medikamente richtig anzuwenden.

Ist jemand, der auf Bienengift reagiert, auch auf Wespengift allergisch?

Nein. Im Allgemeinen reagiert ein Wespengift-Allergiker  aber auf Hornissengift. Wer eine Bienengiftallergie hat, ist meist auch Hummelgift-Allergiker.

Zur Ablenkung: Überreife Weintrauben auslegen

Göttingen /Jena.  „In der Regel kann man mit allen Wespenarten ohne Stress leben“, sagt Rainer Hanke, Wespenbeauftragter des Nabu Thüringen. „Normalerweise reagieren Wespen bei ihrer Nahrungssuche nicht aggressiv.  Dennoch sei es ratsam, süße Speisen und Getränke im Freien abzudecken und Kindern nach dem Verzehr den Mund und die Finger abzuwischen. „Am allerwichtigsten ist es allerdings, nicht nach den Wespen zu schlagen oder sie wegzupusten“, mahnt Hanke. Außerdem sollte man Barfußlaufen auf Wiesen mit Fallobst vermeiden und sparsam mit Parfüm und anderen duftenden Stoffe umgehen.

Wer die ungeliebten Tischgäste zum Beispiel von seiner Party im Garten fernhalten möchte, der kann es laut Hanke mit einer Ablenkfütterung probieren. „Überreife Weintrauben sind dazu bestens geeignet“, so der Fachmann. Sein Tipp:  Die Trauben fünf bis zehn Meter vom Ort des Geschehens entfernt aufstellen.  Ungeeignet für das Ablenken seien unverdünnte Marmeladen oder reiner Honig. Deren süße Substanzen wirken laut Hanke weniger gut und können die Tiere sogar aggressiv machen. Die Ablenkfütterung sollte möglichst schon vor Beginn der Feier starten. „Haben die Tiere erst mal die Vorzüge von Kuchen entdeckt, sind sie schlecht umzustimmen, so Hanke.

Wespennester am Haus stoßen bei Hausbesitzern oft auf Ratlosigkeit. „Es ist gut, mit der Entfernung zu warten, bis das Wespenvolk im Herbst abstirbt“, so Hanke. Nester von geschützten Arten dürfen nur in Ausnahmefällen umgesiedelt werden. „Den wahren Naturfreund erkennt man daran, dass er bereit ist, Rücksicht zu nehmen und kleine Opfer zu bringen“, sagt der Wespenfreund.  Für solche Arbeiten seien außerdem nur Fachleute mit einem Sachkundenachweis die geeigneten Ratgeber.

Info: Im Herbst ist Schluss

Ab April können befruchtete Wespen-Weibchen, die Königinnen, bei der Nest- und Nahrungssuche beobachtet werden. Als Nahrungsquelle dient in dieser Zeit beispielsweise Blütennektar. Anschließend wird aus zerkauten Holzfasern ein Nest gebaut. Die deutsche Wespe baut Erdnester oder sucht sich dafür Schlupflöcher in Häusern.

Im Hochsommer haben Wespenvölker dann ihre größte Stärke erreicht. Auf der Suche nach Nahrung für sich und ihre Brut fliegen sie dann auch Lebensmittel an, vor allem Speisen, die reich an Kohlenhydraten sind, werden für den Nachwuchs gesucht. Im Herbst stirbt die Königin, ihr Staat löst sich daraufhin auf. Beim ersten Kälteeinbruch sterben dann auch die letzten Arbeiterinnen. Allein die begatteten Jungköniginnen suchen sich ein geschütztes Versteck, beispielsweise morsches Holz, oder Erdlöcher. Im nächsten Frühjahr begründet die Jungkönigin dann einen neuen Staat, indem sie dann wieder mit dem Nestbau an geeigneter Stelle beginnt.

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