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Thema des Tages: Startups aus Göttingen

Herausforderungen und Chancen Thema des Tages: Startups aus Göttingen

Ein erfolgreiches Startup hat aus einer neuen Idee ein Geschäftsmodell gemacht. Das ist in der Region vielen innovativen Unternehmern gelungen, sechs von ihnen hat das Tageblatt zu Herausforderungen und Chancen der Neugründung befragt. Ein Experte für Unternehmertum erklärt außerdem, ob der Begriff „Startup“ wirklich so inflationär gebraucht werden sollte, wie es derzeit der Fall zu sein scheint.

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Quelle: Pförtner

Göttingen. Irgendwie haftet dem Wort ja etwas Verwegenes an. Startup. Das erinnert an berühmte Garagenfirmen, oder auch an junge Individualisten, denen die Entwicklung einer eigenen Smoothie-Linie wichtiger war als der BWL-Abschluss. Fest steht: Der Begriff erfreut sich seit einiger Zeit großer Beliebtheit und wird gern für junge Firmen zwischen Muffin-Factory und Hightech-Konzern verwendet. Mit Recht?

Für Prof. Dr. Bernhard Vollmar, Professor für Entrepreneurship der Privaten Hochschule Göttingen (PFH), steht das Wort für mehr als ein junges Unternehmen: „Im Unterschied zu Existenzgründungen, wie beispielsweise Handwerksbetrieben oder Freiberuflern, weisen Startups einerseits eine innovative Geschäftsidee und andererseits ein hohes Wachstumspotenzial auf.“ Das mit geringen finanziellen Mitteln gegründete Geschäftsmodell müsse skalierbar sein und sei frühzeitig darauf angewiesen, Kapital zu akquirieren oder sogar einen Börsengang zu realisieren. „Typischerweise stammen Startups aus dem Technologiesektor oder sind im Internet- und E-Commerce-Bereich aktiv“, so Vollmar. Das Alter eines Unternehmens ist also gar nicht so wichtig. Gleichzeitig ist nicht jede Neugründung ein Startup

Die Ideen in der Region sind vielfältig: Von der Softwarelösung für Versandprozesse in Unternehmen über die Reinigung von Wasser bis zum Full-Service-Paket für Hintergrundbeschallung fällt es schwer, bestimmte Branchen auszumachen, in denen kein Startup möglich wäre. Gemeinsam haben alle Ideen der befragten Unternehmer, dass sie ihre Existenz aus der Lösung eines konkreten Problems oder der Erschaffung eines neuen Produkts begründet haben.

In einem waren sich alle Befragten einig: Bei der Existenzgründung sind viele Hürden zu nehmen. Eine gute Idee ist eben noch kein Geschäftsmodell. Die Frage der Finanzierung stand daher auch bei den befragten Unternehmern im Mittelpunkt. Auch die Zusammenstellung des Teams – sofern es denn eines gibt – müsse stimmen, Persönlichkeiten und fachliche Hintergründe sollten zusammenpassen. Ein weiteres Thema: Technologie-Unternehmen hätten sich in der Gründungszeit nicht nur geschäftliche, sondern auch fachliche Beratung gewünscht.

Die Region wird von fast allen Befragten als gründerfreundlich wahrgenommen. Die Begründungen dafür sind vielfältig und reichen vom Beratungsangebot der Hochschulen über Geschäftskontakte bis hin zur reizvollen Landschaft. Beratung bei der Existenzgründung geben in der Region unter anderem die Wirtschaftsförderung Stadtentwicklung Göttingen (GWG), die Wirtschaftsförderung Region Göttingen (WRG) oder die Industrie- und Handelskammer (IHK). Auch wissenschaftliche Institutionen begleiten Unternehmer in die Selbstständigkeit, wie die Georg-August-Universität, die Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) oder die Private Hochschule Göttingen (PFH).

Von Jonas Rohde

Fragen an die Startups

1. Worin bestanden für Sie die größten Herausforderungen der Selbstständigkeit?

2. Worin liegt der Reiz der Selbstständigkeit?

3. Wer war während der Gründungszeit am hilfreichsten?

4. Ist die Region gründerfreundlich?

 
Direktsaat

Die Direktsaat GmbH unter Leitung von Geschäftsführer Bernd Bundstein (47) modifiziert Landmaschinen des englischen Herstellers Claydon. Sie übernimmt zudem Lohnaufträge.

  • Gründung: 2013
  • Mitarbeiter: 4
  • Ort: Moringen
  1. Es gibt viele bürokratische Hürden. Bis man zum Beispiel eine GmbH beim Amtsgericht eingetragen und damit die Haftungsbeschränkung erlangt hat, vergehen schnell zwei, drei Monate. Die Sozialversicherer gehen davon aus, dass ein Existenzgründer 2000 Euro im Monat verdient. Das schafft aber kaum einer.
  2. Sich selbstständig zu machen, ist eine Passion. Wer nicht leidenschaftlich bei der Sache ist, hält nicht durch.
  3. Die größte Hilfe für mich ist ein guter Freund, ein Steuerberater.
  4. Mit der Gründerfreundlichkeit des Landkreises Northeim ist es in den vergangenen Jahren besser geworden.

mic

 
Der Göttinger Feuerbäcker

Christian Siebert, „Der Göttinger Feuerbäcker“ backt im Holzofen. Der Vertrieb erfolgt über Wochenmärkte.

  • Gründung: 2009
  • Mitarbeiter: 16
  • Ort: Seeburg
  1. Die Finanzierung meiner 300 000 Euro teuren Bäckerei in Seeburg gelang erst nach mehreren Anläufen und vielen Gesprächen. Schwierig gestaltet sich die Personalsuche. Auf den Bäcker-Ausbildungsplatz hat sich eine Person beworben.
  2. Ich kann selbst entscheiden, was ich wie herstelle.
  3. Ohne die Familie und meine Lebenspartnerin hätte ich es nicht geschafft. Bäcker sind keine Einzelkämpfer. Wir stehen nachts in der Backstube und können uns tagsüber nicht um den Verkauf kümmern.
  4. Ob man bei den zuständigen Beratungsstellen Hilfe erhält, ist stark von den Personen abhängig. Ich habe sehr davon profitiert, dass mir der Landkreis einen 15-prozentigen EU-Investitionszuschuss vermittelt hat.

mic

 
Symphonicus

Mit „Symphonicus“ bietet Tomas Sniadowski automatisierte und personalisierte Hintergrundmusikkonzepte für Hotels, Gastronomie oder Banken. Seine Kunden leihen dafür eine Musikbox, die von Sniadowski aus der Ferne angesteuert werden kann.

  • Gründung: 2012
  • Mitarbeiter: 3
  • Ort: Northeim
  1. Das Motto eines Selbstständigen sollte nicht nur „selbst & ständig“ lauten, sondern eher „sky is the limit“. Man sollte jederzeit versuchen, das Unmögliche möglich zu machen und dabei die Professionalität, aber vor allem die Menschlichkeit anderen gegenüber nicht verlieren.
  2. Sein eigener Herr zu sein und sich in seiner Kreativität nicht einschränken zu lassen, war schon seit Schulzeiten mein Motto und hat sich seit dem auch nicht verändert. Auch wenn man doppelt so viel arbeiten muss wie andere, weiß man am Ende immer, für wen man das letztendlich tut.
  3. Die größte Unterstützung in der Gründungszeit erhielt ich von meiner Familie sowie engen Freunden, die mich darin bestärkten mit eben dieser Firma auf den Markt zu gehen.
  4. Schon allein am Rand des Harzes gelegen zu sein sorgt für Lebensqualität, schnelle Anbindungen an die Autobahnen und interessante Firmen im Umkreis von 100 Kilometern um Göttingen machen diese Region gründerfreundlich.

jro

 
Abacus Laser

Abacus Laser des promovierten Physikers Christoph Bollig entwickelt Laser für Spezialanwendungen, insbesondere im Bereich der Fernmessung. Außerdem bietet sie Beratung und Service.

  • Gründung: 2013
  • Mitarbeiter: 1
  • Ort: Bovenden
  1. Sich das notwendige Know-how etwa in steuerlichen oder juristischen Fragen zu beschaffen, ist nicht leicht. Da zahlt ein Gründer Lehrgeld. Schwierig ist auch die Finanzierung. Förderprogramme scheinen antizyklisch aufgelegt zu werden. Wenn man Geld für ein Projekt beantragen möchte, sind die passenden Fördermittel gerade nicht verfügbar.
  2. Es ist ein schönes Gefühl, eigenverantwortlich entscheiden zu können. Spannend ist es, wie sich Visionen, Ideen und Projekte entwickeln.
  3. Mein erster Kunde, die Lindauer Firma Lisa Laser Products, hat mir eine Teilzeitstelle angeboten. Das ermöglicht es mir nun, mein Unternehmen langsam und ohne finanziellen Druck anfahren zu lassen.
  4. Die Industrie- und Handelskammer macht viele hilfreiche Angebote. Von der Universität Göttingen habe ich Unterstützung erhalten. Bei Fragen kann ich mich auch an die Wirtschaftsförderung Region Göttingen wenden.

mic

 
septArtes

Friedrich Lorentz, Alexander Börries (Foto) und Tim Sulewski von septArtes haben ein Programm geschaffen, das Versanddaten für Unternehmen mit hohem Lieferaufkommen speichert und verwaltet. Unter anderem können Sendungsbelege und EU-Versandnachweise erstellt werden.

  • Gründung: Jahreswechsel November 2012
  • Mitarbeiterzahl: 4
  • Ort:Göttingen
  1. Das Ziel nicht aus den Augen zu lassen, sich seiner Stärken bewusst zu sein und sich seine Pläne nicht kleinreden zu lassen.
  2. In der freien Entfaltung der eigenen Persönlichkeit.
  3. Eckard Welz von der Gothaer Versicherung und Peter Meier von der VGH-Versicherung, die uns Büroräume zur Verfügung gestellt haben. Zudem hat uns die Existenzgründungsberatung der Universität Göttingen mit anderen Unternehmen vernetzt.
  4. Ja, uns begegnete immer große Offenheit. Eventuelles Optimierungspotenzial sehen wir in der gedanklichen Nähe zu Existenzgründern.

jro

 
Flexbio Technologie

Flexbio Technologie um Paul Bauer, Kirsten Loewe und Waldemar Ganagin fertigt und vermarktet Anlagen zur Reinigung von organisch belasteten Wasser für landwirtschaftliche und Industriebetriebe.

  • Gründung: 2014
  • Mitarbeiterzahl: 3
  • Ort: Göttingen
  1. Die Liquidität in der Anfangsfinanzierung, der Markteintritt mit Bau der ersten Referenzanlage und die Schaffung der Organisationsstrukturen.
  2. In der Unabhängigkeit und der Implementierung eigener Ideen für aktuelle Herausforderungen im Bereich des Umwelt- und Klimaschutzes.
  3. Im Gründungsprozess leistet der Gründungscampus der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) Plus als Initiative der Hochschule HAWK eine hervorragende Unterstützung. Die EXIST-Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung ermöglicht uns einen Spin-Off aus der Hochschule HAWK.
  4. Regionale Beratungsangebote für Existenzgründer im technologischen Bereich sind uns nicht bekannt. Finanzielle Anreize für neue innovative Technologieunternehmen fehlen.

jro

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