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Ziel im Klimaplan: Autofahrten um ein Viertel reduzieren

Thema des Tages Ziel im Klimaplan: Autofahrten um ein Viertel reduzieren

Mit einem Stadtrats-Beschluss im Mai 2010 hat sich die Stadt Göttingen verpflichtet, Zielvor­gaben der Bundesregierung zu folgen. Dies bedeutet, CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent zu reduzieren, bis 2030 soll eine Reduzierung um 50 Prozent, bis 2050 um 100 Prozent (gegenüber 1990) erreicht werden. Ein Teil der Klimaschutzmaßnahmen betrifft den Straßenverkehr in der Stadt. Wie die CO2-Reduktion dort realisiert werden soll,  darum geht es im Klimaplan Verkehrsentwicklung.

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Quelle: dpa/Symbolbild

Göttingen. Auf 145 Seiten haben drei Planungsbüros einen „Klimaplan Verkehrsentwicklung Stadt Göttingen“ erstellt. Das Werk soll in der nächsten Sitzung des Bauausschusses des Rates vorgestellt und Ende Januar vom Rat beschlossen werden.
In dem Plan geht es darum, wie der Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) in den kommenden Jahren reduziert werden kann – im Straßenverkehr. „Wir sind eine der ganz wenigen Kommunen in Deutschland, die solch einen Plan erarbeitet haben“, sagt Stadtbaurat Thomas Dienberg (parteilos). Rund 25 Prozent des CO2-Gehaltes in der Göttinger Luft wird vom Autoverkehr verursacht.

In dem Plan geht es darum, die Weichen für die künftige Verkehrsentwicklung in der Stadt zu stellen. Schwerpunkte, Verbesserungen, Ausbau: All das unter dem Gesichtspunkt einer Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes um 40 Prozent bis zum Jahr 2020. Für Fußgänger, Radverkehr, den Individuellen Autoverkehr und den öffentlichen Nahverkehr sollen Projekte angestoßen und umgesetzt werden.

„Wir möchten das Ziel vor allem durch Verbesserung der Infrastruktur für emissionsarme Verkehrsarten und Änderung des Mobilitätsverhaltens der Bürger und Besucher der Stadt“, sagt Sören Koss, Verkehrsplaner der Stadtverwaltung. Die Göttinger sollen also neue Anreize erhalten, das Auto öfters einmal stehen zu lassen. Von strikten Verboten halten Dienberg und Koss wenig. „Unser Weg ist es, das nicht zu tun, sondern Anreize dafür zu schaffen, andere Verkehrsmittel zu nutzen“.

Die Göttinger legen aber schon jetzt mehr als die Hälfte aller Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurück, ein Drittel der Wege werden mit dem Auto, 13 Prozent mit Bus oder Bahn gefahren. „Der motorisierte Individualverkehr hat in der Göttinger Bevölkerung im Vergleich zu früherer Erhebungen an Bedeutung verloren“, so steht es im Klimaplan. „Der Trend hält bundesweit an“, sagt Maik Lindemann von der Bauverwaltung.

Dennoch, da sind sich die Planer einig, kann die CO2-Emission gesenkt werden, wenn in der Stadt weniger Auto gefahren wird – auch wenn die Autos immer umweltfreundlicher werden. Ein in dem Plan formuliertes Ziel: 20 bis 25 Prozent weniger Fahrleistung im Kfz-Verkehr innerhalb Göttingens bis zum Jahr 2025. Rad-, Fuß- und ÖPNV-Verkehr sollen stattdessen an Bedeutung gewinnen – auch im Stadt-Umland-Verkehr. Weitere im Plan formulierte Ziele sind beispielsweise die Erhöhung der Verkehrssicherheit, Minderung der Schadstoffbelastung der Luft und Stärkung der Nahmobilität (auch für eingeschränkte Menschen).

Aus einem großen Bündel an Maßnahmen haben die Gutachter am Ende acht Themenbereiche zusammengefasst. Acht Initialprojekte, die ein erster Schritt auf dem Weg zu einem neuen Verkehrskonzept zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes werden sollen, sind dort formuliert. Eingearbeitet sind auch Anregungen von Bürgern, die im Internet und während einer Diskussionsveranstaltung ihre Vorstellungen vorgebracht haben. „Das Interesse an der Beteiligung war aber eher gering“, so Dienberg. 33 Teilnehmer ließen sich auf der Onlineplattform registrieren.

Die Sitzung des Bauausschusses beginnt am Donnerstag, 15. Januar, um 16.15 Uhr im Ratssaal  im Neuen Rathaus.

Projekt ÖPNV: Mobil-Karte

13 Prozent aller Wege in Göttingen werden  mit öffentlichen Verkehrsmitteln (überwiegend mit dem Bus) zurückgelegt. Vor allem auf dem Weg zur  Ausbildungsstätte, also in die Schule oder in die Universität, und für sonstige Erledigungen (Arztbesuche, Behördengänge) nehmen die Göttinger den Bus.  Diese Wege sind laut Klimaplan meist drei bis fünf Kilometer lang. Der Bahnverkehr ist nur auf längeren Entfernungen relevant. Insgesamt werden von der Göttinger Bevölkerung täglich etwa 55 000 Wege mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt.
Die Anforderungen an das öffentliche Netz sind unter anderem: Gute Erreichbarkeit der Haltestellen (auch Barrierefreiheit), dichtes zeitliches Fahrplanangebot, kurze Reisezeiten und Zuverlässigkeit.
Das für den ÖPNV wesentliche Initialprojekt im Klimaplan Verkehrsentwicklung für den Klimaschutz ist eine „Verkehrsmittelübergreifende Mobilitätskarte“. Dahinter verbirgt sich die Idee, ein Ticket anzubieten, mit auch Car-Sharing, Autovermietung oder Rabatt auf Taxifahrten möglich sind. „In Hannover gibt es so etwas  bereits als Hannover-Mobil-Karte“, so Dienberg. bib

Projekt Autos: Suche nach perfektem Tempo

Der größte Anteil, nämlich 34 Prozent aller Wege in Göttingen wird mit „motorisiertem Individualverkehr“, also mit dem Auto oder dem Motorrad in der Stadt zurückgelegt. Der Anteil geht leicht zurück. Die Fahrten sind überwiegend dienstliche Fahrten, beispielsweise zum Arbeitsplatz, und so genannte ­Servicewege (Bring- und Holdienste). Motorfahrzeuge werden überwiegend auf längen Strecken benutzt, aber auch auf kürzeren Strecken ist der Anteil laut Klimaplan „signifikant“. 143 000 Wege werden täglich damit zurück gelegt.
Mehr als 55 000 Fahrzeuge sind in der Stadt zugelassen, darunter 3500 Krad, 43 000 private Autos, 5400 Dienstfahrzeuge und 3300 Nutzfahrzeuge. Fast alle haben Verbrennungsmotoren.
Das für den Autoverkehr wesentliche Initialprojekt im Klimaplan ist ein Modellversuch zum Thema Geschwindigkeitsreduktion. „Wir möchten unter wissenschaftlicher Begleitung herausfinden, welche Geschwindigkeit für welche Straße geeignet ist – ob Tempo 30, 40 oder 50 im Sinne einer CO2-Ausstoß-Reduzierung am meisten Sinn macht“, so Verkehrsplaner Sören Koss. Ein zweites Projekt ist es, neue Car-Sharing-Stationen im öffentlichen Raum der Stadt zu fördern. bib

Projekt Radfahrer: Schnellwege bauen

Den zweitgrößten Anteil am Verkehrsaufkommen, nämlich etwa 27 Prozent aller Wege in Göttingen, werden mit dem Fahrrad zurückgelegt. Der Anteil stieg in den vergangenen Jahren an. Die Göttinger legen täglich 114 000 Wege mit dem Rad zurück, meist sind diese einen bis fünf Kilometer lang. In der Innenstadt gibt es etwa 1200 Fahrradparkplätze, der Bedarf ist weit größer. Etwa die Hälfte aller Räder wird laut Gutachten lose abgestellt.
Auch der Radverkehr in der Stadt hat laut dem Klimaplan  Defizite, besonders an den Hauptverkehrsstraßen und dort, wo diese überquert werden müssen. Auch befinden sich viele Radwege in einem schlechten Zustand oder es bestehen Konflikte mit Autoverkehr und Fußgängern. Als Schwachpunkte werden unter anderem die Hannoversche Straße, die Danziger Straße - Stettiner Straße - Sandweg und die Güterbahnhofstraße genannt.
Als Initialprojekt im Klimaplan werden „neue qualitätsvolle Radschnellverbindungen“ aufgeführt. Neben dem bestehenden zur Norduni, kommen Strecken in Richtung Lenglern  und Klein Lengden in Frage. Generell sollen die Radwege für Nutzer attraktiver gemacht werden. bib

Projekt Fußgänger: Konzept im Ortsteil

Ein Viertel aller Wege wird von den Göttingern zu Fuß zurückgelegt. Das, so steht es im Klimaplan, sind täglich etwa 105 000 Wege. Die Wege sind überwiegend kurze Strecken unter drei Kilometern Länge. Jährlich ereignen sich rund 60 Unfälle mit Fußgängern, konkrete Gefahrenstellen gibt es aber nicht.
In dem Gutachten wird zwischen Alltagsverbindungen und Grünverbindungen unterscheiden. Vor allem in der Altstadt ist das Fußgängeraufkommen hoch. Ein Fußweg sollte mindestens 2,50 Meter breit und möglichst barrierefrei sein. Straßen sollten ohne Zwischenstopp auf Mittelinseln überquert werden können, an Ampeln sollten Fußgänger nicht länger als 40 Sekunden warten müssen.
Nicht immer werden Göttingens Fußwege diesen Anforderungen gerecht. Oft müssen Fußgänger Umwege gehen, weil sie Straßen nicht queren können (Weender Landstraße), manchmal auf dem Mittelstreifen warten (Bürgerstraße) oder mit zu engen Wegen, hohen Bordsteinen (nicht barrierefrei) oder parkenden Autos zurecht kommen müssen.
Initialprojekte für Fußgänger: Im Klimaplan heißt das „Modellprojekt Nahmobilitätskonzept“. Gemeint ist, die Wege in einem Stadt- oder Ortsteil zu untersuchen, welche wie genutzt werden. Darauf aufbauend können dann die  Straßen und Wege gezielt verbessert werden, auch das als Anreiz, nicht unbedingt mit dem Auto in die Stadt zu fahren.      bib

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