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Theologieprofessor sieht Rückkehr zur Politik

Jürgen Manemann Theologieprofessor sieht Rückkehr zur Politik

Pegida-Demos, Piraten-Partei, Occupy-Bewegung: Das seien zwar womöglich jeweils nur vorübergehende Phänomene, so Jürgen Manemann. Doch der Theologie-Professor und Direktor des Forschungsinstituts für Philosophie Hannover erkennt darin zugleich auch eine Rückkehr zur Politik. In einem Vortrag in der Reihe „Christen in der Moderne“ des Stadtverbandes der Jungen Union hat Manemann seine Thesen zum Wesen der Politik und auch zur Rolle des Christentums vorgestellt.

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Sieht Gerechtigkeit als Fundament der Politik: Theologie-Professor Jürgen Manemann an der Göttinger Godehardkirche.

Quelle: Vetter

Göttingen. Papst Franziskus rufe Christen dazu auf, sich zugunsten der Armen und Kranken einzumischen, so Manemann. Die Evangelische Kirche habe sich 2014 im Rahmen der Dekade zum Reformationsjubiläum mit dem Thema Politik befasst. Kirche betreibe selbst keine Politik, so Manemann, aber ihre Aufgabe sei es, junge Menschen in die Lage zu versetzen, sich zu engagieren.

Politik setze die Fähigkeit des Zuhörens voraus, sagte Manemann. Politik sei von ihrem Wesen her nur Politik, wenn sie nicht nur auf eine bestimmte Klientel, sondern auf das Gemeinwohl ziele. Auf das Gemeinwohl zu achten, bedeute auch, Minderheiten im Blick zu haben, die auf Solidarität angewiesen seien. Dies sei auch eine Kernaufgabe der Kirche.

Politik wurzele in der Verschiedenheit der Menschen und basiere auf Pluralität. Das bedeute, die Andersartigkeit des Gegenübers anzuerkennen und  dabei zugleich seine Einzigartigkeit wahrzunehmen, ohne es auf eine Schublade festzulegen.
Politik ziele auf die Herstellung einer Ordnung. Dies dürfe aber kein Selbstzweck sein, sondern müsse dem Schutz des Individuums dienen. Machtpolitik sei nur dann politisch, wenn sie dem Gemeinwohl diene. Dies müsse sie immer wieder nachweisen, um nicht in Herrschaft und Gewalt umzuschlagen. Insofern sei Politik um ihrer selbst darauf angewiesen, dass sie bisweilen durch zivilgesellschaftlichen Protest gestört werde, um selbst nicht statisch zu werden.

Das Fundament der Politik sei Gerechtigkeit. Insofern sei es Bedingung aller Politik, dass bei den Akteuren Leidempfindlichkeit und ein Sinn für Ungerechtigkeit ausgebildet sei. Politik brauche zudem demütige Politiker – nämlich solche, die keine Rechthaber, sondern zu Umkehr und Kompromissen bereit seien. Politik beruhe auf Gegnerschaft, nicht auf Feindschaft.

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