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Thomas Sarbacher liest bei den Theatertagen

Leiden an der Armut Thomas Sarbacher liest bei den Theatertagen

Unter dem Motto „Migration und Menschlichkeit- eine Gesellschaft verändert sich“ stehen die Göttinger Theatertage 2016. Am Sonnabend präsentierte der Schauspieler Thomas Sarbacher im gut besuchten Deutschen Theater eine Auswahl arabischer und afrikanischer Geschichten aus der Sammlung „Zu Besuch.

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Thomas Sarbacher liest bei den Theatertagen in Göttingen arabische Geschichten.

Quelle: PH

Göttingen. Sarbacher, in Hamburg geboren, heute in Zürich lebend, hat im Sommer 2015 begonne,  nach Texten für eine Lesung mit Geschichten aus Arabien, Afrika oder Syrien zu suchen. Es habe ihn gestört, dass von den Flüchtlingen immer nur als Masse oder Welle gesprochen wurde. Er wollte ihnen ihre Individualität zurück geben. Bewusst hat er sich eher für Alltagsgeschichten entschieden, um einen Eindruck vom Leben zu geben, das dort stattgefunden hat . Ein Problem bei seinem Vorhaben ist die Verfügbarkeit der Literatur gewesen. Vieles gerade aus afrikanischen Ländern ist nicht ins Deutsche übersetzt . Viele hervorragende Texte findet man aus Ägypten, wenig aus Eritrea oder Syrien. Und vieles sind Klassiker aus der Mitte des 20. Jahrhunderts.

Gekonnt, professionell, warmherzig und lebendig liest der Schauspieler berührende Geschichten über das Leiden an der Armut, der Sehnsucht nach einem normalen Leben, den Glauben an Mythen, über Einsamkeit und Erniedrigung. Liest von einem Jungen, der seine Mutter nicht kennt, den der Vater bei der Großmutter zurückgelassen hat. Der sich so allein gelassen fühlt, dass „selbst die Tränen sein Leid nicht ausdrücken können“. Er liest von einem alten Scheich im Sudan, dessen Erwachsenenleben mit der Pflanzung einer jungen Dattelpalme so erfolgreich begann. Reichtum schenkte ihm die Palme, ermöglichte ihm den Aufbau einer Schafherde. Die Dürre aber hat ihm dann seine Schafe, fast seinen ganzen Besitz genommen. Völlig verarmt entscheidet er sich trotz großer Versuchung diese Palme nicht zu verkaufen. Und findet so sein Glück wieder. Sarbacher liest vom Palästinenser, der sein Land an einen Juden verkauft und damit Unglück über sich und seine Pächter bringt. Er hat den Wert nicht verstanden, den das Land für die Bauern hatt.

Eine schöne Lesung. Schade nur, dass es an diesem Abend nicht geplant war, Fragen aus dem Publikum zuzulassen. Eine Geschichte weniger und noch ein paar Sätze von Sarbacher hätten den Abend abgerundet.

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