Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 13 ° Regenschauer

Navigation:
Tierschützer fordern: Schliefanlage in Klein Schneen schließen

Zugelassen und überprüft Tierschützer fordern: Schliefanlage in Klein Schneen schließen

Werden in einem Käfig in der Gemarkung Klein Schneen Füchse gequält? Mit einem Text im Mitteilungsblatt der Gemeinde und einer Internet-Petition fordert der Tierschutzverein Friedland die Schließung der Schliefanlage des Deutschen Jagdterrier-Clubs (DJT).

Voriger Artikel
Eon Mitte demontiert Hochspannungsleitungen bei Grone
Nächster Artikel
Asklepios gegen Verfasser von Leserbriefen

Versteckter Fuchsbau: Schliefanlage bei Klein Schneen, die einzige in Südniedersachsen.

Quelle: Hinzmann

Klein Schneen. Die Tierfreunde halten das Abrichten von Hunden, indem sie Füchse in einem künstlichen Bau jagen, für Tierquälerei, die nicht selten mit Herzinfarkt und Tod für die Füchse ende.

Eine Schliefanlage, von der es in ganz Niedersachsen nur zwei gibt, ist ein künstlicher Fuchsbau, in dem auch dauerhaft Füchse gehalten und gefüttert werden. Zu Übungs- und Prüfungszwecken werden Jagdhunde (Teckel oder Jagdterrier) auf die Fährte der Füchse und in den Bau geschickt. Ein Schieber trennt Hund und Fuchs.

Das Veterinäramt des Landkreises Göttingen hat die seit 1971 bestehende Anlage an der Kreisstraße bei Klein Schneen zugelassen und regelmäßig überprüft. Beanstandungen gab es nicht. Das Gelände gehört der Gemeinde Friedland, die es noch bis Ende 2014 an den DJT verpachtet hat.

Werden in einem Käfig bei Klein Schneen Füchse gequält? Tierschützer aus Freidland fordern jedenfalls die Abschaffung der Schliefanlage, in der Jagdhunde ausgebildet werden. © Hinzmann

Zur Bildergalerie

Derzeit leben zwei Füchse in dem 50 Quadratmeter großen Käfig, die vor Jahren als Jungfüchse aus einem Wurf in einer anderen Schliefanlage des DJT übernommen wurden.  Sie werden regelmäßig versorgt, tierärztlich untersucht und haben Verstecke und Auslauf, sagt Michael Falkental, der die Füchse betreut.

Zweimal im Jahr sind Prüfungen mit jeweils maximal sechs Jagdhunden angesetzt. Dann werden die Füchse im hinteren Teil ihres Baus eingesperrt und die Hunde müssen unterirdisch ihre Fährte bis zum Absperrgitter verfolgen. Vor Jahren, so Falkental, habe eine Gruppe Veterinäre Verhalten und Stressauswirkungen auf die Schlief-Füchse wissenschaftlich untersucht.

Das Ergebnis sei gewesen: kein besonderer Stress, weil die Füchse sich in ihrem Heimatbau sicher fühlten. Ein Klein Schneener, der über Jahrzehnte die Schliefen-Füchse betreut hat, sagt: „In freier Natur hat der Fuchs mehr Stress – und lebt nicht halb so lange.“ Viele Behauptungen, die der Tierschutzverein aufgestellt habe, etwa, dass Jugenfüchse gefangen würden, seien „definitiv falsch“.

Schon vor Jahren haben Tierschützer drei Füchse aus der Anlage in Klein Schneen frei gelassen. Zwei wurden von Autos überfahren, einer suchte Schutz im Dorf und wurde offenbar von einem Hund getötet, berichtet der damalige Betreuer.

Die Internetpetition auf: openpetition.de

Baujagd, weil Fuchs Feinde fehlen

Wozu Jäger eine so genannte Schliefanlage benötigen, erklärt Kreisjägermeister Alfred Ballhausen – der selbst allerdings keinen Hund für die Baujagd einsetzt: Das Jagdgesetz schreibe vor, ausschließlich jagdlich ausgebildete Hunde bei der Jagd zu führen.

Zu dieser Ausbildung und jagdlichen Zulassung gehöre auch die Prüfung am Bau, wo der Hund beweisen müsse, dass er eine Fuchs- oder Dachsfährte bis in den Bau verfolgt und diesen untertage auch stellt oder aus dem Bau treibt. Hunde, die im unbekannten Röhrensystem Angst haben, seien ungeeignet.

Da man die Bauarbeit schon aus tierschutzrechlichen Gründen nicht in freier Natur üben darf, simuliere ein künstlicher Nachbau des Fuchsbaus, also eine Schliefanlage, den natürlichen Bau.

In der Anlage, in der Füchse dauerhaft leben und versorgt werden, lassen sich im Falle von Ausbildung und Prüfung die Bereiche, in die sich der Fuchs sicher zurückzieht, durch einen Schieber von den für den Hund zugänglichen Röhrenbereich trennen. Das Gesetz schreibe vor, dass Hund und Fuchs nicht in unmittelbaren Kontakt kommen dürfen.

Dass Füchse bejagt werden müssen, so Ballhausen, ergebe sich schon aus der Zahl der Abschüsse 2012. Einschließlich überfahrener Tiere wurden im Landkreis Göttingen 2783 Füchse getötet (Vorjahr nur 1720). Hinzu kommen 420 Dachse (Vorjahr 310). Würde man Rotfuchs und Dachs nicht bejagen, wäre das das Ende von Bodenbrütern wie Fasan, Rebhuhn oder vielen Singvogelarten.

Fuchs, Dachs und Waschbär haben keine natürlichen Feinde. Außerdem würden sich Krankheiten wie Räude, Staupe, Fuchsbandwurm und die seit zehn Jahren gebändigte Tollwut wieder ausbreiten. Nach Ballhausens Schätzung werden bis zu einem Drittel aller erlegten Füchse im Jahr bei der Baujagd mit Terrier oder Teckel zur Strecke gebracht.

Voriger Artikel
Nächster Artikel