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Tomaten, Bürokratendeutsch und eine Rednerecke im Park

Wochenendkolumne Tomaten, Bürokratendeutsch und eine Rednerecke im Park

So löblich eine Redaktion das Vorhaben des Göttinger Landrates Reinhard Schermann auch findet, die Verwaltungssprache unbürokratischer und verständlicher, somit bürgernaher zu machen – den Kampf gegen Abkürzungen sollte man bitte zeitgleich beginnen.

Denn das Vorhaben wird doch (verwaltungsintern) tatsächlich so abgekürzt „Vink“ – Verwaltungssprache in Kürze. Und der Liste, die mein Kollege Mathias Heinzel aufgestellt hat, mit all den immer noch grassierenden Amts-Begriffen wie Straßenbegleitgrün oder Wildursprungsschein möchte die Redaktionskonferenz vom Mittwoch im übrigen unbedingt noch einen Terminus hinzufügen: „Heranziehungsvereinbarung“. Den, so gesteht die Kollegin, habe sie bis heute nicht verstanden.
Nicht verstanden habe ich wiederum einen Antrag der Sozialdemokraten im Rat der Stadt. Danach soll es künftig im Cheltenhampark (die Idee mit dem Wilhelmsplatz wurde verworfen) den Göttinger Speaker’s Corner geben. Übersetzen wir das mal – wir sind schließlich nicht in London – schlicht mit Rednerecke. Und fragen uns dann, ob das nicht eher in die Rubrik gehört „Dinge, die die Welt nicht braucht“. Nach Meinung der SPD aber schon. Zudem muss ein Schild her. Sehr deutsch. Ich frage mich, was da wohl draufstehen wird? Vielleicht: „Sie dürfen an dieser Stelle, aber nur hier, öffentlich reden. Beachten Sie aber bitte, dass Beleidigungen von Amtspersonen zu unterlassen sind. Der Paragraf 14, Absatz 1, des Versammlungsgesetzes ist an dieser Stelle außer Kraft gesetzt.“ Was man dann wieder übersetzen müßte: Dieser Paragraph nämlich besagt, dass öffentliche Versammlungen unter freiem Himmel spätestens 48 Stunden zuvor angemeldet sein müssen. Was neben diesem Schild im Cheltenhampark eben nicht gelten soll: Hier dürfen sich Passanten versammeln, um den Rednern, so es denn je welche geben sollte, ungehindert zu lauschen. Die Verwaltung findet, wie das so ihre eigene Sprache ist, den Antrag eher „unschädlich“ ­– übersetzt: Überflüssig, aber tut auch nicht weh. Weshalb sie vorschlägt, das ein Jahr lang probehalber zu versuchen. Sollten Sie in dieser Zeit einen Redner orten, bitte melden!

Der Andrang an anderer Stelle wird heute hingegen mit Sicherheit hoch sein. Im Klostergut Reinshof bei Göttingen (an der B 27) präsentieren die Agrarwissenschaftler der Universität zwischen 14 und 18 Uhr Tomaten aller Art – historische Tomaten, Wildtomaten und Tomatenzüchtungen für das Freiland. Da Tomaten das beliebteste Gemüse Deutschlands sind (pro Nase essen wir durchschnittlich mehr als 14 Kilogramm im Jahr), ist das auch nicht verwunderlich. Zur Vorbereitung: Hätten Sie gewusst, wo das Ursprungsland der Tomaten liegt? O nein, nicht in Italien. Es ist Südamerika. Soweit gut vorbereitet, sollten Sie im übrigen besser mit dem Fahrrad anreisen – Parkplätze gibt es an diesem Versuchsgut nämlich so gut wie keine.

Keine Parkplatzprobleme gibt es dafür am Sonnabendabend, 14. August, sicher am Naturbad Grone. Dort wird ab 19 Uhr ein Klassikabend mit den Göttinger Nostalgikern und Arien rund um das Wasser geboten. Wie das bei viel Wasser von oben organisiert ist, wurde nicht mitgeteilt. Dafür an anderer Stelle: Das Open-Air-Konzert mit Seven Up am Gaußturm bei Dransfeld beginnt um 20 Uhr – und bei schlechtem Wetter in der Stadthalle Dransfeld.

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