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Tomaten: Rote Murmel schmeckt „am besten“

Tomatentag auf Gut Reinshof Tomaten: Rote Murmel schmeckt „am besten“

Mit einem Verbrauch von mehr als 14 Kilo pro Kopf und Jahr ist die Tomate der Deutschen liebstes Gemüse. Deshalb glich die Feldmark am Reinshof am Sonnabend einer Pilgerstätte.

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Schlange stehen: Mehr als 20 Freiland-Tomatensorten stehen zum Probieren und Bewerten bereit.

Quelle: Heller

Rund 1000 Besucher machten sich auf Weg, mehr über ihr Lieblingsgemüse zu erfahren. Denn: Die Agrarwissenschaftler der Universität informierten zum dritten Mal auf dem Öko-Versuchsacker über Frucht und Pflanze.

Schon vom weiten wird klar: Auf dem Feld ist ordentlich etwas los. Am Klostergut parken jede Menge Autos, die Wege sind voll mit Fußgängern und Radfahrern, die zum Versuchsgelände pilgern. Mit zwei Kleinbussen werden Gäste vom Gut zum Feld und zurück gefahren. „Die ersten Besucher waren schon um 12 Uhr hier“, sagt Studentin Verena Werner, die einen der Busse steuert. Eigentlich sollte der Tomatentag um 14 Uhr beginnen.

Am frühen Nachmittag hat sich bereits eine lange Schlange vor dem Probierstand gebildet. Geld, rot, grün, orange: Die frisch aufgeschnitten Tomatenstückchen auf den Tellern lassen die Vielfalt ahnen, die Tomaten eigentlich bieten können. Ihre Namen sind beispielsweise Golden Pearl, Paprikaförmige, Supermarkt, Harzfeuer oder Sputnik. Mehr als 20 Sorten stehen zur Verköstigung bereit. Und fast alle Besucher wollen sich auch von der geschmacklichen Vielfalt der ökologisch angebauten Freilandtomaten überzeugen.

„Mir schmeckt die Sorte Rote Murmel am besten“, sagt Marlies Rudolph. Sie hat der Tomate auf ihrem Testbogen die höchste Punktzahl gegeben. Rudolph ist – wie viele der Besucher – eingefleischter Tomatenfan. „Ich bin extra aus Mellendorf bei Hannover angereist“, sagt sie.
Nicht ganz so weit mussten die Lübbeckes fahren. Das Ehepaar aus Adelebsen ist zum ersten Mal auf dem Gelände zu Besuch. Auch sie haben großes Interesse an Tomaten. Und ein konkretes Problem mit ihrer heimischen Lieblingstomatensorte. „Die Pflanzen haben braune Flecken.“ Jetzt wissen die Lübbeckes, dass ihre „Herztomaten mit seidenweichem Fell“ unter Kalziummangel leiden.

Antworten auf die vielen Fragen der Hobby- und Profigärtner gibt unter anderem Bernd Horneburg. Der Agrarwissenschaftler steht zwischen seinen ökologisch aufgezogenen Freiland-Pflanzen und erklärt viel über Anbau, Selektion, Zucht und Pflege des Gemüses. „Sehen Sie, das ist eine Zuchtlinie, die hat Schäden. Direkt daneben gedeiht unter gleichen Bedingungen eine andere Zuchtlinie der selben Kreuzung ohne Schäden. Das wollen wir erreichen“, so Horneburg. Die Tomaten auf dem Versuchsgelände werden ökologisch angebaut, nicht gedüngt und nicht bewässert. Dennoch hängen die Stängel voller Früchte. Für Hobbyzüchter sei es oftmals ein Problem, unterschiedliche Sorten zu bekommen. „Auf dem Markt stehe an den Jungpflanzen oft nur „Cocktail, rot“. Horneburg. „Man erfährt beim Kauf oft gar nicht, welche Sorte es ist. Und weiter: „Dafür brauchen wir Profibetriebe.“ Der Wissenschaftler wünscht sich, dass mehr Gärtnerbetriebe unterschiedliche Tomatenpflanzen züchten.

Dass ökologische Versuchstomaten nicht so aussehen, wie die namen- und geschmacklose Ware aus dem Supermarkt, fällt vielen Besuchern auf. „Siehste Heinz, die Tomaten haben auch Risse, wie bei uns im Garten.“

Von Britta Bielefeld

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