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Tonkuhlen in Rosdorf und Friedland werden zugeschüttet

Drei Biotope zerstört – ganz plangemäß Tonkuhlen in Rosdorf und Friedland werden zugeschüttet

Google zeigt die Welt von oben – und von gestern. Sieben, acht Jahre alt sind die Satellitenbilder, die im Gleisdreieck südlich von Göttingen zwei leuchtend blaue Augen in der Landschaft zeigen.

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Aus der Luft: Teiche A und B bei Rosdorf.

Quelle: Google

Auch westlich von Friedland glänzt ein See in der Sonne. Alle drei Gewässer sind Tongruben der Ziegelwerke in Friedland und Rosdorf. Und sie eint eins: Sie sind heute nicht mehr da oder geschrumpft. Plangemäß wurden sie zugeschüttet und damit als Biotop für seltene Ampibien zerstört.

Darauf hat jetzt der Göttinger Rainer Recke den Naturschutzbeauftragten des Landkreises Göttingen, Ulrich Heitkamp, hingewiesen. Ein wichtiges Laichgewässer diverser geschützter Arten wie Teichmolch und Kammmolch, Erd- und Kreuzkröte, Gras-, Teich- und Wasserfrosch sei zerstört worden. Sogar die äußerst seltene Gelbbauchunke sei in einigen Bereichen hier schon gesehen worden. Alle Kleinstlebewesen hätten ihr Biotop verloren, verschiedene Vogelarten ihr Ruhequartier.

Schon im Herbst vergangenen Jahres hatte Recke den Landkreis aufgefordert, einzugreifen. Jetzt forderte er in einem öffentlichen Brief, das weitere Zuschütten der Tongruben zu stoppen. Der Landkreis, so Dezernentin Christel Wemheuer, habe den Fall überprüft, sehe aber keinen Anlass zum Einschreiten. Die Eigentümer erfüllten lediglich den vorgeschriebenen Rekultivierungsplan.

„Weil wir dazu verpflichtet sind“, beantworten denn auch übereinstimmend Olaf Meurer von der ehemaligen Ziegelei Rosdorf und Rainer Nothdurft vom Ziegelwerk Friedland die Frage, warum sie die Seen zuschütten lassen. Schon bei Genehmigung des Tonabbaus in den 80er Jahren war in den Rekultivierungsplänen angeordnet worden, dass im Norden Rosdorfs der eine See vollständig zugeschüttet und mit Mutterboden abgedeckt zu Ackerland wird, der andere weitgehend gefüllt wird und so genanntes Erwartungsland für die benachbarte Gartenkolonie wird. Lediglich ein kleiner Teich soll hier bestehen bleiben. In Friedland sieht der Plan ebenfalls ein fast vollständiges Zuschütten vor. Nur ein kleiner Teich bleibt als Feuchtbiotop übrig.

Aus allen drei Tonkuhlen hat sich übrigens überwiegend der Landkreis Göttingen mit Ton vesorgt, den er als Abdichtmasse beim Bau der inzwischen geschlossenen Zentraldeponie in Deiderode einbaute. Nur ein Teil des Tons ging als Rohstoff in die Ziegelproduktion.
Gefüllt werden die Kuhlen ausschließlich mit unbelastetem Boden, wie es heißt – in Rosdorf mit Erde aus vielen kleineren Baumaßnahmen (etwa aus dem Hasselbach-Neubau oder dem A-38-Bau), in Friedland mit Gestein aus dem gerade im Bau befindlichen Bebenroth-Eisenbahntunnel bei Neuseesen. Der bereits vollständig gefüllte kleine See in Rosdorf, so Meurer, sei zuvor von Anglern sorgfältig elektrisch abgefischt worden.

Während Norbert Schulz, Leiter der Naturschutzbehörde beim Landkreis, betont, die Eigentümer der Abbaugebiete von Bodenschätzen seien weder verpflichtet noch imstande, das Entstehen von Biotopen während der Abbauzeit zu verhindern, beklagt Recke genau das: „Meiner Meinung nach hat der Betreiber schon dadurch, dass er über lange Zeit die Entwicklung dieser naturnahen Biotope zuließ, seine Pflichten aus den Verträgen verletzt.“

Infos zum Verfahren

Jeder Abbau von Bodenschätzen bedarf eines Genehmigungsverfahrens. Dabei wird ein Rekultivierungsplan aufgestellt, wie der Eingriff in die Landschaft zu beseitigen ist. Dieser Plan ist bindend. Überdies müssen für jeden Eingriff Ausgleichsmaßnahmen durch Herstellung höherwertiger Biotope (Wald, Streuobstwieden, Feuchtiotope) erbracht werden. Im Fall Friedland gab es zudem ein Planfeststellungsverfahren für den Eisenbahntunnel, indem die Entsorgung des Gesteins aus dem Tunnel in der Tongrube festgelegt wurde. Eigentümer können nicht verpflichtet werden, das Entstehen eines Biotops zu verhindern, weil dies zu weiteren Natureingriffen führen würde.

Recke lässt auch die Unterscheidung nicht gelten, dass es sich bei den durch das Verfüllen bedrohten Amphibien lediglich um „geschützte“, nicht aber um „besonders geschützte Tierarten“ handele. Wenn nämlich – wie vor Jahren am Kiesabbaugebiet Ballertasche bei Hann. Münden – extrem seltene Gelbbauchunken nachgewiesen würden, könnte das eine Überarbeitung der Rekultivierungspläne erfordern. Doch diesen Nachweis hat Recke bisher nicht erbringen können. Was er aber massenhaft gefunden habe, seien vertrockneter Laich und mumifizierte Kaulquappen verschiedener anderer Frosch- und Krötenarten.

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Wie man es macht, ist es falsch: Erstens sind Menschen aus verständlichen Gründen gegen Eingriffe in die Landschaft. Ohne diese aber gäbe es keine Ziegel zum Häuserbauen und keinen Ton, um Deponien abzudichten.

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