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Tourismus: Kuqua und Haus des Wissens als Magnet

Thema des Tages Tourismus: Kuqua und Haus des Wissens als Magnet

Tourismus boomt – ­bundesweit haben die Übernachtungszahlen um drei Prozent zugenommen. Niedersachsen verzeichnet zwar mit mehr als 40 Millionen Übernachtungen einen Rekord, hinkt allerdings mit einer Wachstums­rate von nur 1,3 Prozent dem Bundestrend hinterher. Das geht aus dem aktuellen Tourismusbaromter der Sparkasse Niedersachsen hervor.  In der Region gibt es unterschiedliche Entwicklungen.

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Göttingen steht bei Touristen weiterhin hoch im Kurs – 2014 stiegen die Übernachtungszahlen sogar weit über Bundesdurchschnitt.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Dem Rekord an Übernachtungen in Niedersachsen von 40,4 Millionen im Jahr 2014 steht ein Mangel an Investitionen für die Zukunft gegenüber: Das hat Thomas Mang, Präsident des Sparkassenverbandes Niedersachsen, bei der Vorstellung des Tourismusbarometers in Hannover gesagt. „Die Wettbewerber ziehen an Niedersachsen vorbei“, so Mang, der sich mehr Ideen und mehr Investitionen in der Tourismusbranche wünscht.

 
Für Göttingen allerdings gilt: „Wir haben eine super Entwicklung in  der Stadt“, sagt Angelika Daamen, Chefin des Vereins Göttingen-Tourismus. In der Stadt Göttingen seien die Übernachtungszahlen im Jahr 2014 um 5,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. Die Stadt liegt damit sogar noch über dem Bundes- und weit über dem Landesdurchschnitt. 444000 Übernachtungen wurden 2014 gezählt, die Zahl ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen.
Ein Grund dafür sind laut Daamen auch Investitionen wie neue Infotafeln am Stadtwall, am Leineradwanderweg, mehr Kunst in der Stadt und der Umbau der Fußgängerzone.

 

Vor allem Tagungs- und Kongressgäste

 
Wie Daamen weiter erklärt, sei das Tourismusbarometer eine Studie, die ihren Fokus eher auf Urlaubsregionen richte. Also auf Regionen wie die Küste, wo Urlauber meist deutlich länger verweilen als in der Stadt. Die durchschnittliche Übernachtungsdauer in Göttingen liegt bei 1,8 Tagen. „Unser Zuwachs resultiert vor allem aus Tagungs- und Kongressgästen“, sagt die Tourismuschefin. „Städtetourismus müsste man in dem Barometer eigentlich als eigenes Segment untersuchen“, meint sie. Die Stadt Göttingen werde in der Studie aber unter  der Urlaubsregion „Weserbergland“ geführt.

 
Eine Stagnation der Zahl der Gäste aus dem Ausland, wie im Barometer aufgeführt, treffe für Göttingen ebenfalls nicht zu. „Wir hatten 9,8 Prozent mehr Gäste aus dem Ausland als in 2013“, sagt Daamen. „Damit sind wir nicht unzufrieden.“

 

 
Die Kernaussage, dass Investitionen in die touristische Infrastruktur dringend nötig seien, unterstütz die Göttinger Tourismus-Chefin aber. „Investitionen sind der Schlüssel für die touristische Entwicklung in Niedersachsen“, so Manfred Zeiner, Geschäftsführer des Instituts, das das Barometer erstellt. Dem stimmt Daamen zu. „Die Übernachtung-Zahlen hängen oft eng an den Hotels. Wenn es  da etwas neues gibt, gehen auch die Zahlen nach oben“, sagt sie. In Göttingen tut sich in dieser Hinsicht einiges: Daamen nennt den Neubau am Bartholomäusbogen, das geplante Hotel am Groner Tor, die Erweiterung des Schweizer Hofs, die Schaffung  von Hotelzimmern im GDA-Wohnstift und die Wiederbelebung des Groner Hofs. Bedarf habe die Stadt aber noch an einem günstigen Budget-Hotel.

 
Im öffentlichen Raum sieht sie aber   dringenden Investitionsbedarf. Nämlich für Busparkplätze. „Wir brauchen vier Parkplätze, auf denen Reisebusse innenstadtnah parken können“, sagt sie. Nachdem der Harz-Heide- und der Leineradweg fertig sind, wünscht sich Daamen zudem stadtnahe  Boxen für Radtouristen, die dort ihre Fahrzeuge nebst Reisegepäck einschließen können während sie die Stadt besichtigen.

 
Eine eigene Tourismus-Potenzial Analyse habe ja vor kurzem ergeben, dass in Göttingen ein schlecht-Wetter-Angebot fehle. An Wochentagen, wenn die Uni-Sammlungen geschlossen sind, gebe es kaum Besichtigungs-Angebote.
Daamen sieht Göttingen dabei in Konkurrenz zu anderen Städten. „Wir müssen einen echten Anlass schaffen, damit Menschen gezielt die Stadt besuchen.“ Bislang hätten diese Strahlkraft nur das NDR-2-Soundscheckfestival und die Händel-Festspiele. „Mit dem Kuqua und dem Haus des Wissens könnten wir den Wochenend- und Tagestourismus noch besser vermarkten.“

 

172 Millionen Euro Wertschöpfung
Die Stadt Göttingen hat die Wirtschaftskraft der Besucher errechnen lassen: Im Jahr 2013 hat sich der Nettoumsatz der Touristen auf mehr als 350 Millionen Euro beziffern lassen, das waren rund 25 Prozent mehr als noch im Jahr 2009. Das ergibt eine Wertschöpfung von rund 172 Millionen Euro (2009: rund 137 Millionen).

 

Tagestouristen und Tagungsgäste

Duderstadt . „Den Urlauber, der jedes Jahr aufs Neue zwei oder drei Wochen an seinen angestammten Urlaubsort zurückkehrt, gibt es nicht mehr“, erklärt Christian Zöpfgen. Der Leiter des Fachdienstes Tourismus der Stadt Duderstadt ist froh, dass sich die Anbieter im Eichsfeld auf die veränderten Reisegewohnheiten eingestellt haben und daher den touristischen Zulauf nicht nur halten, sondern sogar steigern konnten. So berichtet Franz-Josef Otto, der neben dem Hotel Zum Löwen in Duderstadt auch den Graf Isang am Seeburger See und das Hotel Zum Kronprinzen in Fuhrbach leitet, von einem steten Wachstum in den Belegungszahlen. Am offensichtlichsten sei der Erfolg am Hotel im Herzen der Stadt Duderstadt abzulesen, wo sich Investitionen in ein neues Konzept und die Einrichtung gelohnt hätten: „Wir haben von 2013 auf 2014 zwischen 15 und 18 Prozent zugelegt“, berichtet Otto.
Gründe dafür, dass derzeit rund 11 500 Übernachtungen im Jahr verzeichnet würden, seien die Tagungsatmosphäre im Hotel Zum Löwen, außerdem das Wachstum der Firmengruppe Ottobock, das Besucher in die Stadt bringe. Außerdem spiele die Umgebung eine nicht unwesentliche Rolle: „Gäste wollen nicht mehr ein starres Programm buchen, sondern aus vielen Optionen ein eigenes zusammenstellen können“, berichtet Zöpfgen. Dabei erhielten Tagungsgäste und Tagestouristen, die den überwiegenden Teil der Duderstadt-Besucher ausmachten, Unterstützung durch die Stadt. Die Gästeinformation vermittele neben Stadt- und Erlebnisführungen durch die Fachwerkstadt auch Museumsbesuche und gebe Tipps beispielsweise für Wanderungen und Radtouren im gesamten Eichsfeld. Die Hotels und Gaststätten leisteten einen Beitrag, indem sie neben dem, wofür das Eichsfeld stehe – Stracke, Schmandkuchen und Bier – auch Wellness und Veranstaltungen anböten. „Jeder sucht heute das Event, ob beim Wochenendtrip oder als Rahmenprogramm für eine Tagung“, glaubt Otto. ne

 

Camping im Landkreis

Göttingen. Mehr als verdoppelt haben sich die Übernachtungszahlen beim Camping im Landkreis Göttingen. Von 2009 bis 2014 ist diese Zahl von 14 766 auf 36 312 gestiegen. Das teilt das Niedersächsische Landesamt für Statistik mit. Die (seit dem Jahr 2012) insgesamt neun Campingbetriebe haben zudem eine gute Auslastung. In fast jedem Jahr war die Auslastung im zweistelligen Bereich, im Jahr 20014 lag sie bei 14,9.

 
Zum Vergleich: Campingplätze im Bereich Osterode, Goslar oder Holzminden haben maximale Auslastungen von acht Prozent zu verzeichnen. Camper bleiben zudem etwas länger als Hotelgäste. Statt der durchschnittlichen 1,8 Tage verweilen sie 2,5 bis 2,8 acht Tage lange in der Region. bib

 
Wieder mehr Übernachtungen im Frühjahr

Hann. Münden. Die Stadt Hann. Münden musste in den vergangenen Jahren zwar einen Dämpfer bei ihren Übernachtungszahlen hinnehmen. Doch dafür liefert der Touristik-Verein Naturpark Münden Erklärungen: Die Zahl der Übernachtungen in Betrieben mit mehr als neun Betten (ab 2012 ab zehn), Campingplätze eingeschlossen, zog in den vergangenen fünf Jahren laut Statistik zunächst kräftig an.

 
2010 gab es knapp 151 000 Gästeübernachtungen in Hann. Münden. Die Zahl stieg 2011 auf knapp 163 000 und 2012 noch einmal auf knapp 175 000. Seitdem ist sie rückläufig. 2013 sank die Zahl der Gästeübernachtungen wieder auf knapp 172 000 und 2014 noch einmal auf knapp 168 000.

 
Antje Jahn, Geschäftsführerin des Touristik-Vereins, erklärt die Entwicklung allerdings mit Sondereffekten. 2012 habe die Übernachtungszahl wegen der Kunstschau Documenta im benachbarten Kassel besonders hoch gelegen. 2014 seien ein Gasthof und ein Campingplatz geschlossen gewesen. Dadurch hätten 118 Schlafgelegenheiten gefehlt, was die Zahl der Übernachtungen gedrückt habe. Für das aktuelle Jahr sehe es dagegen positiv aus: Die vorläufigen Übernachtungszahlen für Januar bis März lägen wieder deutlich über dem Vorjahr.
Nach Angaben von Martin Creuels vom Touristik-Verein kamen 2014 die meisten Gäste aus Deutschland. Auf deren Konto gingen demnach rund 145 000 Übernachtungen, auf das Konto ausländischer Gäste rund 22 000 Übernachtungen. bar

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