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Tourist-Information führt durch Göttingens Unterwelt

Gewölbe Tourist-Information führt durch Göttingens Unterwelt

Eine Reise durch die Vergangenheit der etwas anderen Art. Mit dem „Gang durch Göttingens Unterwelt“ bietet die Göttinger Tourist-Information ein Führung durch alte Gewölbe im gotischen und romanischen Stil an. „Als älteste Bauzeugen“ hätten Keller, selbst wenn das Haus verschwunden sei, „gute Chancen zu überleben“, sagt Gudrun Keindorf.

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In der alten Latrine unter der Studienzentrale: Stadtführerin Gudrun Keindorf (links) berichtet vom Leben der Franziskaner-Mönche.

Quelle: Heller

Göttingen. So verraten die Bauwerke etwas über die Geschichte der Stadt, meint die Stadtführerin und Kulturwissenschaftlerin.

 
Schon oberirdisch seien in der Roten Straße Indizien für wohlhabende Besitzer zu finden. Das älteste noch vorhandene Steinhaus der Stadt spreche ebenso wie der Gewölbekeller für Wohlstand. Solch ein „Oberklasse-Mercedes mit allen Extras“ zeuge unter anderem von Verkaufsstrategie, meint Keindorf. Kunden sollen so beeindruckt von dem Bau gewesen sein, dass sie die teuren Preise nicht wahrgenommen hätten.

 
Weniger Geld dürfte unterhalb des Wilhelmsplatzes geflossen sein. 1880 stand dort der ehemalige Verwaltungssitz der Stadt. Eines Morgens sollen die Angestellten ein Loch im Fußboden vorgefunden haben. Die Decke eines verfüllten Kellers war eingestürzt. Es stellte sich heraus, dass es sich dabei um die Latrine eines – Mitte des 16. Jahrhunderts – abgerissenen Franziskaner-Klosters handelte. Das Untergeschoss des Bettelordens entpuppte sich als archäologische Fundgrube. „Was wir in dem Franziskaner-Klo gefunden haben, sagt uns etwas über die Stadtgeschichte“, erklärt Keindorf.

 
Geschichte wurde wahrscheinlich auch in einem Weinkeller in der Gotmarstraße geschrieben. Georg Christoph Lichtenberg lebte im heutigen Künstlerhaus. Der Begründer der Experimentalphysik soll Persönlichkeiten wie Johann Wolfgang von Goethe zu Gast gehabt haben. Doch eine Freundschaft sei dabei nicht entstanden, berichtet Keindorf. Zu verschieden sollen ihre Ansichten etwa zu der Newtonschen Farbenlehre aber auch der Weingeschmack gewesen sein.
Einig dürften sich die Ratsherren im Alten Rathaus gewesen sein. Auch wenn sie „sich die Köpfe heiß geredet haben, blieben die Füße im Winter kalt“, sagt Keindorf. So installierten die Bauherren im Gebäude einen Vorläufer der Fußbodenheizung. In dem niedrigen Zwischengeschoss unter dem heutigen Hochzeitszimmer wurden Feuer angezündet. Für jeden der zwölf Ratsherren gab es ein Loch in der Kellerdecke über dem die Männer später Platz nahmen.
An jedem dritten Sonnabend im Monat lädt die Tourist-Information zur Besichtigung der alten Gewölbekeller in der Göttinger Altstadt ein. Anmeldung unter Telefon 05 51 / 4 99 80 31.

 

Von Friedrich Schmidt

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