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Transplantationsmediziner schließen Chirurgen aus

Ex-Leiter der Transplantationschirurgie Transplantationsmediziner schließen Chirurgen aus

Der Transplantationsskandal am Göttinger Uni-Klinikum hat jetzt auch innerhalb der Ärzteschaft zu Konsequenzen geführt. Die Deutsche Transplantationsgesellschaft (DTG) hat den früheren Leiter der Transplantationschirurgie am Göttinger Universitätsklinikum von der Mitgliedschaft ausgeschlossen.

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Das Uniklinikum in Göttingen.

Quelle: CH

Göttingen. Einen entsprechenden Beschluss habe die Mitgliederversammlung mit großer Mehrheit anlässlich der jüngsten Jahrestagung in Essen gefasst, bestätigte am Mittwoch der Vorstand der medizinischen Fachgesellschaft. Der 49-jährige Chirurg hatte nicht an der Versammlung teilgenommen.

Als Grund für den Ausschluss wurde angegeben, dass der Mediziner gegen die Aufgaben und Ziele der Transplantationsgesellschaft verstoßen habe. Unter anderem wurde auf den Kommissionsbericht der Bundesärztekammer und den Transplantationskodex der Fachgesellschaft verwiesen.

Der Transplantationsskandal war im Sommer 2011 nach einem anonymen Anruf bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) aufgedeckt worden. Erste Überprüfungen ergaben den Verdacht, dass am Göttinger Uni-Klinikum Patientendaten manipuliert und falsche Werte an die zentrale Organvergabestelle Eurotransplant gemeldet worden waren. Dadurch hätten auch solche Patienten eine Spenderleber zugeteilt bekommen, die nach den geltenden Richtlinien keinen Anspruch auf ein Organ gehabt hätten. Die Kommission der Ärztekammer überprüfte später 105 Fälle aus der Zeit, als der 49-Jährige Leiter der Göttinger Transplantationschirurgie gewesen war. Bei 79 Patienten stellten die Prüfer Richtlinienverstöße fest.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hatte den Chirurg wegen versuchten Totschlages in elf Fällen und vorsätzlicher Körperverletzung mit Todesfolge in drei Fällen angeklagt. Sie warf ihm vor, durch die Meldung manipulierter medizinischer Daten Patienten als kränker dargestellt zu haben, als sie tatsächlich waren, damit sie schneller eine Spenderleber zugeteilt bekamen. Außerdem habe er drei Patienten eine Leber transplantiert, obwohl sie keine benötigten.

Der Prozess vor dem Landgericht Göttingen endete nach 20 Monaten im Mai 2015 mit einem Freispruch. Die Kammer war zwar überzeugt, dass der Chirurg die Manipulation von Patientendaten veranlasst oder darum gewusst hatte. Diese seien zwar nach moralischen Wertvorstellungen zu missbilligen, zum damaligen Zeitpunkt aber nicht strafbar gewesen. Der Chirurg habe auch gegen Richtlinien der Bundesärztekammer verstoßen. Auch dies sei jedoch strafrechtlich nicht relevant, weil die Richtlinien verfassungswidrig seien.

Die Staatsanwaltschaft hat gegen das Urteil Revision eingelegt. Der Fall ist derzeit vor dem Bundesgerichtshof in Leipzig anhängig. Die BGH-Entscheidung wird auch andernorts mit großer Spannung erwartet, weil es bislang keine höchstrichterliche Rechtsprechung zu derartigen Fällen gibt. Gegen den Göttinger Chirurgen ist außerdem noch ein weiteres Verfahren bei der Staatsanwaltschaft Regensburg anhängig. Bei seiner früheren Tätigkeit an der dortigen Uniklinik soll es ebenfalls zu Manipulationen gekommen sein.

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