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„Treffer – Abfall versenkt“

Töne aus der Tonne „Treffer – Abfall versenkt“

Falls jemand immer schon darauf gewartet hat, dass man ihm dankt, wenn er einen öffentlichen Mülleimer benutzt, darf sich freuen. Seit Montag stehen in der Göttinger Innenstadt zehn sprechende Abfallkörbe und brechen förmlich in Jubelstürme aus, wenn man sie denn füttert.

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Freuen sich über die Aktion – und die kessen Sprüche der Mülleimer: Maja Heindorf (links) und Beate Behrens.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Sobald Pommesschale oder Taschentuch geflogen kommen, spucken sie tief aus ihrem Schlund Sätze aus wie „Treffer – Abfall versenkt“, „Mmhh – alles meins“ oder „Danke – und bis zum nächsten Mal“. Acht Variationen dieser Anfeuerungsrufe für den umweltbewussten Bürger gibt es, gesprochen von Frauen, Männern und Kindern. Und das ist längst nicht alles: Als modernes Bonbon gibt es gar eine knarzende Computerstimme. Das alles funktioniert dank integrierter Lichtschranke, die über ein Solarmodul auf dem Papierkorb gespeist wird, ganz gut. Aber hilft es auch, die Stadt ein bisschen sauberer zu machen?

Das jedenfalls versprechen sich die Initiatoren von der vierwöchigen Aktion. Die Abfallkörbe hat der gemeinnützige Verein Benefiz aus Hannover bereitgestellt. Er kümmert sich auch um die „technische Betreuung“ der „attraktiven Gehäuse aus Bambus und Stahl“. Geld für das Projekt, das zuvor auch schon unter anderem im Hannover, Osnabrück und Braunschweig Station machte, kommt von der niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung. Gesamtkosten für alle zehn Stationen, von der Göttingen die siebte ist: knapp 30 000 Euro. Die Göttinger Entsorgungsbetriebe (GEB) kümmern sich derweil um die Leerung der sprechenden Mülleimer, die vor zehn Göttinger Innenstadtgeschäften aufgestellt wurden.

Die Inhaber dieser Geschäfte fungieren gleichzeitig als Paten der Abfallkörbe. „Sie sollen ein Auge darauf haben und sie abends reinholen, um sie vor Vandalismus zu schützen“, erklärt Maja Heindorf von den GEB das Prinzip. Sie hält die Aktion für ein „sympathisches Werben um Sauberkeit in der Stadt“ – ohne drohenden Zeigefinger.

City-Managerin Beate Behrens ist begeistert von der „charmanten Idee“. Schließlich sei das hohe Müllaufkommen in der Innenstadt „ein ständiges Problem“. Das unterstreicht auch Dirk Brandenburg von den GEB. In der Fußgängerzone nähmen die Abfallmengen immer mehr zu, zum Beispiel durch die vielen Becher für Kaffee zum Mitnehmen. Da kämen die neuen Mülleimer doch wie gerufen, um die Aufmerksamkeit darauf zu lenken. „dass jeder mal wieder über sein Abfallverhalten nachdenkt“.

Die Erfahrungen in den anderen Städten seien jedenfalls durchweg positiv, betonen Emre Celik vom Verein Benefiz und Karsten Behr von der Bingo-Umweltstiftung. Nur vereinzelt gebe es „Meckerköpfe“, sagt Behr, aber das sei ja nicht ungewöhnlich. Einer dieser „Meckerköpfe“ findet sich denn auch schnell an den Göttinger Tonnen ein. „Völlig überflüssig“, attestiert der ältere Herr, der seinen Namen nicht nennen möchte. Menschen müssten doch so klug sein, von selbst auf die Idee zu kommen, ihren Müll nicht auf die Straße zu werfen. Annemarie Schwung findet die Idee hingegen gut. „Ich werfe meinen Müll immer in den Eimer“, betont die 75-Jährige.

Dass die sprechenden Papierkörbe ihren Zweck erfüllen, davon ist Celik überzeugt. In diesen lande schließlich 40 Prozent mehr Müll als in konventionellen, rechnet er vor. Das kann allerdings auch daran liegen, dass die neuen Tonnen mit 120 Liter Fassungsvermögen doppelt so groß sind wie übliche Papierkörbe.

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Von Redakteur Andreas Fuhrmann

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