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Trocken auch nach Regen

Rätsel um Lutterbach Trocken auch nach Regen

Wo ist das Lutterwasser? Darüber rätseln Weender, Herberhäuser und Naturschützer.

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Knochentrocken: Die Lutter in ihrem neuen Bett an der Kreuzung Hoffmannshof unterhalb von Nikolausberg.

Quelle: Schubert

Viel Wasser hat der Bach zwischen Knochenmühle und Weender Krankenhaus wohl nie geführt. In diesem Jahr aber bleibt er auf dem 1,8 Kilometer langen Abschnitt auch nach starken Regenfällen knochentrocken. Landschaftsplaner, Umweltberater und Umweltschützer Uwe Scheibler sieht einen Zusammenhang mit dem Neubau der Bundesstraße 27. Sie wurde in diesem Abschnitt verbreitert und das Lutterbett dafür einige Meter verschoben.

Trostlos sieht es aus im Bett des Baches unterhalb des Hoffmannshofes: Im oberen Abschnitt nur grauer Kies oder Pflasterstein – kein Moos, kein einziges Pflänzchen. Im unteren Abschnitt gibt es zwar noch Büsche, Gräser und altes Moos. Darauf liegen aber viele Laubblätter, die bei zurückliegenden Regenfällen eigentlich hätten weggespült sein müssen. Seit die Straße hier verbreitert und der Bachlauf neu angelegt wurde sei die Lutter vollständig ausgetrocknet, klagt Scheibler.
Früher sei nach Regen immer etwas Wasser geflossen, nur in kurzen Abschnitten sei der Bach gelegentlich „trocken gefallen“. Am Wasser und in den Uferpflanzen hätte man Wasseramseln, die Bachstelzen, Gartenbaumläufer, Rotkehlchen, Zaunkönige und auch die Gebirgsstelze beobachten können. Bei kleinen Schwellen hätten sich Quellmoos, an den Ufern Sumpfdotterblumen, Bachbunge und die gelbe Schwertlilie angesiedelt. Auch Mädesüss, Gilbweiderich und Blutweiderich „waren nicht selten“.

„Jetzt hat die Lutter aufgehört zu existieren“, sagt Scheibler. Vorher vorhandene Pflanzen und Tiere seien durch die „vollständige Zerstörung des Lebensraums vertrieben oder tot“. Seit 2008 wurde an der B 27 gebaut und der Bachlauf verlegt. Das neu gebaute Bachbett habe teilweise „extrem steile Böschungen“ und sei an vielen Stellen gepflastert. „Ein lebensfeindliches Querprofil ohne ökomorphologische Funktion“ – und dann auch noch ohne Wasser.

Erst auf Höhe des Weender Krankenhauses taucht es wieder auf. Wie aus einem Springbrunnen quellt es aus dem Boden und füllt die Lutter reichlich. Wo das Wasser unterhalb der Knochenmühle bleibt, weiß niemand ganz genau. Sicher sei, dass es beim Umbau der Kreuzung Hoffmannshof nicht durch Rohre umgeleitet wurde, sagt Gudrun Friedrich-Braun, Leiterin des städtischen Fachbereichs Umwelt. Wahrscheinlichste Ursache: die geologische Beschaffenheit des Untergrunds. Am Schnittpunkt des Roringer Talgrabens mit dem Luttertal befinde sich ein Karstgebiet. Das habe eine hydrologische Untersuchung einer Braunschweiger Ingenieurgesellschaft 1996 ergeben. Verkarstung sind nach Lexika-Angaben durch Kohlensäure gelöste Gesteinsschichten. Niederschlagswasser oder auch ein Bach können durch die entstandenen Kanäle unterirdisch abfließen.

Ab ihrer Quelle östlich von Herberhausen führt die Lutter bis zur Knochenmühle immer Wasser. Dass sie dann schon immer bis zum Weender Krankenhaus irgendwie abtaucht, bestätigen alte Weender wie Ulrich Hübner oder Volker Grothey aus Herberhausen. Aber auch sie erinnern sich, dass der Bach im trockeneren Abschnitt nach Regen immer reichlich und eine längere Zeit Wasser führte. Das sei seit einigen Jahren seltener geworden, hat auch Grothey bemerkt. Über die Ursache wird jetzt weiter gerätselt.

Von Ulrich Schubert

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