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Tröglitz ist überall – nur nicht in Südniedersachsen

Wachsamkeit und null Toleranz Tröglitz ist überall – nur nicht in Südniedersachsen

Übergriffe wie der Brandanschlag von Neonazis auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft im sachsen-anhaltinischen Ort Tröglitz sind offenbar kein ostdeutsches Problem. Auch im Westen der Republik, etwa im fränkischen Vorra, wurden im Dezember drei Häuser, in denen Flüchtlinge eigentlich Schutz finden sollten, angesteckt, im Februar wurde in Escheburg in Schleswig-Holstein eine Asylbewerberunterkunft in Folge eines Brandanschlags unbewohnbar.

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Verwaltung der Stadt Göttingen engagiert privaten Sicherheitsdienst.

Quelle: dpa

Göttingen. Tröglitz ist überall, das lassen auch Zahlen des Bundeskriminalamtes vermuten. Offenbar aber nicht in Südniedersachsen.

Es seien keine Bedrohungen oder Übergriffe bekannt, sagt Sozialdezernent Marcel Riethig (SPD) vom Landkreis Göttingen. Vielmehr berichtet er von Unterstützung für Flüchtlinge: „Wir spüren eine große Welle der Hilfsbereitschaft sowohl in Göttingen als auch in Duderstadt und im gesamten Landkreis, die absolut vorbildlich ist und für die wir sehr dankbar sind.“

Dennoch setze die Kreisverwaltung auf Wachsamkeit. Laut Riethig würden umgehend Maßnahmen eingeleitet, sollte es eine Bedrohungssituation geben. Riethig: „Hier gilt null Toleranz.“ Es lägen aktuell aber keine Erkenntnisse über ein besonderes Gefahrenpotenzial vor.

In der Stadt Hann. Münden, in der laut Sprecherin Julia Bytom zurzeit Menschen aus etwa 17 unterschiedlichen Nationen leben, seien keine Ausschreitungen oder fremdenfeindlichen Übergriffe bekannt. „Wir wollen die Braunen nicht“, sagt Bytom, und genau das hätten die Bürger schon vor vielen Jahren bei einer großen Demonstration deutlich gemacht.

Auch in Göttingen gebe es bis jetzt „keinerlei Indizien für Ressentiments“ gegenüber Flüchtlingen, sagt Sozialdezernentin Dagmar Schlapeit-Beck (SPD). Ganz im Gegenteil: „Es herrscht eine sehr positive Stimmung. Viele Vereine, Kirchengemeinden und Ehrenamtliche wollen helfen.“ Dabei habe es in Göttingen auch schon mal „schwierigere Zeiten gegeben“.

Dennoch habe die Verwaltung vorgesorgt und einen privaten Sicherheitsdienst engagiert, sagt Schlapeit-Beck. Dieser bewache dezentral untergebrachte Flüchtlinge ebenso wie Notunterkünfte wie an der Breslauer Straße. Auch das Gebäude der ehemaligen Voigtschule werde „nachts von einem Wachdienst gesichert“.

Unterdessen habe Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) angeordnet, dass bereits die Baustelle für das geplante Flüchtlingswohnheim auf den Zietenterrassen überwacht werden solle, sobald sie eingerichtet sei, sagt die Sozialdezernentin. Das sei eine rein vorsorgliche Maßnahme. Die Verwaltung wolle aber „jegliche Übergriffe vermeiden“.

„In den nächsten Flieger“

Vertreter von Stadt und Landkreis Göttingen loben unisono das Verhalten ihrer Bürger. Ressentiments gegenüber Flüchtlingen, womöglich sogar Hass oder Gewalt? Das gebe es in der Region nicht, heißt es. In Sachen körperlicher Gewalt mag das stimmen. Dass allerdings nicht alle die Flüchtlinge in Südniedersachsen mit offenen Armen empfangen, zeigen beispielhaft Kommentare, die Nutzer in den vergangenen Tagen auf dem Facebook-Auftritt des Göttinger Tageblatts gepostet haben.

So wurden zu dem geplanten Sportfeld für Flüchtlinge auf den Zietenterrassen unter anderem folgende Kommentare abgegeben (alle Zitate sprachlich nicht geglättet):

„wow wofür die doch alles geld haben wenns um einwanderer geht..unsere leute werden kurz gehalten.“

„Alles klar meine Tochter wird beim asc abgemeldet, mit mein Geld nicht!“

„wir haben schon genug von diesen sogenannten Flüchtlingen, es reicht langsam!“

„da fehlem einen die worte,wofür die alles geld haben.“

„Dan wacht entlich Mahl auf.seht ihr nicht selber das die alles bekommen.und was ist mit unseren Kinder.“

Zu dem Bericht über geduldete Flüchtlinge, die in Göttingen bald ein Konto einrichten dürfen, wurden unter anderem folgende Kommentare abgegeben:

„Das einzigste was die bei mir dürften ist in den nächsten Flieger mit one way Ticket.“

„Und die eigende leute können zu sehen wo die bleiben.“

„Genau, gibt den noch ne Luxushotel,die sollen lieber arbeiten.“

„Ich finde nur man sollte erstmal etwas für die Milliarden Deutsche tun die jeden Tag hungern!!“

Und zu dem Artikel „Flüchtlinge lernen Fahrradfahren in Göttingen“ hieß es unter anderem:

„Die erste Berührung mit dem Drahtesel? Aber schon gut eingekleidet die Damen mit Adidas Schuhen und Klamotten die nicht gerade aussehen wie von „KIK“. Viele Deutsche können sich sowas nicht leisten. Schlaraffenland Deutschland.“

Andere schreiben zu dem selben Bericht aber auch:

„Gute Sache!“

„Super Sache, mehr davon!“

Von Andreas Fuhrmann und Britta Eichner-Ramm

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