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Kinder aus Tschernobyl zu Gast in Göttingen

Göttinger Berufsfeuerwehr Kinder aus Tschernobyl zu Gast in Göttingen

Mit dem Wasserschlauch haben 35 Tschernobyl-Kinder bei der Göttinger Berufsfeuerwehr nacheinander ein Feuer löschen dürfen. Die Ukrainer, die 50 bis 90 Kilometer vom Ort der Reaktorkatastrophe entfernt leben, verbringen ihre Ferien in Speele. Neun Betreuer begleiteten sie, darunter eine Krankenschwester.

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Quelle: Hartwig

Göttingen. Die Kinder staunten über die blanken Metallstangen, an denen die Feuerwehrleute bei Alarm aus den oberen Stockwerken hinunter in die Fahrzeughalle rutschen. „Schneller kommt man nicht herunter“, erklärte Hauptbrandmeister Jens Austinat in der Wache an der Breslauer Straße.

Mit großen Augen standen die Kinder vor den glänzenden Feuerwehrautos. Sie durften alle auf dem Hof einmal eine Runde mitfahren. „Bei uns in der Ukraine gibt es das auf diesem Niveau nicht“, erklärte Pastor Vitali Charun, der zu den Betreuern gehört.

Die zwölfjährige Olga, die zwei kleine Hunde besitzt, beeindruckte das Fahrzeug für die Rettung von Tieren. Sie hätten, verriet der Hauptbrandmeister, schon angefahrene Katzen, verletzte Schwäne und entkommene Krokodile gefangen.

Auf großes Interesse stieß die Drehleiter, mit der die Feuerwehr Menschen aus mehrstöckigen Gebäuden retten kann. Einige Betreuer ließen sich nach oben fahren. Die Acht- bis 15-Jährigen, die aus Sicherheitsgründen nicht mitfahren durften, winkten ihnen nach.

Erschreckende Verhältnisse in der Ukraine

„Die Kinder und Jugendlichen stammen alle aus schwierigen sozialen Verhältnissen“, berichtete Pavle Vojnov vom Verein „Hoffnung für Tschernoyl-Kinder“, der die Gruppe nach Speele eingeladen hat. Dort betreibt Vojnov gemeinsam mit Ehefrau Michaela das Erholungsheim Haus Waldfried, das an der Fulda liegt und über einen eigenen Spielplatz verfügt.

„Der Kontakt in die Ukraine besteht seit mehr als 20 Jahren“, erzählte Vojnov. Er und seine Frau hätten in diesem Jahr die Organisation von einem Ehepaar übernommen, das die Arbeit aus Altersgründen nicht mehr habe fortführen können.

„Ausgewählt werden die Kinder von Pastor Charun und Pastor Elia Velichka, die zur Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten gehören“, sagte Vojnov. Er selbst sei im Februar in die Ukraine gereist, um die Kinder kennenzulernen. Die Verhältnisse dort hätten ihn erschreckt. Die Familien lebten zum Teil in Holzhütten.

„Viele Männer sind zum Militärdienst eingezogen und kämpfen in der Ostukraine“, erfuhr Vojnov. Alkoholismus sei verbreitet. Die Kinder erlebten in den Familien oft Gewalt. Viele arme Familien ernährten sich hauptsächlich von dem, was im eigenen Garten wachse. „Die Kinder erleben in Deutschland eine unbeschwerte Zeit, in der sich Menschen für sie Zeit nehmen“, sagte Pastor Charun, der seit 20 Jahren mit dabei ist. Das würden sie ihr Leben lang nicht vergessen.

Die Tschernobyl-Kinder, die in Speele viel singen, geben am Sonnabend, 22. Juli, um 15 Uhr bei den Siebenten-Tags-Adventisten in Göttingen, Am Steinsgraben 11, ein Konzert.

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