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Übung auf dem Eis

Feuerwehr rettet Mann aus Kiessee Übung auf dem Eis

Keine 15 Minuten hat die Göttinger Berufsfeuerwehr gestern nach dem Notruf benötigt, um einen Mann zu retten, der im Kiessee ins Eis eingebrochen war. Auf einem Spezialschlitten konnten sie ihn aus dem Wasser und an Land ziehen – bibbernd vor Kälte, aber unverletzt. Es war ein Kollege, der Rettungseinsatz eine Übung.

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Schwerstarbeit: Manuel Nolte (rechts) und Nick-Paul Müller ziehen den Ertrinkenden auf den Eisschlitten.

Quelle: Hinzmann

Jens Austinat schreit und winkt mit den Armen. Dem Feuerwehrmann mit Schauspielertalent ist wirklich eiskalt – der Taucheranzug ist undicht. „Bleiben Sie ruhig, Hilfe kommt“, ruft ihm Wachabteilungsleiter Jürgen Neupert vom Ufer aus zu. Alles soll so echt wie möglich sein, damit es auch im Ernstfall optimal läuft. Der Einsatzbefehl für den Rettungszug in der Hauptwache ging nur wenige Minuten zuvor ein: „Ins Eis eingebrochene Person im Kiessee, Ablauf am Sandweg“.
Mit neun Mann auf drei Fahrzeugen, einem Rettungswagen-Team und einem Boot für alle Fälle rücken die Helfer aus – wasserdichte und warme Schutzanzüge für die Eisrettung ziehen sie schon auf der Wache an. Bei sieben Grad Minus Lufttemperatur und eiskaltem Wasser zählt jede Sekunde, sagt Neupert. Etwa zehn Minuten könne ein gesunder Mensch im Eiswasser ausharren, dann erschlaffen die Muskeln und der Körper werde lahm. Nach 20 Minuten nehme die Überlebenschance rapide ab.

Vorsicht an brüchiger Kante

Manuel Nolte, Nick-Paul Müller und ihre Kollegen sind schnell. Nolte erreicht das Opfer im 50 Meter entfernten Eisloch als erster. So lange es geht, läuft er gebückt übers Eis – zügig aber vorsichtig. Die letzten Meter bis zur brüchigen Kante kriecht und robbt er – die eigene Sicherheit ist oberstes Gebot. Schnell sichert er mit Rettungsring und Leine den Ertrinkenden, hält ihn fest, beruhigt ihn. Müller folgt mit einem schwimmfähigen Spezialschlitten. Gemeinsam hieven sie Austinat aus dem Wasser. Schwerstarbeit bei einem 80-Kilo-Mann mit nasser Kleidung. Ihre Kollegen ziehen den Eisschlitten dann mit an Land. Sie haben auch Nolte und Müller an Leinen sicher im Griff.

Wäre das Eis dünner, hätten die Helfer bis zum Eisloch Leitern ausgelegt oder ein Schlauchboot über den Schnee gezogen, um ihr Gewicht besser zu verteilen. Schon in der Grundausbildung würden alle Berufsfeuerwehrleute für Einsätze in Wasser und Eis ausgebildet, erklärt Neupert. Aber nur selten könne eine Eisrettung unter so echten Bedingungen geübt werden. Sein Fazit: „Alles hat gut geklappt.“ Sein Wunsch für die Zukunft: „Kein Ernstfall.“

Von Ulrich Schubert

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