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Ulrich Langenberg findet den Hof, wo er als Dreijähriger untergekommen ist

Kriegsflüchtlinge Ulrich Langenberg findet den Hof, wo er als Dreijähriger untergekommen ist

Nach dem schweren Bombenangriff auf Solingen im November 1944 haben sich drei Cousinen mit ihren vier Kindern nach Ischenrode evakuieren lassen. Mit dabei war der damals dreijährige Ulrich Langenberg. 70 Jahre später hat der Rentner den Bauernhof erneut besucht.

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Aus der Großstadt evakuiert: Ulrich Langenberg mit Ehefrau Renate Mattausch

Quelle: Caspar

Ischenrode. „Beim ersten Rundgang durch Ischenrode habe ich nichts wiedererkannt“, berichtet Langenberg. Von seiner Mutter wusste er, dass sie damals für ein halbes Jahr bei einer Familie Jütte untergekommen waren. Die Gaststätte „Mutter Jütte“ entdeckte er bei einer ersten Recherche im Internet. Dort quartierte er sich mit seiner Frau, Renate Mattausch (70), ein. Der Gastwirt konnte weiterhelfen. Er schickte das Ehepaar in die Bremker Straße 20.

„Als ich um das Haus herum zur Eingangstür ging, hat es Klick gemacht“, erzählt Langenberg. Von der alten Generation Jütte lebt allerdings niemand mehr. Die Solinger wohnten seinerzeit alle zusammen in einem großen Zimmer im ersten Stock. Der Rentner erinnert sich noch gut an die Hunde, Katzen und Hühner, mit denen er auf dem Hof gespielt hat. Der ehemalige Schweinestall ist heute zu einem Wohnhaus ausgebaut.

Auf der großen Wiese auf der anderen Straßenseite steht heute Wald. Über den Bach, der dort fließt, versuchte der Dreijährige einst zu springen. Die Kinder im Dorf ermunterten ihn dazu. „Zum Ärger der Mutter landete ich jedoch immer mitten drin“, amüsiert sich Langenberg. Etwas weiter die Straße hoch stand damals ein Brunnen, wo die Dorfbewohner Wasser holten. Heute gibt es eine Leitung zum Platz vor der Kirche, wo Landwirte das Wasser nutzen.

Der Solinger, der 30 Jahre als Busfahrer gearbeitet hat, lief auch die sieben Kilometer lange Strecke nach Bremke. Dort kaufte die Mutter damals ein. Für den Dreijährigen war das ein Gewaltmarsch. „Für mich ist es das mittlerweile auch wieder“, sagt der Rentner. Die Zeit in Ischenrode endete für den Jungen im Mai 1945. Der Vater, der als Soldat in Dänemark seiner Frau Lebensmittelpakete nach Südniedersachsen geschickt hatte, holte seine Familie sofort nach Kriegsende zurück ins Bergische Land.

Von Michael Caspar

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